Der Einblick in die Familie war super, aber die philosophischen Ausschweifungen eher nicht meins.
Als der Vater der Familie nicht von einer Wanderung in den Wäldern Virginias zurückkehrt, kommt nur der 14-jährige Eugene verstört nach Hause. Wegen seiner Autismus-Spektrum-Störung kann er niemandem mitteilen, was geschehen ist, und gerät schnell selbst ins Zentrum der Ermittlungen. Seine Schwester Mia beginnt auf eigene Faust zu recherchieren und stösst dabei auf Geheimnisse, die die heile Fassade ihrer Familie gefährlich ins Wanken bringen. Was als Vermisstenfall beginnt, entwickelt sich zu einer intensiven Suche nach Wahrheit, Identität und Vertrauen.
Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber gerade dadurch intensiv und sehr subjektiv. Besonders gefallen hat mir, wie tief man in die Gedankenwelt der Familie eintaucht und wie ehrlich Mia sich selbst reflektiert. Die philosophischen Ausführungen über Glück waren mir jedoch stellenweise zu viel und bremsten die Handlung etwas aus. Trotzdem bietet der Roman viel Stoff zum Nachdenken und verbindet Spannung mit emotionaler Tiefe.
Mein Fazit: Ein vielschichtiger Familienroman mit Längen, aber auch interessanten Einblicken. 4 Sterne.
Wer bist du, wenn du nicht (verbal) kommunizieren kannst?
Die (An-)Spannung im Roman war durchgängig spürbar - aus einer Perspektive geschrieben, die einen Blick von außen schaffte und trotzdem die ganze Zeit mittendrin ist. Unmöglich, das Buch schnell wieder wegzulegen.
The book wasn't unlikeable or boring per se. I was really invested in some parts and then totally checked out in the next ones. It was difficult to follow Mia as a narrator because she lost herself in over explanations which quite frankly were unnecessary. And I also did not expect to have so much science talk (I personally don't like science so I wasn't invested one bit). But what I disliked the most was the ending.
*Potential spoiler*
The ending didn't clarify anything. And if there is one thing I hate in thrillers.. you guessed it: it's open endings! I have the same exact knowledge that I had at the beginning of the book. There are just too many loose threads.
I will say though that I really liked the representation and the way the author described and talked about different disabilities
Kurze Zusammenfassung
In Happiness Falls verschwindet Adam, der Vater der Familie, während eines Spaziergangs mit seinem Sohn Eugene. Eugene kehrt allein und mit Blutspuren zurück – kann aber nicht sprechen, da er mit Autismus und dem Angelman-Syndrom lebt. Die Geschichte wird aus der Sicht von Tochter Mia erzählt und beleuchtet Familienkonflikte, Kommunikation, Glück und Geheimnisse, während das Umfeld versucht zu verstehen, was mit Adam passiert ist.
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Meine Eindrücke
Ich habe das Buch vor einigen Wochen einmal begonnen und dann abgebrochen, weil es mich nicht gepackt hat. Beim zweiten Anlauf habe ich es beendet, aber ein Page Turner – wie es auf dem Cover durch ein Zitat der Washington Post versprochen wird – war es für mich definitiv nicht.
Die Grundidee fand ich richtig spannend: Ein nicht sprechender Junge, ein verschwundener Vater und die Frage, ob und wie man Eugene dazu bringen kann, sich mitzuteilen. Gerade das Thema Autismus und alternative Kommunikation hat mich sehr interessiert.
Was mir die Lust am Lesen aber immer wieder genommen hat, war Mia als Erzählerin. Sie ist extrem ausschweifend, verliert sich in gedanklichen Seitenwegen und erklärt vieles weitläufig. Dadurch wurde es für mich oft langatmig und teilweise unübersichtlich, und ich konnte nicht immer gut folgen.
Trotzdem: Die Geschichte selbst ist stark und klug konstruiert, und der Stil – bzw. in meinem Fall die Übersetzung von Wiebke Kuhn – hat mir gefallen. Auch die Themen Vielfalt, Familiendynamik und Sprache werden gut erzählt. Mir hat allerdings angie Kims erstes Buch besser gefallen.
Mias 14-jähriger Bruder Eugene kommt sichtlich verstört rennend und ohne ihren Vater, der ihn begleitet hatte, aus dem nahe gelegenen Park zurück. Er kann sich nicht mitteilen, denn er ist Autist und hat das Mosaic Angelman Syndrome, eine genetisch bedingte Störung, die unter anderem zur Folge hat, dass er nicht sprechen kann. Auch Versuche, über alphabetische Hilfsmittel mit ihm zu kommunizieren, sind bisher krachend fehlgeschlagen. Der Familienvater bleibt verschwunden und nur Eugene weiß, was passiert ist. Als die Polizei ermittelt, wird auch der Jungen zum Verdächtigen.
Wie ihr wisst, bin ich keine große Krimi- oder Thriller-Leserin. Als jedoch im Papierstau-Podcast über dieses Buch gesprochen wurde, wurde ich aufgrund der Implikationen, die die medizinischen Besonderheiten in dem Fall mit sich bringen, sehr neugierig und habe mich daher entschlossen, zum Hörbuch zu greifen.
Es gibt kein Vorgeplänkel in diesem Buch, es beginnt sofort mit dem Verschwinden von Adam, dem Vater der zwanzigjährigen Zwillinge Mia und John und ihres jüngeren Bruders Eugene. Die Geschwister und ihre Mutter suchen nun nicht nur nach Adam, sondern versuchen auch verzweifelt, den aufgrund seiner Behinderung mitteilungsunfähigen Eugene zu schützen.
Die Geschichte ist von Anfang an irre spannend. Angie Kim arbeitet dabei auch viel mit Andeutungen künftiger Entwicklungen, die auf dramatische Ereignisse hindeuten. Ich habe dieser leider so missverstanden, dass ich am Ende mit einem gewaltigen Twist gerechnet habe und war erst einmal enttäuscht, als dieser ausblieb. Auch so bleiben am Ende jedoch so einige Zweifel.
Trotzdem ist das Buch am Ende ein Highlight für mich, denn schon allein die liebevolle Darstellung der Familie und der Beziehung der Eltern und Geschwister zu Eugene hat mir ausnehmend gut gefallen. Angie Kim hat mit dieser Geschichte auch ein Anliegen, denn sie wurde selbst Zeugin von Fällen, in denen sogenannte non-verbale Menschen sich bei erfolgreichen Kommunikationsversuchen als intelligent erwiesen, obwohl bisher davon ausgegangen worden war, dass sie gar nicht ausdrucksfähig sind. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Mutter und somit auch ihre Kinder wie Angie Kim selbst koreanischer Abstammung sind und auch dies einen starken Einfluss darauf hat, wie sie von ihrem Mitmenschen wahrgenommen werden.
So wird dieser unblutige Thriller zu einem ganz besonderen, den ich sicher nicht vergessen werde und der dazu anregt, eigene Wahrnehmungen zu überdenken und sich eingehender über Menschen mit Behinderungen wie Eugenes zu informieren. Angie Kim erzählt im Nachwort von ihren eigenen Erfahrungen und gibt interessante Literaturtipps.
🗣️ English translation below
Ein Buch, welchem ich 5 Sterne gegeben hätte, wenn das Ende nicht gewesen wäre, welches mich etwas unzufrieden zurücklässt. Ich hätte dieses Buch gern mit jemandem zusammen gelesen, um immer wieder über die Handlung sprechen zu können.
Nachdem ich bereits das erste Buch der Autorin ‚Miracle Creek‘ als vielschichtig und äußerst gut recherchiert wahrgenommen habe, enttäuscht auch ‚Happiness Falls‘ nicht. Es behandelt Themen wie Rassismus, Ableismus und Sexismus; aber auch philosophische und psychologische Fragen.
Ich mag die Erzählweise, die interessante Nutzung von Fußnoten und auch immer wieder die bildhafte Verdeutlichung. Ich fand es sehr spannend!
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Since I read the book in English, I’m also translating my rating.
I would’ve given the book 5 stars if it weren’t for the ending which left me a bit dissatisfied. I would’ve liked to have read this book with someone else to discuss the ongoing story.
After already reading the first book of the author ‘miracle creek’ and finding it very well researched, ‘happiness falls’ isn’t disappointing either. It’s talking about topics like racism, ableism and sexism; as well as philosophical and psychological questions.
I like the writing style, the usage of footnotes and the way diagrams are used to illustrate the presented facts. It was very gripping!
Spannung war aufgrund der vielen Fährten schon da, aber die ständigen philosophisch-wissenschaftlichen Ausschweifungen waren nervig
Ich war wirklich auf das Buch gespannt, denn der Klappentext versprach einen guten Psycho-Krimi. Und Spannung war schon da. Die Autorin legte immer wieder ein paar Fährten aus, denen man auf den Leim ging und man wollte wirklich wissen, was nun passiert ist. Aber das war für mich das einzig positive an dem Buch.
Folgende Kritikpunkte habe ich:
1. Die Autorin verliert sich zu häufig in wissenschaftlichen und philosophischen Ausschweifungen. Das macht das ganze Buch für mich zäh und langatmig.
2. Die Hauptprotagonistin - die Zwillingsschwester und Ich-Erzählerin - war für mich eher unsymphatisch. Ich kann nicht genau sagen, was mich gestört hat, aber ihre Art machte mich latent aggressiv.
3. Das Ende: Es war so ein halber Abschluss, wo mir noch zu viele Fragen offen blieben.
So habe ich mich eher durch das Buch gequält als das ich Freude am lesen gehabt hätte. Schade.
Mein Fazit: Für mich war das Buch leider eher ein Flop als top.
„Hm, ich weiß nicht." ist die treffendste Beschreibung für dieses Buch, die mir einfällt. Irgendwie fand ich es zu Beginn spannend, dann aber so gar nicht mehr, trotz des durchaus interessanten Themas, über das ich aber nichts verraten kann, ohne zu spoilern?! Bin irgendwie ratlos und habe mich am Ende auch eher mehr durch das Buch gequält. War wohl eher nichts.
Ein Spannungsroman über das Verschwinden eines Vaters und die verzweifelte Suche seiner Familie
Ein Buch, in dem die Autorin schnell zum Thema kommt. Die Figuren, vor allem die Tochter der Familie werden ausführlich beschrieben und die Zerrissenheit der Familie wird dem Leser nahe gebracht, indem Geheimnisse nach und nach ans Licht kommen.
Bis zum Schluss bleiben dem Leser Zweifel am Geschehen. Wäre das Buch 100 Seiten kürzer gewesen, wäre es für mich ein Lesehighlight gewesen. Aber auch so war es spannend und gut geschrieben. Ich werde mir das erste Buch der Autorin auf jeden Fall holen. 👍
"Happiness Falls" hat mich ziemlich gefordert. Gerne würde ich jetzt auch in die Lobeshymnen zu dem neuen Roman von Angie Kim einsteigen, aber leider kann ich das nicht.
Mir war der Roman zu philosophisch überfrachtet und Mias hin und her springende Gedanken zu den verschiedenen Theorien, sowie die ausufernden Erzählungen, haben meinen Lesegenuss geschmälert.
Unbezahlte Werbung / Rezensionsexemplar
Großes Danke an @hanserblau
Miracle Creek war damals ein Highlight für mich. Lange habe ich über dieses Buch nachgedacht und mich auch oft erinnert. Erinnere mich so gut an das beklemmte Gefühl beim Lesen. Umso größer war die Freude als ich Happiness Falls in der Vorschau auf der Messe entdeckte.
Wir befinden uns zu Zeiten der Corona Pandemie. Eine koreanisch-amerikanische Familie bestehend aus drei Kindern und den Eltern sind der Mittelpunkt dieser Geschichte. Sie ist Linguistin und ihr Mann Adam ist Hausmann und kümmert sich um den Jüngsten Eugene. Eugene ist Autist, er spricht nicht und hat das seltene Angelmann Syndrom. Nach einem Ausflugstag mit seinem Dad kehrt er verstört alleine zurück. Dieser bleibt verschwunden und Eugene kann aufgrund seiner Krankheit leider nichts sagen. Als auch noch nach Stunden Adam nicht zurück ist, wird die Polizei verständigt und logischerweise fällt der Verdacht auf den stummen Sohn. Die älteste Tochter Mia ist die Ich Erzählerin im Roman. Sie beginnt parallel zu ermitteln, um ihren Vater Adam zu finden.
Die Geschichte konnte mich trotz der spannenden Ausgangssituation aus folgenden Gründen nicht so begeistern, wie Miracle Creek. Man hat im Fokus das verschwinden des Vaters aber Mia fängt an, sich sowohl auf die Ermittlungen zu konzentrieren also auch Eugene nicht nur aus dem Fokus der Polizei zu ziehen, sondern den Leser auch auf seine Situation aufmerksam zu machen. Sie schafft eine fast philosophische Atmosphäre mit Blick auf die familiären Verknüpfungen, Eugenes Rolle in dieser und auch sein Leben mit der Krankheit. Das sind alles nachvollziehbare und interessante Punkte, aber ich persönlich bin von einem reinen Spannungsroman ausgegangen und war dann doch leider enttäuscht.
Vielleicht aber auch nur, weil ich persönlich in einer anderen Stimmung war und eine andere Erwartung hatte. Ich weiß, dass ganz Viele zurecht begeistert sind. Nichtsdestotrotz eine Empfehlung für alle, die familiäre Verstrickungen sehr mögen und den Fokus nicht auf ein klares Ende legen, sondern gerne Spielraum zur eigenen Interpretation haben. 🤗
Ich-Erzählerin Mia, ihr Zwillingsbruder John und der 14 jähriger Bruder Eugene mit Asberger/Autismus stehen im Zentrum dieser Familiengeschichte in der erzählt wird, wie die einzelnen Personen auf das Verschwinden des Vaters reagieren.
Im Schreibstil spiegelt sich die Verwirrung der Ich-Erzählerin Mia, die sämtliche Handlungen kommentiert und analysiert und spekuliert. Dabei kommen trockene, theoretische Thesen zur Sprache, die alles in die Länge ziehen. Die zwischenmenschlichen Beschreibungen und die Beschreibung des Krankheitsbild von Eugene haben mir dagegen gut gefallen. Insgesamt waren mir die Abschweifungen aber zu viel, haben das flüssige Lesen zerstört und ich hatte keinen großen Lesegenuss. Auch die geschilderte Weiterentwicklung von Eugene fand ich etwas übertrieben. Interessant waren die Handhabungen während des Coronalockdowns in Virginia (USA) und das Verhalten der Behörden, ruppig und nicht immer gut nachvollziehbar. Aber die vielen Abschweifungen und Vergleichsgeschichten waren mir einfach zu viel. Manches las sich wie eine interessante Fallstudie.
Dennoch fand ich die Geschichte um Eugene und seinen Vater so interessant, dass ich den Familienroman bis zum Ende gelesen habe und das Thema hat mich stark beschäftigt.
Bei einer Wanderung mit seinem autistischen Sohn verschwindet ein Vater spurlos. Die Familie, wie auch die Behörden sind ratlos, zumal der einzige Zeuge, der Sohn, nicht sprechen und somit auch niemandem mitteilen kann was passiert ist. Oder ist der Sohn sogar selbst verdächtig?
Wie schon bei "Miracle Creek" nimmt Angie Kim auch hier ein bestimmtes, zentrales Ereignis und fächert davon ein wahres "Potpourri" an einzelnen Themenbereichen ab.
Was ist mit dem Vater passiert? Mit was hat er sich vor seinem Verschwinden beschäftigt? Wie ist es mit einem Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen aufzuwachsen, der die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern in Anspruch nimmt? Und, und, und.. Dabei wurde der Spannungsbogen so gekonnt aufgebaut, dass ich das Buch irgendwann einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte, auch wenn die Masse an Informationen, die hier mitgeliefert wird, anstrengend sein kann. Insbesondere weil der Text einige wissenschaftliche, psychologische wie auch philosophische Thesen und Gedanken enthält, die teilweise in Tabellen oder auch Grafiken dargestellt sind.
Auch die emotionalen Momente treffen genau die richtigen Stellen und wurden gut in der Lektüre verarbeitet. Stets nachfühlbar, ab und an emotional herausfordernd, aber niemals kitschig.
Abgesehen davon fand ich das Buch aber auch einfach wahnsinnig interessant und unterhaltsam.
Es hat meinen Horizont auf eine Art erweitert die ich liebe und meine Gedanken gut durchgeschüttelt. Nachdem ich das Buch beendet hatte, fühlte sich mein Gehirn an, als wäre es auf die doppelte Größe angewachsen. Irgendwie überwältigend, aber auf die gute Art. Das Buch gehört schon jetzt zu meinen absoluten Jahres-Highlights und ist definitiv eines der besten Bücher die ich jemals gelesen habe.
Angie Kim ist eine grandiose Schriftstellerin, die sicherlich niemals in großer Masse, aber immer in herausragender Qualität veröffentlichen wird. Ich freue mich auf alles was da noch kommt!
Dieses Buch lege ich all jenen ans Herz, die leise, aber tiefgründige Geschichten lieben – Geschichten, die sich Zeit nehmen, um ihre ganze emotionale Wucht zu entfalten. „Happiness Falls“ ist ein kluger, fein komponierter Roman, dessen Erzählstimme ebenso ausschweifend wie brillant ist. Er hat mich nicht nur gefesselt, sondern auch oft wütend und nachdenklich zurückgelassen – auf die beste Weise. Ein Buch, das nachhallt.
Eine spannende, anspruchsvolle Geschichte, die sich mit vielen Themen beschäftigt wie, was bedeutet Glück, Autismus und Behinderung und was das für eine Familie bedeutet, Einwanderung in die USA . Ich empfand es als sehr bereichernd, wie ich an Mias klugen und kritischen Gedanken teilhaben konnte. Tolles Buch, aber kein Thriller, eher eine Familiengeschichte.
Angie Kim ist eine großartige Autorin. Schon Miracle Creek hat mich umgehauen und auch Happiness Falls ist wieder ein sehr gelungenes Buch, in dem viel richtig gemacht wird.
Wir bekommen die Geschichte aus der Sicht von Mia erzählt, die halb koreanisch ist. Sie hat noch einen Zwillingsbruder (John) und einen jüngeren Bruder (Eugene), der mit Behinderung lebt. Autismus und AS schränken seine Kommunikation ein. Als Eugene eines Tages allein nach Hause kommt, ohne den Vater, mit dem er unterwegs war, beginnt eine verzweifelte Suche, die Geheimnisse zutage fördert. Da sich der Junge nicht äußern kann, gerät er schnell selbst in Verdacht, für das Verschwinden des Vaters verantwortlich zu sein.
Wie schon in Miracle Creek hat die Autorin ihre Hausaufgaben sehr gut gemacht. Die Darstellung der gesamten Familie, vor allem aber von Eugene, wirkt authentisch und respektvoll. Kim zeigt auch hier wieder einen sehr klaren Blick auf gesellschaftliche Themen wie Rassismus und Ableismus, aber auch auf Familie, Ehe und Rollenbilder.
Mia ist sicherlich eine schwierige Protagonistin, aber auch das wird sehr gut gehändelt, denn ihre Fehler und Unzulänglichkeiten sind beabsichtigt - sie muss sich ihnen sogar stellen und daran wachsen.
Das Buch ist außerdem fantastisch geschrieben. Ich ziehe nur einen Stern ab, weil mir Mias innere Monologe, die philosophischen Anwandlungen und die Einträge des Vaters manchmal zu lang und ausschweifend waren. Trotzdem war ich am Ende zu Tränen gerührt und das hielt bis ins Nachwort an, in dem Kim nochmal kurz ihre eigene Geschichte anreißt. Große Empfehlung!
Der 14-jährige Eugene und sein Vater Adam gehen wie jeden Vormittag während der Pandemie in einem Park in den Wäldern Virginias spazieren - von diesem Ausflug kehrt jedoch nur Eugene zurück, von seinem Vater fehlt jede Spur. Das Problem: Eugene hat Autismus und eine seltene Gen-Anomalie namens Angelman-Syndrom, weshalb er nicht sprechen kann. Seine Mutter Hannah, seine Schwester Mia und ihr Zwillingsbruder John beginnen, nach ihrem Vater zu suchen, jedoch ohne Erfolg. Als die Polizei eingeschaltet wird, fällt der Verdacht auch schnell auf Eugene, der sich selbst nicht verteidigen kann. Mia stellt daraufhin eigene Nachforschungen an, die viele Geheimnisse ihres Vaters zu Tage fördern.
Der neue Roman "Happiness Falls" von Angie Kim ist gleich auf mehreren Ebenen spannend: Zum einen ist die 20-jährige erzählende Protagonistin Mia extrem klug, was es manchmal zu einer Herausforderung werden lässt, ihren Gedankengängen zu folgen - dabei ist sie aber auch so menschlich und voller Fehler, dass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann. Zum anderen hinterfragt das Buch in verschiedener Hinsicht die in unserer Gesellschaft tief verwurzelte Annahme, dass fließendes Sprechen gleichbedeutend mit Intelligenz ist - und weshalb der Fähigkeit, zu Sprechen, bzw. dem Fehlen dieser so viel Wert, unser Wert als Mensch, beigemessen wird. Ein dritter Punkt, der den Roman für mich so interessant gemacht hat, ist sein Setting während der Corona-Pandemie, was viel Einfluss auf den Fortgang der Geschichte hat. Da Mias Mutter Hannah aus Korea stammt, wird im Buch auch anti-asiatischer Rassismus thematisiert, der während der Pandemie besonders aggressiv ausgeprägt war. Und natürlich - zu guter Letzt - sind Stories, in denen Geheimnisse nach und nach aufgedeckt werden und sich das ganze Ausmaß einer Familiengeschichte (oder Tragödie?) erst zum Schluss offenbart, einfach total mitreißend. Für mich ist "Happiness Falls" genau der Pageturner, der mir auf dem Cover versprochen wurde, auch wenn Mia als Ich-Erzählerin manchmal wirklich ausschweifend ist - das muss man mögen. Wenn eine sehr genaue Erzählstimme und rund 500 Seiten euch nicht abschrecken, kann ich diesen vielschichtigen Spannungsroman nur empfehlen!
Übersetzt von Wibke Kuhn.
Dienstag, der 23. Juni 2020 in einer Vorstadt von Washington D.C.: Der Tag beginnt mit einem ganz normalen Morgen für die fünf köpfige koreanisch-amerikanische Familie Parson. Nach dem Frühstück verbringt die 20-jährige Mia den Vormittag zu Hause, während ihr Zwillingsbruder John und Mutter Hannah außer Haus zu tun haben. Vater Adam und der 14-jährige Bruder Eugene, der durch seine Dualdiagnose Autismus und Angelman-Syndrom (er kann nicht reden und hat motorische Probleme) eine intensive Betreuung benötigt, sind im River Falls Park zu einen Spaziergang unterwegs. Doch am Nachmittag kehrt nur Eugene von diesem zurück und zieht sich, sichtlich aufgeregt und mit Blut unter den Fingernägeln, sofort in sein Zimmer zurück. Mia ist zwar verwundert, ruft aber nicht sofort ihre Mutter oder gar die Polizei an, sondern sucht nach einer logischen Erklärung für dieses Verhalten, nur dass sie im Herzen bereits weiß, dass ihr Vater seinen Sohn niemals sich selbst überlassen würde. Als die Polizei schließlich doch über das Verschwinden von Adam informiert wird und die Suche bis spät in die Nacht keinen Erfolg bringt, versucht Mia selbst herauszufinden, was an jenem Vormittag passiert ist, und stößt dabei auf jede Menge Geheimnisse.
➸ Ganz oberflächlich betrachtet dreht sich "Happiness Falls" um das rätselhafte Verschwinden eines verantwortungsvollen Familienvaters (mit komplexen und vielen beweglichen Teilen) und die darauffolgenden Ereignisse, während sowohl die örtliche Polizei als auch die Familie selbst versuchen ihn ausfindig zu machen. Als eine Art Krimi könnte man das neue Buch von Angie Kim wohl demnach betiteln, doch schon nach den ersten paar Seiten, die stets aus der Ich-Perspektive von Mia erzählt werden, merkt man relativ schnell, dass diese Geschichte viel tiefer geht. Allein schon der Umstand, dass der einzige Zeuge des möglichen Verbrechens ausgerechnet der jugendliche Sohn ist, der weder schreiben noch sprechen kann und durch seine nonverbale Kommunikation oft streitlustig und/oder aggressiv Fremden gegenüber wirkt, verspricht schon einiges an Spannung, doch darüber hinaus entdeckt man als Leser mit fortschreitender Geschichte auch immer mehr Risse innerhalb der Familie, und das hat mich deren Beziehung untereinander ein ums andere Mal hinterfragen lassen.
Teils Familiendrama, teils literarischer Krimi also, bietet dieses außergewöhnlich gut geschriebene Buch komplexe und vielschichtige Charaktere und eine tief bewegende Geschichte über die Gefühle eines neurodiversen Teenagers. Es geht um die Bewältigung von Traumen, Heilung, Freiraum und Respekt. Glück, menschliche Verbundenheit, Kommunikation und Inklusivität. Dabei ist das Tempo der Story ruhig und unaufgeregt und auch der Schreibstil der Autorin an sich ist stets sehr detailliert und beschreibend.
Man benötigt ein wenig Geduld, wird aber belohnt mit tiefen Einblicken in die Verhaltenspsychologie und -philosophie, gut recherchierten Fakten und Analysen von Adams Hypothesen zum Thema Glück und Zufriedenheit und einem Ende, das auf einfühlsame und durchdachte Weise sehr befriedigt.
Alles in allem ist “Happiness Falls“ meiner Meinung nach ein durchdachter und literarischen Spannungsroman – mehr Familiendrama und Charakterstudie als Pageturner. Vielleicht nicht perfekt, aber durchaus lesenswert und beeindruckend. ET