"Heute früh, da wusste ich noch nichts von der Ungeheuerlichkeit, die über mich kommen sollte." Autor Akiz erzählt das bekannte Märchen vom Froschkönig neu und dieses Mal ist alles anders. Die Story ist sehr erfinderisch und fantastisch, teilweise aber auch verstörend. Wie halt Märchen so sind, wenn man sie ungefiltert liest. Das Buch ist kein Kinderbuch, ganz im Gegenteil. Der Schreibstil des Autors ist herausfordernd, recht altertümlich und aus aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Und diese Erzählpersonen erzählen alle ihre eigene Geschichte, so dass man am Ende die Wahrheit irgendwo zwischen den Zeilen suchen muss. Es war interessant aber konnte mich nicht restlos überzeugen Aber es wird sicherlich in Erinnerung bleiben, denn es war schon echt speziell.
Die dunkelste Seite der Märchenwelt
Es ist bekannt, dass die historischen, originalen Märchen eher brutal, grob und wenig gemütlich anmuten. Und obwohl ich wusste, dass es sich bei der modernen Interpretation von Akiz wahrscheinlich ebenfalls nicht um eine „liebliche“ Version des Märchens „Der Froschkönig“ handelt, war ich doch überrascht von dem Blickwinkel, den die Interpretation eröffnet. Denn Akiz hat in seinem Text die Absurdität der Märchenwelt auf eine neue Ebene gehoben. Während der gesamten Lektüre begleitete mich eine Art unterschwelliger Grusel, der sich mit der Zeit fast schon zu Ekel entwickelte. Vielleicht war die Wirkung auch besonders eindringlich, da ich mir unter den Beschreibungen des Klappentextes nur wenig vorstellen konnte. Die konsequente Verschränkung von Mensch und Tier, höfischen Ritualen und grundlegenden Instinkten sowie die Umdeutung märchentypischer Elemente entwickelte einen richtigen Sog, bei dem man weder hinsehen noch wegschauen konnte. Die Herzogstochter Ragna, die im Zentrum der Ereignisse steht ist dabei Mensch und Tier zugleich, kämpft mit sich, ihren innigsten Trieben und den gesellschaftlichen Erwartungen. Je länger ich über den Text nachdenke, desto genialer wirkt die Idee und die einzigartige Umsetzung, die es so sicher kein zweites Mal gibt.

Die Königin der Frösche* Akiz "Dort, wo das Kastanienbraun aufhört, am Ufer meiner eigenen Pupillen, dort hatte ich versucht hineinzuschauen, dort so dachte ich, müsste ich mich selbst entdecken können, dahinter muss ich sein, und als ich so nach meinem eigenen Wesen suchte, da war mir ganz anders geworden, als wäre ich ganz flüchtig und gar nicht wirklich, sondern nur ein Gedanke, der in meinem Körper wohnt und durch zwei kleine Löcher in die Welt hinzuschaut." (S.21f) Wo die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwimmen, beginnt diese Umdeutung des Märchens "der Froschkönig". Im Fokus steht die junge Herzogstochter Ragna, die mit dem Jagdfürsten vermählt werden soll. Doch anstatt sich ihm und dem affektierten Gehabe am Hof unterzuordnen, entfesselt ihr Kuss mit einer Kröte eine Verwandlung, deren Wucht der gesamte Hofstaat kaum in den Griff zu bekommen scheint. Akiz' Roman führt in die dunkelsten Tiefen der deutschen Wälder. "Wuchtig, wahrhaftig und zärtlich zugleich erzählt er vom Fluch und Segen, ein Mensch zu sein – und von der Liebe zwischen zweien, die kompromisslos um die eigene Freiheit ringen." Akiz "Märchen" erzählt auf 173 Seiten die Geschichte eines unbeugsamen Geistes, die gleichsam einen soghaften Rausch verströmt und deren melancholische Atmosphäre beim Lesen in der Luft liegt, wie ein schweres Parfum. Ein Stück Kulturgut aus interessanter Perspektive neu aufgearbeitet. 4 von 5 🌟


