
Düster und intensiv
Glasgow, in den 80er Jahren. Der junge Shuggie Bain ist anders wie die anderen Jungs - statt zu raufen und Fußball zu spielen, mag er lieber tanzen und saubere Kleidung. Keine guten Voraussetzungen für das Aufwachsen in der rauen Arbeitersiedlung. Dazu kommt die ständige Angst um Mutter Agnes, schön und gepflegt wie ein Hollywood-Star, die der Alkohol fest im Griff hat … Stuart Douglas hat seinen semibiografischen Debütroman am Leben seiner Mutter angelehnt und eigene Erfahrungen mit Fiktionalem vermischt. Über weite Strecken ist dadurch auch Agnes die Hauptperson, die schöne Agnes, die schon früh mehr vom Leben erwartet, als eine brave katholische Hausfrau zu sein. Aber das ‚Mehr‘ wird sie nicht finden, nur den Alkohol und Männer, die sie ausnutzen und missbrauchen. Ihre Kinder haben kaum Platz neben den Männern und vor allem dem Alkohol, aber Shuggie liebt sie trotzdem mit zärtlicher Hingabe. Während die Schwester und der Bruder gehen, um sich selbst zu retten, ist Shuggie der Letzte, der bis zum Ende noch hofft. ‚Shuggie Bain‘ ist literarisch ein Juwel, vor allem im Original, mit der Übersetzung bin ich über weite Strecken nicht warm geworden. Vor allem auch ist es ein hochaktuelles Buch, denn die soziale Kälte der Thatcher-Ära lässt sich gerade wieder sehr stark erkennen, wo viele einfach vergessen werden und hinten herunterfallen. Es waren und sind die Frauen, die die große Last von Sozialabbau und Armut tragen. Es ist eine Geschichte, die traurig, die wütend macht, auch ja, wütend auf Agnes, denn letztendlich trifft sie auch abseits des Alkohols Entscheidungen, deren Leidtragende ihre Kinder sind. Shuggies Welt ist eine trostlose, mit wenigen Lichtblicken, die das folgende Dunkel um so tragischer erscheinen lassen. Es ist eine Welt, bei der man sich als Leserin gut überlegen sollte, ob man für sie bereit ist, denn der Roman ist über weite Strecken fast schon depressiv düster und ohne die romantisch-kitschige Verklärung, die erfundene Geschichten dieser Art sonst haben. Douglas Stuart schont einen beim Lesen nicht, denn das Leben hat ihn und seine Mutter auch nicht geschont.























































