Mein erstes abgebrochenes Buch 2026
An sich klingt die Story spannend: Postkolonialismus, Blackfacing und Rassismus... Doch die Erzählweise einer Protagonistin, die in jedem zweiten Satz mit dem Gedanken abschweift, Pack ich nicht.
Mein erstes abgebrochenes Buch 2026
An sich klingt die Story spannend: Postkolonialismus, Blackfacing und Rassismus... Doch die Erzählweise einer Protagonistin, die in jedem zweiten Satz mit dem Gedanken abschweift, Pack ich nicht.
Atemlos, abgedreht und sehr informativ
Ich kann nicht beschreiben woher es kam, aber das Buch hätte eine gefühlte Geschwindigkeit von 200km/h. Insbesondere durch die Twitter / Facebook Einspieler bekommt es einiges an Dramatik. Die aufgeworfenen Fragen zum Thema Identität (insbesondere bezogen auf Gender und Race) haben mich sehr bewegt und meine Denkweise nachhaltig beeinflusst.

"Sex mit anderen PoCs bedeutete für Nivedita, das erste Mal ohne ihren unique selling point zu sein. Das erste Mal nackt." Es ist ein unglaubliches Privileg, die Person zu sein, die man wirklich ist. Sicherlich ist dieser Moment für Nivedita bedeutsam, weil sie nun endlich anders gesehen werden kann.
"Weil wir - aus nachvollziehbaren historischen Gründen - ja, ich meine den Faschismus. - Berührungsängste mit dem Wort Rasse haben, schrecken wir davor zurück, uns nicht nur einzugestehen, dass wir rassifizieren, sondern wie wir rassifizieren. Was man an unzähligen vermeidenden und schwammigen deutschen Bezeichnungen erkennen kann, etwa dem so beliebten Wort Ausländer. Ich bin keine Ausländerin. Die meisten von euch sind keine Ausländer. Trotzdem werden wir so genannt, um den Begriff Rasse zu vermeiden. Je linker die Zeitungen werden, desto lieber schreiben sie stattdessen Migrationshintergrund. Das kann auch richtig sein, ich etwa habe einen Migrationshintergrund. Meine Freundin Jeanie hat ebenfalls einen Migrationshintergrund, man könnte sogar sagen, dass sie einen Migrationsvordergrund hat, weil sie erst vor sechs Jahren aus Edinburgh nach Berlin gezogen ist. Trotzdem denken wir bei Mimimis nicht an Menschen wie Jeanie, sondern an Menschen wie Enrico, dessen Eltern in den achtziger Jahren aus Neapel kamen. Oder an meine Freundin Margarita aus Griechenland. Obwohl beide in Amerika weiß wären and nothing but white.«
Die unterschiedlichen Prämissen des Buches waren hervorragend. Das Ende war aber ziemlich abrupt und fast schon an den Haaren herbei gezogen.
Das Thema ist ja eigentlich mega interessant, aber das wurde dann so langweilig erzählt, dass mir nicht so recht klar ist, worauf die Autorin jetzt hinaus wollte, letztendlich... Kann man lesen, muss man aber nicht.

Das Buch ist sehr vielschichtig und komplex. Es geht vor allem um das Thema Identität, es geht aber nicht darum Identität klar zu umreißen und die richtige Perspektive auf Identität zu finden, sondern ganz im Gegenteil das Buch zeigt auf wie vielschichtig dieses Thema ist und wie unmöglich es ist den einen richtigen Ansatz dafür zu finden. Darin liegt die Genialität des Buches, weil es so komplex ist, so viel mit einbezieht und sehr genau aufzeigt was alles in die Diskussionen um Identität, Race und Gender und all diese Themen mit einfließt. Die Gegenwart wird in diesem Buch gut abgebildet, ein Zeugnis unserer Zeit. Allerdings kann ich für mich persönlich sagen, dass es mir nicht gefallen hat und ich sehr lange gebraucht habe das Buch zu beenden. Trotz des Mehrwerts den ich erkenne, bin ich nicht warm geworden mit der Story und den Charakteren.
Ein Buch, nach dem ich nicht mehr wusste, wer ich bin und was ich über race denke. Es hat mir die Worte, die ich aus Empörung über Äußerungen der Charaktere gedacht habe, im Mund umgedreht, bevor ich sie überhaupt aussprechen konnte. Ein Buch, das geschafft hat, was ich nicht erwartet hatte, indem es den Zeitgeist der Identitätspolitiken eingefangen hat. Identitätsfragen und Diskriminierungsdiskurse, die universitär und online so anders geführt werden, als sie für die Einzelperson tatsächlich stattfinden, die aber gleichzeitig das Leben von Einzelpersonen so konkret betreffen wie kaum etwas. Niemand in diesem Buch ist perfekt. Es gibt keinen Charakter, wegen dem ich mir nicht (innerlich) die Haare gerauft habe und dem ich nicht gerne mal ein „Nein!!“ ins Gesicht geschrien hätte. Aber niemand ist so unsympathisch, dass sie*er ein wirklicher Antagonist ist. Das mag ich. Das Buch hat mich bloßgestellt, hat meine flachen Argumentationsweisen beim Thema Identität und Diskriminierung vorgeführt. Es hat mich aus dem Konzept gebracht. Wenn ich mir eins für 2022 wünschen könnte, dann, dass jede*r dieses Buch liest und sich darauf einlässt, sich ein bisschen aus dem Konzept bringen zu lassen. Auch, wenn Titel und Klappentext (und Reviews) nicht zeigen können, was für ein unglaublich pointierter Witz in dieser Geschichte steckt, wie schön sie erzählt ist und was sie für eine bemerkenswerte Tiefe hat.
Ist schon etwas länger her aber ich erinnere mich, dass ich mich ziemlich durchgequält habe. Den Skandal und die darauffolgende Empörung habe ich verstanden und es war stellenweise interessant, aber manchmal ging es in Schwurbelartige Sphären, denen ich nicht mehr folgen konnte.
Highly entertaining and at the same time educational and a little unhinged. Would recommend 100%!
I really enjoyed this book. It deals with identity, race and postcolonial theory in an educational yet accessible, highly entertaining and funny way. It's about Nivedita, a postcolonial studies student who is German with Polish and Indian roots and, who has a blog called Identitty, where she talks about race, identity, sexuality etc. The plot revolves around the revelation that her professor and mentor, Saraswati, who pretended to be Indian and, therefore PoC, is actually white. This leads to Nivedita having an identity crisis, and a media spectacle that leads to the "cancellation" of Saraswati and Nivedita.

Ein paar nette Gedanken, aber schwer Zugang zu finden
Puh, ich habe mehrmals überlegt das Buch abzubrechen. Es fiel mir schwer einen Zugang zu den Hauptpersonen aufzubauen, insbesondere zu Saraswati. Es werden lange Spannungsbögen aufgebaut, die erst im letzten Drittel des Buches aufgelöst werden. Bis dahin hat es sich für mich eher wie ein „Weiterlesen, bis es richtig losgeht“ angefühlt. Auch der Schreibstil war mir zu sprunghaft. Gut gefallen hat mir, dass das Buch mir einen neuen Horizont zu „transrace“ eröffnet hat.
Tatsächlich ein spannendes Thema, mit dem ich mich noch nie beschäftigt habe. Ich habe mir viele Stellen markiert und hab gute Denkanstöße mitnehmen können. Zum Teil hat sich die Geschichte ziemlich gezogen und die Worte und Taten der verschiedenen Charakteren waren für mich nicht immer nachvollziehbar. Mit vielen popkulturellen Bezügen konnte ich nichts anfangen, fürs Verständnis waren diese aber nicht so relevant. Den Plott fand ich am Ende gut aufgelöst, auch wenn es für mich die Spur magischen Realismus nicht gebraucht hätte. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen!

race gender identity
Dieses Buch hat mir eine Dozentin meiner Uni empfohlen und ich muss sagen, gerade weil auch ich viel mit Postkolonialismus und race und gender in der Uni zu tun habe, hat es mir sehr viel Freude bereitet, dieses Buch zu lesen. Von mir ist es eine ganz klare Empfehlung! Es regt so sehr zum nachdenken an… das einzige, was mich gestört hat, ist, dass es recht langatmig zum Ende hin wurde und sich dann auch viel wiederholt hat, es hätte gut ein wenig eingekürzt werden können.
"Ist es möglich, seine race einfach so frei zu wählen?" "Kann die individuelle Antwort eines Menschen hinsichtlich seiner Identität als richtig oder falsch bewertet werden? (...) Wer hat darüber die Deutungshoheit?" Mit diesen Fragen sieht sich die junge Studentin Nivedita konfrontiert, als die von ihr verehrte Professorin Saraswati, die sich selbst als Person of Colour beschreibt, plötzlich als weiße Sarah Vera Thielmann "geoutet" wird. Ein Skandal in Düsseldorf, schließlich unterrichtet Saraswati Postkoloniale Theorie, schmeißt weiße Studenten gerne aus ihrem Unterricht und weicht keiner Debatte über Identität und Zugehörigkeit aus. Nivedita fährt zugleich in die private Wohnung Saraswatis, um Antworten zu erhalten. Es vergehen Tage und Wochen in ihrer selbst gewählten Isolation, unterbrochen von den Social Medias in Form von echten Tweets, Instagram- und Facebook-Kommentaren, die von zahlreichen Vertretern der modernen Medienwelt der Autorin zur Verfügung gestellt wurden. Der Leser wird in eine Welt der Zerrissenheit und Ambivalenz gezogen, in der jede Seite mit ihrer Wut, Verzweiflung, Argumentation nachvollziehbar und auch logisch ist, aber trotzdem immer einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Dieses Buch dient einer Debatte, die man stundenlang führen kann, ohne zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen und dies muss man beim Lesen dieses Romans aushalten können. Meiner Meinung nach dient es als Denkanstoß, als eine Art Gedankenaustausch und als solches habe ich es sehr genossen.
Ich fand es sehr witzig und klug geschrieben (geht um eine Professorin die vorgab schwarz zu sein) . Urlaubslektuere
Super cooles Buch. Viel "Gehirnbitzel". Hat meinen Horizont erweitert, dazu echt lustig be- und geschrieben. Empfehlung!
Beschreibung Nivedita ist sechsundzwanzig Jahre alt und studiert in Düsseldorf bei Prof. Dr. Saraswati Postcolonial Studies. Endlich scheint für Nivedita, die selbst eine Person of Colour ist, alles Sinn zu ergeben. Doch als herauskommt, dass Saraswati weiß ist und sich ein Skandal inklusive Shitstorm in den sozialen Medien losbricht, ist Nivedita am Boden zerstört. Sie will Antworten und holt sich diese direkt bei ihrer ehemaligen Professorin. Meine Meinung Mithu Sanyal legt nach ihren erfolgreichen Sachbüchern »Vulva. Das unsichtbare Geschlecht« und »Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens« mit »Identitti« ihren ersten Roman vor und wagt sich sogleich auf ein heißes Brett um die gesellschaftlichen Debatten über Rassismus und Identitätspolitik. Auch, wenn man selbst keine Person of Colour ist, fällt es leicht Mithu Sanyal zu folgen, die Probleme zu verstehen, die Nivedita alleine aufgrund ihrer Herkunft, polnische Mutter und indischer Vater, seit frühester Kindheit begleiten. Ausgrenzung wird schmerzlich bewusst gemacht, als die achtjährige Nivedita bei einem Besuch ihrer Cousine Priti in England von den anderen Kindern als »Coconut« – außen braun und innen weiß – verlacht wird. Sanyal versteht es die gesellschaftlichen Begriffe von Race, Hautfarbe und dem historischen Erbe aus der Kolonialzeit aufzubrechen und an den wirklich wichtigen Fragen zu rühren. Das alles auf eine aufrüttelnde Art und Weise, die die Gehirnwindungen in einer wilden Karussellfahrt ordentlich durchspülen. Anhand der Demontage von Niveditas Professorin Saraswati, die sich durch eine Hormonbehandlung die Identität einer Person of Colour übergestülpt hat, bricht ein Sturm über der jungen Frau zusammen, denn was ist, wenn wir uns von den verhärteten Betrachtungen lösen müssen und Identität als genauso wandelbar wie das Geschlecht ansehen sollten? Schließlich sind wir unter unserer Haut, egal welche Farbe diese trägt, doch alle gleich. »Identitti« wäre allerdings nicht halb so unterhaltsam, wenn die skurrilen Zwiegespräche zwischen Nivedita und ihrer imaginären Gesprächspartnerin Kali, einer indischen Göttin mit mehreren Armen, die die Köpfe ihrer Feinde als Gürtel trägt, beigemengt worden wären. Diese Intermezzos sind erfrischend und lockern die aufgeheizte Geschichte spürbar auf. Interessant ist natürlich auch, dass Nivedita sich gerade Kali erwählt hat, die in der indischen Mythologie als todbringende Macht bekannt ist. Fazit Ein kluger und irrsinnig wichtiger Roman über Rassismus und Identität, mit Gefühl und Charme erzählt. -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 21.03.2021
Spannendes Thema (ist race ein Spektrum?), dass durch unfassbar viele Wiederholungen langweilig wird
Auf über 400 Seiten diskutieren die Charaktere, ob Mensch das Weiß-sein ablegen kann, somit auch die damit verbundenen Privilegien, und so zum PoC wird. Aufhänger der Geschichte ist die Professorin für Cultural Studies, die von Sarah-Vera (biodeutsch) zu Saraswati (indisch) wird. Mehr Story gibt das Buch leider nicht her. Die ewigen Dialoge um immer das gleiche Thema, garniert mit Tweets und Blogeinträgen, konnte mich leider gar nicht überzeugen.
Hochinteressant, aktuell und wichtig und anstrengend
Nivedita studiert Postcolonial Studies bei der berühmten Professorin Saraswati, die sie sehr bewundert. Dich irgendwann stellt sich heraus: die indische Professorin wurde als Sarah Vera Thielemann in Karlsruhe geboren, sie ist transracial. Es folgen ein öffentlicher Aufschrei und Debatten rund um Identität: Darf man seine Hautfarbe ändern und eine Identität als Person of Color annehmen? Und was macht das mit Nivedita, die sich selbst immer "nicht indisch genug" fühlte? Der Roman, fast mehr eine Vorlesung, stellt viele interessante Fragen und gibt Denkanstöße, für die sich die Lektüre lohnt. Aber meiner Meinung nach wiederholen sich einige der Argumente, man hätte gut etwas kürzen können.
Mithu Sanyal zeichnet in ihrem Buch eine Debatte rund um Identitäten nach, die ich bisher nur von (trans)gender kannte. Das Buch hat mich angeregt, mir detailliertere Gedanken über transrace zu machen. Sie verwebt geschickt, eine von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte mit realen Begebenheiten. Und lädt damit eigentlich auch zum Weiterrecherchieren ein: welcher Twitter-Accounts gibt's wirklich? Welche reale Persönlichkeit würde sich wie in einer transrace-Debatte positionieren? Etc.
I LOVEEEEE NORA FOR GIVING ME THIS BOOK… KISSSESSS FOR HER
at the beginning of the book I was quite overwhelmed by the explicit language and I thought: Who the fuck is Kali? and why is Nivedita speaking to her… From the first description of Saraswati I knew there was depth in her relationship with Nivedita… I started hating Saraswati, when her „PASSING“ reached the public but during the „exorcism“ (I dont think that word fits in any way) I would have loved to take her in my arms just as Nivedita did… Now I even find myself wishing for a goddess that would support me the way Kali supported Nivedita 💌
4.5 ⭐ Das war was, puh. Ich bin wirklich ein bisschen erschöpft, nach diesen rasanten Diskussionen und dem ewigen sich ertappt fühlen, hinterfragen, verwirrt sein. Ich mochte Nivedita als Protagonistin sehr. Sie war verletzlich und stark gleichzeitig, sie war verwirrt und ratlos aber auch wortgewandt und blitzgescheit. Ihre inneren Dialoge und Sequenzen mit Kali hab ich sehr gefeiert auch wenn es mir am Ende ein bisschen zu angespaced verlief. Ich fühle mich insgesamt, als hätte ich was dazu gelernt, ich weiß noch genau was aber ich hoffe es ist auch so
Dieses Buch ist so anders, auf eine großartige Art! Die ersten Seiten haben sich für mich angefühlt wie Buchstabensalat und ich hab nochmal angefangen. Dann war ich wie gefangen. Die Figuren führen so großartige Diskussionen! Und selbst wenn ich das Gefühl hatte, sie drehen sich im Kreis und wiederholen sich dadurch, hab ich das genossen, weil das Thema echt anspruchsvoll ist.
Ich kam mit dem Stil nicht gut klar. Es werden z.B. sehr viele Tweets eingebunden, die ich oft auch gar nicht richtig verstanden habe (vielleicht bin ich jetzt auch echt zu spät dran für die Anspielungen in dem Buch 🤷♀️). Mir hat das Buch auch nicht viel Neues gegeben und es hat schon echt seine Längen und Wiederholungen. Dennoch muss ich sagen: Hut ab vor der Autorin für dieses Buch, es ist anders und mutig. Am Ende sagt es vor allem, dass die ganze Sache um Identität extrem komplex ist und dass man sich gegenseitig zuhören muss.
Ich find das Thema spannend und man kann dazu wunderbar kontrovers diskutieren, aber das Buch rennt teilweise auf der Stelle oder dreht sich im Kreis, ich denke die Hälfte der Seiten hätte gereicht um die Geschichte cool, spannend und ohne ermüdende Längen zu erzählen- Cover trotzdem 10/10
Meine Meinung zu diesem Buch ist sehr gemischt.. ich fand die Idee des Romans super spannend und habe auch sehr vieles über aktuelle Diskussionen gelernt, jedoch haben sich viele Passagen des Buches sehr gezogen und ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, die Story dreht sich im Kreis und kommt nicht wirklich voran. Nichtsdestotrotz ist es kein schlechtes Buch (und ich fand das Cover sehr überzeugend)!
Bestes Buch was die Einbindung von Social Media in Form von Twitter angeht. Wer täglich auf Twitter rumgeistert weiß, wie zermürbend, geistreich, gewinnend und verzweifelnd diese Plattform sein kann. Dass ich das Buch nicht besser als 3 Sterne bewerten kann, liegt am persönlichen Geschmack wie die Geschichte aufgezogen und geschrieben wurde: Gerade das erste Viertel -viel zu schrill und aufgedreht. Von den Konversationen mit Kali war ich nur mäßig begeistert. Insbesondere die spätere Inszenierung von Kali fand ich zu drüber und klamaukig . Insgesamt schrabbelt das Buch für mich hart an der Grenze des schlechten Geschmacks, was den Humor angeht. Die ganzen Szenen um Simon waren sehr abgeschmackt. Die sexuell aufgeladene Stimmung gefiel mir nicht. Das mag ja alles ganz hip und auflockernd sein, hat für mich in dem Kontext der Race Debatte um kulturelle Aneignung und den tiefsitzenden Verletzungen jedoch ein schiefes Bild vermittelt. Dieser Pathos am Schluss…
Jahreshighlight
Aus irgendeinem Grund wurde zwar statt Indigenen das I-Wort genutzt, nichtsdestotrotz mein absolutes Jahreshighlight 2024.
DNF bei 64% (ca. Seite 270) Danke an NetGalley und den Hanser Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon unabhängig. So leid es mir tut, und so toll das Konzept klang: in der Umsetzung konnte Identitti mich überhaupt nicht überzeugen. Nivedita ist Studentin der Intercultural Studies/ Postkolonialen Theorie in Düsseldorf und als Identitti Bloggerin. Sie bloggt über „Identitätspolitik und Brüste“ (eigene Aussage). Ihr Vorbild ist ihre Dozentin für Post Colonial Studies, Saraswati. In ihr sieht Nivedita eine Verbündete. Doch dann der Skandal: Saraswati, die sich als Person of Color ausgibt, ist weiß. Sie hat ihr Aussehen verändert und ihre Hintergrundgeschichte verändert. Es folgt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Identität. Mein Problem war, dass ich irgendwann die Argumentationen überhaupt nicht mehr nachvollziehen konnte. Es war ein ewiges hin und her, ein sich im Kreis drehen. Und es wurden super viele Anspielungen an Personen und Texte gemacht, die mir nicht geläufig waren – dabei studiere ich (theoretisch*) den Bachelorstudiengang, den Nivedita abgeschlossen hat; müsste also voll im Thema sein. *Theoretisch, weil es den Studiengang „Gender Studies“ aus dem Buch nicht in Bochum an der RUB als Bachelor Studiengang gibt, sondern nur als Masterstudiengang, aber halt von der Fakultät, in der ich im Bachelor studiere. Ich habe viele Argumentationsstränge als viel zu komplex empfunden, als würde ein gewisses Wissen vorausgesetzt sein, dass ich nicht habe. Selten habe ich mich beim Lesen eines Buches so dumm gefühlt… Argumente wie, dass man transracial sein kann (parallel zu transgender), kannte ich schon aus dem Skandal um Rachel Dolezal (eine weiße Frau, die sich als PoC/Afroamerikanerin ausgegeben hat und in einem ähnlichen Bereich wie Saraswati auch an einer Uni gelehrt hat). Ich finde diese Argumentationen immer noch wirklich spannend, aber immer wenn so ein spannendes Argument aufkam, wurde die Situation irgendwie unterbrochen oder das Gespräch in eine mir nicht nachvollziehbare Richtung gelenkt. Die Handlung an sich fand ich auch schwer zu greifen. Es passiert irgendwie nichts, oder viel Belangloses. Viele sexuelle Fantasien und viele Unterhaltungen mit der Göttin Kali sollen wahrscheinlich die Stimmung des Buches aufhellen, aber mich hat es einfach genervt, und meiner Meinung nach hat es auch 0 ins Buch gepasst. Auch das Denglisch in dem Buch fand ich irgendwann zu viel. Aber vieles fand ich auch gut! Im Buch wurde gegendert, was ich anfangs ungewohnt zu lesen fand, aber später dann richtig toll. Außerdem gibt es viele Situationen, die Alltagsrassismus beschreiben, was viele Leser*innen sicherlich noch weiter auf die Problematik sensibilisieren wird. Wirklich herausragend fand ich die Tweets und Zeitungsartikel zwischendurch. Es sind Reaktions-Tweets bzw. -Artikel von Personen, die auf Saraswatis „Outing“ als weiße Person erfolgen. Diese Artikel/Tweets waren „echt“ in dem Sinne, dass sie von „Spender*innen“ (Formulierung der Autorin) verfasst worden sind. Soll heißen: echte Journalist*innen haben da mitgearbeitet, und echte Personen haben Tweets verfasst, so als hätten sie da echt drauf reagiert. Dadurch sind diese Aussagen einfach super realistisch und man merkt einfach, dass hier andere Personen mitgearbeitet haben, weil die Texte auch unterschiedlich klingen. Generell hat die Autorin sehr viel in die Recherche investiert; sie hat ja sonst Sachbücher geschrieben und das kommt zwischendurch immer mal wieder durch. Trotzdem hat mein Frust überwogen, weil ich den Argumenten inhaltlich einfach nicht mehr folgen konnte. Ich glaube, ein Sachbuch zu dem Thema von der Autorin hätte mir besser gefallen. Fokus auf die Argumentation, keine Unterbrechung durch Sex-Szenen, Unterhaltungen mit Göttern oder Nebencharakteren, weniger Denglisch. So musste ich das Buch leider bei 64% (ca. Seite 270) abbrechen und gebe 2 Sterne (für die Idee und die ausführliche Recherche).
"Identität bestimmt nicht die Dinge, die wir tun, wohl aber die Dinge, die andere Menschen uns antun." Die indische Professorin Saraswati ist in Wirklichkeit weiss, eine Deutsche die mit Hilfe von Pillen und Operationen optisch zu einer Inderin geworden ist. Warum hat sie das getan? Die Studierende Nivedita versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Dieses Buch ist ein absolut wilder Ritt. Ein wichtiges Thema, so viele Dinge zum Nachdenken und Hinterfragen. Das Buch ist ziemlich überfrachtet und auch teilweise anstrengend zu lesen aber gleichzeitig macht es auch Spaß und grüblerisch. Ein Buch auf dass man sich einlassen muss, und ein Buch dass sicherlich noch lange nachwirken wird.
3⭐️
Die Prämisse fand ich spannend, man merkt jedoch, dass es der erste Roman der Autorin ist und sie bisher nur Sachbücher geschrieben hat. Es ist schwierig diese beiden Genres zu verbinden und in diesem Fall meiner Meinung nach nicht besonders gut geglückt. Die Figuren fühlten sich oft an, als wären sie einfach nur Mittel zum Zweck und es gab viele Momente wo ich von Verhaltensweisen oder Formulierungen verwirrt war. Das Buch ist sehr informativ, jedoch nichts für Einsteiger in die Themenbereiche, da einfach zu viele Fachbegriffe vorausgesetzt werden. Ich fand es interessant zu lesen und kann es grundsätzlich erstmal empfehlen, es wird jedoch wirklich nicht jeden ansprechen.
Was für ein Buch. Es brachte mich gedanklich an Grenzen und darüberhinaus. Was für Ansätze bezüglich Race und Identität. So hab ich darüber noch nie nachgedacht. Ja, es ist anspruchsvoll zu lesen und die Charaktere sind nicht alle sympathisch, aber es ist ein ganz eigenes Buch und eine Empfehlung.
Dieses ganze Identitätsthema ist derart komplex, dass ich nach dem Lesen dieses Buchs nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Es ist schon eine beachtliche Aufgabe, wenn man als Autorin versucht, diese Komplexität nicht nur einseitig und nüchtern in einem Sachbuch zu erklären, sondern das Ganze auch noch fiktionalisiert. Sowohl wie sie die Rahmenhandlung aufbaut, orientiert an der US-amerikanischen Dozentin, die sich vor einigen Jahren als Schwarze an einer Uni ausgegeben hat. Als auch die Art und Weise, wie sie die Massenhysterie in Worte fasst, nachdem herauskommt, dass die vermeintliche indische Professorin für Postkoloniale Studien an der Uni Düsseldorf eigentlich die Sarah Thieleman aus Karlsruhe, dunkel gefärbt. Leider fand ich die auftretenden Personen allesamt furchtbar anstrengend, und bei einigen Diskussionen drehte man sich im Kreis, was das Buch für mich unnötig in die Länge zog. Das zum Schluss nicht klar wird, ob der Identitätswechsel nun moralisch toleriert oder verwerflich ist, liegt wiederum an der Komplexität der Dinge und will ich dem Buch gar nicht vorwerfen. Sanyal legt ihren Personen oft wirklich interessante Sätze in den Mund, die meines Erachtens im Widerspruch zu manchen anderen Buch zum Thema steht.
Eine humorvolle Art gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Sexismus zu behandeln. Es könnte eine Schullektüre sein, weil Begriffe wie white supremacy oder blackfacing, werden einfach erklärt anhand von Beispielen, die man sofort versteht. Eine tolle Art um die Identitätssuche zu beschreiben, um am Ende der Lektüre bisschen besser drauf zu sein. Irgendwann langweilten mich zwar die Figuren am Ende…
Sehr interessantes Thema leider sehr langatmig und mit zu vielen Wiederholungen umgesetzt.
Dieses ganze Identitätsthema ist derart komplex, dass ich nach dem Lesen dieses Buchs nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Es ist schon eine beachtliche Aufgabe, wenn man als Autorin versucht, diese Komplexität nicht nur einseitig und nüchtern in einem Sachbuch zu erklären, sondern das Ganze auch noch fiktionalisiert. Sowohl wie sie die Rahmenhandlung aufbaut, orientiert an der US-amerikanischen Dozentin, die sich vor einigen Jahren als Schwarze an einer Uni ausgegeben hat. Als auch die Art und Weise, wie sie die Massenhysterie in Worte fasst, nachdem herauskommt, dass die vermeintliche indische Professorin für Postkoloniale Studien an der Uni Düsseldorf eigentlich die Sarah Thieleman aus Karlsruhe, dunkel gefärbt. Leider fand ich die auftretenden Personen allesamt furchtbar anstrengend, und bei einigen Diskussionen drehte man sich im Kreis, was das Buch für mich unnötig in die Länge zog. Das zum Schluss nicht klar wird, ob der Identitätswechsel nun moralisch toleriert oder verwerflich ist, liegt wiederum an der Komplexität der Dinge und will ich dem Buch gar nicht vorwerfen. Sanyal legt ihren Personen oft wirklich interessante Sätze in den Mund, die meines Erachtens im Widerspruch zu manchen anderen Buch zum Thema steht.
identitätskrise auf einem neuen level. in ihrem roman identitti dekonstruiert mithu sanyal identität und löst damit innerhalb des buches eine welle an debatten, ethischen fragen und einer neuen definition von identität aus. saraswati lehrt als dozentin postcolonial studies an der universität düsseldorf. sie selbst beschreibt sich als poc - doch sie ist weiß. mit veröffentlichung dieses fremdgesteuerten outings bricht eine debatte los. wie viele menschen fühlt sich auch ihre studentin und aktivistin nivedita betrogen. & so liefert der roman eine nextlevel debatte über identität und das weißsein. „Für mich bedeutet Weißsein entitled sein: sich berechtigt fühlen, dass die Welt sich um eine*n dreht.“S.347 gleichzeitig erklärt saraswati, meist zwischen den zeilen, ihre beweggründe: „Dass ich euch angelogen und gleichzeitig nicht angelogen habe. Als trans Inderin hatte ich die Chance, ich zu sein, ein Ich, das ich als ... Deut... Weiße nicht sein konnte. Und nicht nur das, ich durfte sogar mehr als nur ich sein.“s.356 es werden viele diskussionen geführt: was geht zu weit. was ist notwendig. was ist erlaubt. was ist egoistisch. was ist weißsein… „Weißsein ist kein Charakterfehler, es ist eine Menschen zugeschriebene gesellschaftliche Position - wie PoC oder Gender.“s.411 dieses buch hat mich umgehauen. es war anstrengend & kompliziert. gleichzeitig war es großartig. ich habe das nachwort geliebt, denn ich dachte so oft, wie kann diese fiktive geschichte so echt sein. so viele aktuelle geschehnisse mit einbinden. mit den letzten kapiteln und dem nachwort fügt sich alles zusammen. aus den vielen fragezeichen ergibt sich auf einmal ein klareres bild. es ist kein einfaches buch, sondern eines auf das man sich ganz bewusst und mit mentaler kapazität einlassen muss. aber wenn man es dann tut, gibt es großartige denkanstöße. 🤍
Nivedita, Studentin in Düsseldorf, schreibt auf ihrem - Blog 'Identitti' nicht sehr tiefgründige aber humorvolle Einträge über u.a. Identität, Feminismus, Post-Patriachat. Ihrem Vorbild, ihrer Professorin Saraswati, verdankt sie viele wichtige Erkentnisse da sie selber schon lange auf der Suche ist nach sich und ihrer 'Herkunft' bzw. wo sie selber steht - in Deutschland, als Deutsche, mit einem indischen Vater, einer deutsch - polnischen Mutter, ihrer britisch-indischen Cousine Priti (und Kali, der indischen Göttin, mit der Nivedita in ihren Gedanken kommuniziert, wenn sie nicht mehr weit weiss). Als sich jedoch die Professorin Saraswati als - schock - gar nicht PoC sondern 'weiß' herausstellt, steht plötzlich alles Kopf. Ändern sich durch diese Erkentniss plötzlich alle Dinge, die Saraswati Nivedita gelehrt hat? Was heißt Identität, was heißt 'race'? Niveditas Gedanken stehen nicht mehr still und sie muss sich erneut mit sich und ihren Mitstudierenden sowie Saraswati auseinandersetzen. Dies geschieht nicht nur durch Gespräche sondern auch verschiedene Tweets und Nachrichten von Personen mit unterschiedlichen Standpunkten sowie Blogeinträgen von Nivedita oder ihren 'Gesprächen' mit Kali. Dadurch entsteht viel Diskussionsmaterial und nicht nur eine einseitige Darstellung der Situation. Alles ernste Themen an sich, die hier diskutiert werden, aber auch mit viel Humor daherkommen. Es ist ein sehr aktueller und auch sehr schräger Roman, am Anfang fasst zu anstrengend, weil sehr viele Themen aufgegriffen werden. Wenn man erstmal angefangen hat, möchte man aber gar nicht mehr aufhören zu lesen.
Mehr Sachbuch als Roman. Das Buch hat sich angefühlt wie gerade aus einem Traum erwachen, der noch nicht ganz zuende geträumt ist. Als wüsste ich nicht ob ich noch Träume oder bereits wach bin. Für manche sicher auch ein schönes Erlebnis für mich leider nicht.
Ich bin dankbar für dieses Buch, dass mich immer wieder teilweise schmerzhaft auf meine Privilegien gestoßen hat, mit und in denen ich aufgewachsen bin. Die fünf Sterne vergebe ich vor allem, weil ich weiß, dass dieses Buch mich noch eine Weile beschäftigen wird. Dass ich es Freunden und Bekannten empfehlen werde und immer wieder darauf zurückkommen werde.
what an amazing book. should be on every tbr list!
Zwischen den Fronten Schrill, originell und vielstimmig wird dem breiten Spektrum zwischen Hautfarbe und Identität auf den Grund gegangen. Neben Transgender wird jetzt auch noch die Kategorie race als soziales Konstrukt entlarvt und in all seinen Facetten auseinandergenommen. Dabei ist es gerade diese fehlende Zugehörigkeit, die uneindeutige Zwischen-Allem-Existenz, die das Leben der Protagonistin auf fatale Weise prägt und leitet. Über das unfreiwillige Outing der schillernden Leit- und Mutterfigur Saraswati als Weiß zerreißt sich das Netz das Maul. Und auch die PoC-Community ist sich nicht einig, ob es sich hier um kulturelle Aneignung oder um radikale Solidarisierung handeln soll, ein nächster Schritt in eine Utopie. Als Leser*In ist man während der Lektüre ständig auf der Suche nach seinem Platz in diesem Strudel aus Meinungen und kann dem Schleudertrauma nur schwer entgehen. Und über allem wacht die hinduistische Göttin Kali, die all diese Absurdität in die sich die Menschheit da verstrickt hat mit ihrer bloßen Existenz konterkariert. Die nur allzu realen Konsequenzen dieser künstlichen Kategorisierung/Marginalisierung lässt uns die Autorin dann auch kompromisslos spüren. Umso drängender ist es dem Gleichberechtigungsanspruch, der einer multiethnische Gesellschaft zusteht, Rechnung zu tragen.
Spannendes und nach wie vor aktuelles Thema, das auf besondere Art und Weise erzählt wird. Allerdings nicht meins...
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2021, in dem es das Buch bis zur Shortlist schaffte, hat "Identitti", Mithu Sanyals Debütroman, für viel Gesprächsstoff gesorgt. Darin entpuppt sich die Galeonsfigur der Düsseldorfer Universität für Postcolonial Studies und damit die Heldin der Hauptprotagonistin Nivedita als "Fake": Saraswati ist nicht PoC-zugehörig, sondern weiß! Für Nivedita bricht eine Welt zusammen: Ihr wird nicht nur ihr Vorbild, sondern auch die einzige Person genommen, von der sie sich verstanden fühlt in ihren alltäglichen Konflikten - innerlicher und äußerlicher Art - als Kind einer deutschen Mutter und eines indischen Vaters. Sie muss Saraswati zur Rede stellen und verstehen, was zur Hölle diese sich dabei gedacht hat. So begeben wir uns mit Nivedita in die Höhle des Löwen, in den Shitstorm des Jahrhunderts, naja vielleicht auch nur des Jahres, des Monats, des Tages? und in ein Wirrwarr aus Begriffen wie transracial, cultural theft, cultural appropriation und dergleichen, das es aufzudröseln gilt. Das Buch als Hörbuch zu hören, war nicht die beste Idee - erstens war es stark gekürzt und zweitens kam hier doch einiges an theoretischen Konstrukten auf den Tisch, die ich nochmals nachlesen hätte wollen bzw. sollen (was ich aber nicht gemacht habe, obwohl das Buch bei mir im Regal steht...). Ich nehme es daher komplett auf meine eigene Kappe, dass es manchmal schwer zu folgen war und mir die unterschiedlichen Argumente nur so um die Ohren geflogen sind. Einerseits denke ich, dass Mithu Sanyal genau das auch intendierte - den Wahnsinn der heutigen Debatten darzustellen, das Ringen der verschiedenen Themen und Konzepte untereinander, aber auch die Vielschichtigkeit und Komplexität von Themen wie Herkunft, Rassismus und Identität. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sie in diesem Buch Wichtiges zusammenbringt, sowohl Gesellschaftskritik als auch Sichtbarkeit einer BIPoC-Perspektive, die es so in der deutschen Literatur vermutlich noch nicht gab. Niveditas Empfindungen und Gedanken über ihr Aufwachsen und ihren Platz in der Gesellschaft fand ich besonders stark und informativ, dabei kreativ verpackt in zynisch-ironischen Beiträgen auf ihrem "Identitti"-Blog. Leider kann ich dem Buch nicht in voller Gänze gerecht werden und werde mir selbst einen Reread, diesmal nur in Papierform, auftragen :-) Bislang bleibt der Eindruck eines sehr schlauen, einzigartigen Romans am Nabel der Zeit, der dabei kreativ und zeitweise komisch dorthin geht, wo der Hase begraben liegt.
Beschreibung Nivedita ist sechsundzwanzig Jahre alt und studiert in Düsseldorf bei Prof. Dr. Saraswati Postcolonial Studies. Endlich scheint für Nivedita, die selbst eine Person of Colour ist, alles Sinn zu ergeben. Doch als herauskommt, dass Saraswati weiß ist und sich ein Skandal inklusive Shitstorm in den sozialen Medien losbricht, ist Nivedita am Boden zerstört. Sie will Antworten und holt sich diese direkt bei ihrer ehemaligen Professorin. Meine Meinung Mithu Sanyal legt nach ihren erfolgreichen Sachbüchern »Vulva. Das unsichtbare Geschlecht« und »Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens« mit »Identitti« ihren ersten Roman vor und wagt sich sogleich auf ein heißes Brett um die gesellschaftlichen Debatten über Rassismus und Identitätspolitik. Auch, wenn man selbst keine Person of Colour ist, fällt es leicht Mithu Sanyal zu folgen, die Probleme zu verstehen, die Nivedita alleine aufgrund ihrer Herkunft, polnische Mutter und indischer Vater, seit frühester Kindheit begleiten. Ausgrenzung wird schmerzlich bewusst gemacht, als die achtjährige Nivedita bei einem Besuch ihrer Cousine Priti in England von den anderen Kindern als »Coconut« – außen braun und innen weiß – verlacht wird. Sanyal versteht es die gesellschaftlichen Begriffe von Race, Hautfarbe und dem historischen Erbe aus der Kolonialzeit aufzubrechen und an den wirklich wichtigen Fragen zu rühren. Das alles auf eine aufrüttelnde Art und Weise, die die Gehirnwindungen in einer wilden Karussellfahrt ordentlich durchspülen. Anhand der Demontage von Niveditas Professorin Saraswati, die sich durch eine Hormonbehandlung die Identität einer Person of Colour übergestülpt hat, bricht ein Sturm über der jungen Frau zusammen, denn was ist, wenn wir uns von den verhärteten Betrachtungen lösen müssen und Identität als genauso wandelbar wie das Geschlecht ansehen sollten? Schließlich sind wir unter unserer Haut, egal welche Farbe diese trägt, doch alle gleich. »Identitti« wäre allerdings nicht halb so unterhaltsam, wenn die skurrilen Zwiegespräche zwischen Nivedita und ihrer imaginären Gesprächspartnerin Kali, einer indischen Göttin mit mehreren Armen, die die Köpfe ihrer Feinde als Gürtel trägt, beigemengt worden wären. Diese Intermezzos sind erfrischend und lockern die aufgeheizte Geschichte spürbar auf. Interessant ist natürlich auch, dass Nivedita sich gerade Kali erwählt hat, die in der indischen Mythologie als todbringende Macht bekannt ist. Fazit Ein kluger und irrsinnig wichtiger Roman über Rassismus und Identität, mit Gefühl und Charme erzählt. -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 21.03.2021
Irgendwie fühlte sich hier alles so durcheinander und ohne eine richtige Richtung an. Die Ausgangssituation war super spannend, aber hat sich meiner Meinung nach nicht wirklich weiterentwickelt, bis auf einige Gedankenexperimente zum Thema Identität und Race.
Nivedita alias Identitti belegt den Kurs Postcolonial Studies bei der berühmten Professorin Saraswati. Durch sie fühlt sie sich endlich zugehörig und mitgemeint und manchmal macht es den Anschein, als würde sie Saraswati als Mutter-Ersatz sehen. Von heute auf morgen gerät ihre Welt aus den Fugen, als ein Skandal um die Professorin entbrennt. Saraswati ist nicht wie von ihr vorgegeben eine PoC, sondern weiß und bringt mit dieser Lüge nicht nur das Netz und die Uni gegen sich auf… Nivedita stellt alles in Frage, was sie über Identität zu wissen scheint und will Antworten. - Ich hab das Buch schon vor einer Weile beendet und weiß immer noch nicht, was ich davon halten und wie ich es bewerten soll. Sieht man es aus einem Aspekt der vermittelten Informationen heraus, so ist es wahnsinnig gut. Man bekommt als Leser*in eine Fülle geballtes Wissen zu den Themen Rassismus, Gender, Identität, Race, Kolonialismus, kulturelle Aneignung u.v.m. Die Informationen sind gut aufbereitet, aber teilweise so umfangreich, dass es leicht überladen wirkt. Vor allem Leser*innen, die sich in der Thematik nicht auskennen, können sicher auch überfordert werden. So weit, so gut. Wenn man es aber unter dem Gesichtspunkt anschaut, dass es ein Roman ist, hat es doch seine Schwächen. Handlungstechnisch passiert nicht viel, die Protagonist*innen bleiben sehr flach und Spannung will auch so keine richtig aufkommen. Lediglich die in meinen Augen sehr heftige emotionale Abhängigkeit Niveditas von Saraswati, fand ich in dem Kontext interessant. Auch den Einbau des Anschlags von Hanau zum Gedenken an die Opfer fand ich sehr gut. Und zu guter Letzt: Ich fand es super spannend, was das Buch mit mir selbst gemacht hat. Ich hab so oft umgedacht, gegrübelt, hinterfragt… - Ist es jetzt eine Empfehlung? Ich bin da immer noch sehr zwiegespalten, auch nach dem Schreiben der Rezension. Wer einen typischen Roman erwartet, sollte besser die Finger davon lassen. Wer sich aber mit dem „Sachbuch-Charakter“ anfreunden kann und Interesse für das Thema mitbringt, wird sicher begeistert sein.
Zu wenig Handlung, oberflächliche Charaktere und zu viele Sachinfos. Leider eine Enttäuschung.
Nivedita studiert in Düsseldorf Postcolonial Studies und sie ist begeistert von ihrer Professorin Saraswati, die, wie sie, eine Person of Colour ist. Doch als herauskommt, dass Saraswati eigentlich weiß ist und sich durch eine Hormonbehandlung eine dunkle Hautfarbe zugelegt hat, löst das einen großen Skandal aus. Viele fordern Saraswatis Rücktritt, es gibt Demonstrationen und Anfeindungen. Nivedita jedoch, möchte Antworten... 📚 Mir fällt es bei diesem Buch sehr schwer meine Meinung zusammen zu fassen. Ich habe es gemeinsam mit der lieben Sarah @sarahs_world_of_books im Buddyread gelesen und wir hatten uns sehr auf die Thematik des Buches gefreut. Leider muss ich ehrlich sagen, dass ich sehr enttäuscht wurde. Die Handlung ist sehr reduziert und es passiert auf den 424 Seiten nicht wirklich viel. Auch die Charaktere bleiben oberflächlich, ihre Handlungen und Sichtweisen konnte ich häufig nicht nachvollziehen. Dafür ist das Buch voll mit Sachinfirmationen, die zwar interessant, mir aber für einen Roman viel zu viel waren. Auch der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen. Besonders der häufige Wechsel ins Englische hat den Lesesfluss massiv gestört. Ich hatte oft das Gefühl, dass möglichst viel der Themen Identität und Rassismus in das Buch einfließen sollte. Dies war meiner Meinung nach zu viel des Guten. Wenn ich einen Roman lese, dann möchte ich kein Sachbuch! Für mich war das leider eine große Enttäuschung und bekommt von mir daher ⭐⭐.
Leider enttäuschend & verwirrend
Ich hab das Buch gewählt, weil die Geschichte mich total angesprochen hat und ich die Idee der Story superspannend fand. Leider hat mich die tatsächliche Umsetzung sehr enttäuscht. Ich mochte zwar den Anfang des Buches, man kam schnell rein. Irgendwann passiert aber gefühlt ewig nichts außer schwer nachvollziehbare Konversationen, Gedankengänge, Argumente und Diskussionen für oder gegen Saraswati‘s Passing. Die Charaktere sind außerdem derart nervig, dass sie vom eigentlichen Inhalt total ablenken. Vor allem für Neulinge in Literatur, die sich mit BiPoC, Rassismus etc. befasst, ist das Buch zum Teil leider schwer zu fassen, da einfach extrem viel Namedropping ohne verständliche Erklärung erfolgt. Wenn man nicht ständig alles googlen möchte, lässt einen dies verwirrt und genervt zurück. Das Nachwort der Autorin hat dann zwar ein bisschen Klarheit ins Chaos gebracht, also dieses evtl am Anfang lesen. Vielleicht passen Erklärungen, die im Buch fehlten aus meiner Sicht, besser in ein Sachbuch als in einen Roman. Es hätte mich trotzdem sehr gefreut, wenn ich hier entweder mehr lernen oder die Story als Roman mehr genießen hätte können - leider ließ mich das Buch mit gemischten, unbefriedigenden Gefühlen diesbezüglich zurück.