14. Apr.
Rating:2

Ich bin kein Freund von historischen Romanen, aber historische Dokumentationen, in denen die Geschichte einer realen historischen Person mit einer Fiktion verknüpft wird, reizen mich schon. Auf den ersten Seiten fand ich den Roman der Niederländerin de Moor auch interessant, wobei ich mich schon da fragte, warum sie den Maler nicht beim Namen nennen wollte. Dieser Du-weißt-schon-wer ist Rembrandt, da macht die Autorin auch keinen Hehl daraus, da sie sehr konkret seine Bilder beschreibt und benennt. Die Tatsache, dass sie seinen Namen im ganzen Roman nicht nennt, muss wohl einen Grund haben. Ich denke, sie wollte sich vielleicht den Freiraum der Fiktion gestatten. Für mich ein unnötiger literarischer Kniff, denn ist wohl jedem Leser klar, dass die Geschichte vom Maler und dem Mädchen teilweise ihrer Phantasie entsprungen sein muss. Das Mädchen ist auch keine Fiktion. Die 18jährige Elsje hat Rembrandt tatsächlich gezeichnet und die Bilder hängen heute im Museum in New York. Allerdings ist das keine verklärte Schönheit, sondern Rembrandt zeichnet die Mörderin 1644 als sie nach der Erdrosselung der Öffentlichkeit noch zur Schau gestellt wurde am Pranger. Dies ist eigentlich ein hervorragender Plot für einen Roman. Ich hatte mich auf eine kriminalistische Aufarbeitung des Falls und ein Eintauchen in das Leben Amsterdams im 17. Jahrhundert gefreut. Meine Erwartung, mehr über Rembrandt zu erfahren, wurden auch erfüllt. Es gibt ganz hervorragende Kapitel, in denen der Streit mit der Stadt über ein Bild und dessen inhaltliche Umsetzung dargestellt wurde oder auch seine Ansichten über Licht und Schatten in der Malerei. Alleine dafür hat sich das Buch gelohnt, denn wenn ich an Rembrandt denke, fallen mir automatisch die vielen Schatten in seinen Bilder ein, die durch Gegenlicht auseinandergebrochen werden. Warum hat mir das Buch dann doch nicht gefallen und wurde sogar nach über der Hälfte abgebrochen? Weil Margriet de Moor ein viel zu kompliziertes Konzept zum Aufbau der Geschichte gewählt hat und die grammatikalischen Zeiten und Erzählperspektiven ständig wechseln. Das machte das Lesen leider unnötig zäh und rätselhaft. Die Geschichte wird in erster Linie durch einen auktorialen Erzähler geschrieben, der aber nicht auf dem Wissensstand der beschriebenen Zeit steht, sondern aus der Moderne heraus erzählt. Daher weiß ich auch, wo die Zeichnungen heute hängen. Nun, dass kann man so machen, aber das dann auch die Sprache modern ist, killt die historische Atmosphäre des Buchs. Wenn de Moor von "Richtlinien" oder "Kollegen" schreibt, habe ich das Gefühl, einen Finanzthriller über die Rabobank zu lesen. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber für mich tolerierbar. Was mir aber größte Probleme bereit, wenn der auktorialer Erzähler plötzlich für einige wenige Sätze verschwindet und wir in die Sichtweise des Malers tauchen. Zudem wechseln dann auch noch Vergangenheit- und Gegenwartsform und es wechseln die Erzählstränge zwischen dem Maler (Amsterdam) und der Geschichte des Mädchens (Dänemark). Und dann wird die Auflösung des Falls gleich auf den ersten Seiten erzählt, so dass der Spannungsfaktor auch noch wegfällt. Darüber hinaus war mir die Erzählung über Elsjes Kindheit schlichtweg zu langweilig. Kurz um: Sehr ambitionierter Schreibstil und Erzählkonzept, welche nach meinem Geschmack zu viel des Guten sind. Für die guten Kapitel über Rembrandts Kunst gibt es wenigstens noch einen extra Stern.

Der Maler und das Mädchen
Der Maler und das Mädchenby Margriet de MoorHanser, Carl
23. Feb.
Rating:2

Ich bin kein Freund von historischen Romanen, aber historische Dokumentationen, in denen die Geschichte einer realen historischen Person mit einer Fiktion verknüpft wird, reizen mich schon. Auf den ersten Seiten fand ich den Roman der Niederländerin de Moor auch interessant, wobei ich mich schon da fragte, warum sie den Maler nicht beim Namen nennen wollte. Dieser Du-weißt-schon-wer ist Rembrandt, da macht die Autorin auch keinen Hehl daraus, da sie sehr konkret seine Bilder beschreibt und benennt. Die Tatsache, dass sie seinen Namen im ganzen Roman nicht nennt, muss wohl einen Grund haben. Ich denke, sie wollte sich vielleicht den Freiraum der Fiktion gestatten. Für mich ein unnötiger literarischer Kniff, denn ist wohl jedem Leser klar, dass die Geschichte vom Maler und dem Mädchen teilweise ihrer Phantasie entsprungen sein muss. Das Mädchen ist auch keine Fiktion. Die 18jährige Elsje hat Rembrandt tatsächlich gezeichnet und die Bilder hängen heute im Museum in New York. Allerdings ist das keine verklärte Schönheit, sondern Rembrandt zeichnet die Mörderin 1644 als sie nach der Erdrosselung der Öffentlichkeit noch zur Schau gestellt wurde am Pranger. Dies ist eigentlich ein hervorragender Plot für einen Roman. Ich hatte mich auf eine kriminalistische Aufarbeitung des Falls und ein Eintauchen in das Leben Amsterdams im 17. Jahrhundert gefreut. Meine Erwartung, mehr über Rembrandt zu erfahren, wurden auch erfüllt. Es gibt ganz hervorragende Kapitel, in denen der Streit mit der Stadt über ein Bild und dessen inhaltliche Umsetzung dargestellt wurde oder auch seine Ansichten über Licht und Schatten in der Malerei. Alleine dafür hat sich das Buch gelohnt, denn wenn ich an Rembrandt denke, fallen mir automatisch die vielen Schatten in seinen Bilder ein, die durch Gegenlicht auseinandergebrochen werden. Warum hat mir das Buch dann doch nicht gefallen und wurde sogar nach über der Hälfte abgebrochen? Weil Margriet de Moor ein viel zu kompliziertes Konzept zum Aufbau der Geschichte gewählt hat und die grammatikalischen Zeiten und Erzählperspektiven ständig wechseln. Das machte das Lesen leider unnötig zäh und rätselhaft. Die Geschichte wird in erster Linie durch einen auktorialen Erzähler geschrieben, der aber nicht auf dem Wissensstand der beschriebenen Zeit steht, sondern aus der Moderne heraus erzählt. Daher weiß ich auch, wo die Zeichnungen heute hängen. Nun, dass kann man so machen, aber das dann auch die Sprache modern ist, killt die historische Atmosphäre des Buchs. Wenn de Moor von "Richtlinien" oder "Kollegen" schreibt, habe ich das Gefühl, einen Finanzthriller über die Rabobank zu lesen. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber für mich tolerierbar. Was mir aber größte Probleme bereit, wenn der auktorialer Erzähler plötzlich für einige wenige Sätze verschwindet und wir in die Sichtweise des Malers tauchen. Zudem wechseln dann auch noch Vergangenheit- und Gegenwartsform und es wechseln die Erzählstränge zwischen dem Maler (Amsterdam) und der Geschichte des Mädchens (Dänemark). Und dann wird die Auflösung des Falls gleich auf den ersten Seiten erzählt, so dass der Spannungsfaktor auch noch wegfällt. Darüber hinaus war mir die Erzählung über Elsjes Kindheit schlichtweg zu langweilig. Kurz um: Sehr ambitionierter Schreibstil und Erzählkonzept, welche nach meinem Geschmack zu viel des Guten sind. Für die guten Kapitel über Rembrandts Kunst gibt es wenigstens noch einen extra Stern.

Der Maler und das Mädchen
Der Maler und das Mädchenby Margriet de MoorHanser, Carl