wahre Begebenheit im T.C. Boyle Schreibstil
Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. 1936 hielt Dr. Alfred Kinsey erstmals sogenannte Eheberatungskurse an der Universität, worauf er begann, sich stärker für das Sexualverhalten der Spezies Mensch zu interessieren. Erstmals wurde dieses empirisch erforscht. Kinsey hat hier das wohl wehement tabuisierteste Thema geöffnet und die Bahn für spätere Forschungsarbeiten wie die von Dr. Masters geebnet. (Serienempfehlung: Masters of Sex) Ein aufwühlendes Lese-Erlebnis, das T.C. Boyle mit seinem nüchternen und doch detaillierten Schreibstil gut transportiert. Die Wahl, die Geschichte von Milk - Dr. Kinseys erstem Assistenten - erzählen zu lassen, führt zu interessanten Einblicken. Wie er sich von seinem Idol völlig in den Bann ziehen lässt und sich Kinseys Projekt vollkommen hingibt, ohne jegliche Fehlverhalten zu realisieren, führt beim Lesen zu aufwühlenden Emotionen bis hin zu Ekel und Abscheu. Mit diesem Protagonisten baut T.C. Boyle die Brücke zwischen wahrer Begebennheit mit Fakten und Gerüchten und Fiktion. Auffallend ist für mich der Aspekt, wie - beziehungsweise wie wenig - die verschiedenen auftretenden Charaktere beschrieben werden. John Milk himmelt Dr. Kinsey in so einem Ausmaß an, dass man schon sagen mag, er ist von ihm verblendet. Die Geschichte wird aus seiner Sicht und von ihm erzählt und er gibt uns nur dann Einblick in die verschiedenen Charaktere, wenn er es für bedeutsam empfindet.



