Eine Kindheit und Jugend in den 20er 30er Jahren in Amerika, ungeschönt beschrieben und absolut lesenswert.
Klappentext Henry Chinaski wächst in den Armenvierteln von Los Angeles auf. Geprägt von Gewalt, Demütigungen und Einsamkeit kämpft er sich durch eine Jugend, die von Ablehnung und Orientierungslosigkeit bestimmt ist. Während andere Freunde finden, Anerkennung erleben oder ihren Platz im Leben suchen, bleibt Henry immer der Außenseiter. Charles Bukowski erzählt in diesem autobiografisch geprägten Roman schonungslos ehrlich von einer Kindheit zwischen Verzweiflung, Wut und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. --- Es gibt Bücher, die man liest, wieder zuklappt und nach wenigen Tagen beinahe vergessen hat. Und dann gibt es Bücher wie Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend von Charles Bukowski, die sich wie Schmutz unter die Haut setzen und dort bleiben. Dieses Buch war, wenn ich mich richtig erinnere, erst mein zweites Werk von Bukowski, und trotzdem hat er mich erneut vollkommen in seinen Bann gezogen, weil kaum ein anderer Autor es schafft, das Hässliche, Kaputte und Trostlose des Lebens so nüchtern und gleichzeitig so eindringlich zu beschreiben. Was mich an diesem Buch erneut so gefesselt hat, war dieser unverwechselbare Schreibstil, der auf den ersten Blick simpel wirkt, aber in Wahrheit eine ungeheure Wucht besitzt. Bukowski schreibt nicht geschniegelt, nicht poetisch verklärt und schon gar nicht beschönigend. Seine Sprache ist dreckig, roh und direkt, als würde man durch die schmutzigen Straßen seiner Erinnerung laufen und jeden Schlag, jede Erniedrigung und jede Enttäuschung selbst erleben. Genau darin liegt aber die große Stärke dieses Romans, denn Bukowski versucht niemals, Mitleid zu erzwingen oder seine Vergangenheit künstlich dramatisch erscheinen zu lassen. Er erzählt einfach. Und gerade diese gnadenlose Ehrlichkeit macht alles so erschreckend authentisch. Henry Chinaski, Bukowskis literarisches Alter Ego, wächst in einer Welt auf, in der er nie wirklich dazugehört. Er ist der Junge, den niemand akzeptiert, der Außenseiter, über den gelacht wird, der nie irgendwo ankommt und immer spürt, dass mit ihm angeblich etwas „nicht stimmt“. Besonders erschütternd fand ich dabei, wie kompromisslos das Buch zeigt, wie grausam Kinder und Jugendliche auf Menschen reagieren können, die nicht der Norm entsprechen. Dieses permanente Gefühl von Ausgrenzung zieht sich durch jede Seite des Romans und macht das Lesen stellenweise fast unangenehm, weil man erkennt, wie tief solche Erfahrungen einen Menschen prägen können. Und genau hier liegt für mich auch die eigentliche Aussage dieses Buches. Bukowski zeigt, dass gesellschaftliche Ablehnung Menschen formt und manchmal zerstört. Henry wird nicht als geborener Trinker oder Frauenheld dargestellt, sondern als jemand, der niemals gelernt hat, irgendwo Geborgenheit oder Anerkennung zu finden. Deshalb wirken Alkohol, Frauen, Sex und Literatur später nicht wie Abenteuer oder Freiheit, sondern vielmehr wie Fluchtmöglichkeiten aus einer Welt, die ihn nie wirklich wollte. Das Tragische daran ist, dass diese Fluchten zwar kurzfristig betäuben, aber niemals heilen. Während des Lesens schwankte ich ständig zwischen Faszination und Erschrecken. Einerseits wollte ich unbedingt weiterlesen, weil Bukowski eine unglaubliche Sogwirkung entfaltet, andererseits tat es weh zu sehen, wie trostlos und leer diese Jugend oft gewesen ist. Besonders bedrückend war für mich die Erkenntnis, dass viele der Demütigungen, die Henry erlebt, zeitlos sind. Menschen, die anders aussehen, sich anders verhalten oder nicht in gesellschaftliche Erwartungen passen, werden noch immer ausgegrenzt und verletzt. Dadurch wirkt dieses Buch trotz seines historischen Settings erschreckend aktuell. Am Ende bleibt Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend kein schönes Buch im klassischen Sinne. Es ist dreckig, hart, manchmal unerquicklich und voller Hoffnungslosigkeit. Aber genau deshalb ist es so stark. Bukowski zwingt den Leser dazu, hinzusehen, wo andere lieber wegschauen würden. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Romans, weil er zeigt, wie ein Mensch langsam zu dem wird, was die Welt aus ihm gemacht hat.





