Ein Jahr wird erzählt im Hier und Jetzt und verbindet nebenbei flüssig die einzelnen Geschichten eines Lebens. Die Figuren und Ereignisse sind so "echt", dass ich persönliche Parallelen gefunden habe. Es sind viele Einzelgeschichten, die im Tal zusammenfinden, auseinander gehen oder einfach unabhängig voneinander passieren. Der Ort und die Natur sind so gut beschrieben, dass ich mich sehr gut hineindenken konnte. Das Buch hat mich auch nach dem Lesen mit Gedanken, Erinnerungen und Empfindungen beschäftigt.
Ganz nett
Wir begleiten ein knappes Jahr die Figuren, die in einem Tal auf den Shetland-Inseln leben. Es passiert gar nicht so viel, aber trotzdem lernen wir die Personen und die Beziehungen untereinander kennen. Das Buch hat nicht mein Leben verändert, aber es war echt ganz nett zu lesen.
Der Name des Romans ist Programm: Malachay Tallack erzählt über ein abgelegenes Tal auf einer kleinen schottischen Insel und den wenigen Menschen, die dort noch leben. “Shetland - abgelegen und karg, umgeben vom Atlantik, den Launen des Wetters ausgesetzt” - treffender war kaum eine Inhaltsangabe, denn genau das ist es, was das Buch ausmacht. Das Atmosphärische, die Landschaft, wunderbar beschrieben von Tallack, der selbst als Kind nach Shetland zog. Das Land prägt die Menschen und ihr Leben, das nach außen hin einfach scheinen mag. Entschleunigt und ohne großen Spannungsbogen geht der Roman ganz auf die Figuren ein und schafft detaillierte Charakterstudien. Großartig, wie der selbst noch recht junge Autor die verschiedenen Lebensrealitäten seiner Figuren glaubhaft und real abbildet – ob es der junge Zugezogene Sandy ist oder der letzte Einheimische David, ein Mann im Rentenalter. Stellenweise erinnerte mich “Das Tal in der Mitte der Welt” an die Romane von Elizabeth Strout, die auch geprägt sind von ihren Figuren und einer angehnehmen Entschleunigung. Einziger Wehmutstropfen: trotz ihrer Tiefe konnte ich beim Lesen nie eine emotionale Bindung zu den einzelnen Charakteren aufbauen, was letztlich dazu führte, dass ich eine gewisse Distanz zur Erzählung entwickelte. Manche der Dialoge waren mir zu philosophisch angehaucht in ihrer Wortwahl. So wirkten Gespräche zwischen den Talbewohner:innen manchmal wie eine Therapiesitzung. Dennoch eine Leseempfehlung!
Ich habs vermutlich nicht verstanden



