Wir begleiten im Buch über einen Zeitraum von fünf Jahren drei indigene Frauen der Familie Stranger. Und zwar generationsübergreifend. Am Schluss des Buches werden die verwandtschaftlichen Beziehungen in einem Stammbaum noch einmal klar dargestellt. Das empfand ich beim Lesen als sehr hilfreich. Es fällt mir sehr schwer über dieses aufrüttelnde und erschütternde Buch hier zu schreiben. Es ist kein Wohlfühlroman, keine rührende Familien - oder Liebesgeschichte , wobei die Autorin in ihrer Triggerwarnung verspricht auch über Liebe zu berichten. Wir begegnen der harten und grausamen Realität indigener Menschen in Kanada, einer Demokratie in heutiger Zeit mit einem funktionierendem Rechtssystem. Sie wachsen in Reservaten auf, bekommen zu wenig Bildung und gesellschaftliche Achtung. Die Familienstrukturen werden durch kriminell ausufernde Suchtkrankheiten zerstört, sowie Ihre Wurzeln, die ihnen Jahrtausende auf diesem Kontinent Halt und Orientierung gegeben haben. Stellt euch beim Lesen auf traurige Ereignisse, Gewalt, Rassismus,Tränen,Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ein. Großmutter) Margaret, (Mutter) Elsie, (Elsies Kinder) Phoenix und Cedar sind die Frauen dieser Geschichte , meist verlassen von den männlichen Mitgliedern dieser Familie Stranger. Es wird aus der Sichtweise jeder einzelnen Frau berichtet, einzig Cedar spricht im Buch in der Ich-Form. Einblicke in Krankheit durch Drogenabhängigkeit sind etwas fast Normales und Gewalt im Gefängnis und / oder Pflegefamilien gehören auch zum Lesealltag. Von den psychischen Belastungen ganz zu schweigen, denen die Kinder von klein auf ausgesetzt werden. Ich musste das Buch oft an die Seite legen, da es einfach viel Gewalt enthält und mich sehr emotional berührt hat. Doch es ist ein wichtiges Thema, welches nicht verschwiegen oder vertuscht werden darf. Vielleicht hilft es einigen Leser*innen erst einmal in eine Leseprobe des Buches hinein zu schnuppern, um danach eine Entscheidung für oder gegen das Lesen zu finden. Fünf ***** Sterne.
Das Buch und die Thematik haben mich deprimiert! Leider , denn es präsentiert die Wahrheit von Ausgrenzung indigener Minderheiten in einem demokratischen Land .
Eindringlich und wichtig!
Ein Buch, das mich bewegt hat, auf so vielen Ebenen. Kein leichtes Buch, aber dass ist auch nicht sein Anspruch. Mit den Frauen der Familie Stranger sind wir an der Seite von Frauen, deren Leben durch Trauma, Verlust, aber auch Hoffnung miteinander verwoben sind. Diese Frauen, die Frauen der Familie Stranger, haben uns etwas zu sagen. Gesellschaftskritisch, aber auch sehr emotional schauen wir auf das, was diesen ihnen widerfährt. Wir nehmen Anteil an ihrem Schicksal. Am Schicksal indigener Frauen in Kanada. Und ich kann Euch sagen, das war oft nur schwer auszuhalten. Wir erfahren Dinge, die mir bis dahin überhaupt nicht bewusst gewesen sind. Von denen ich nichts wusste. Über die ich mir aber auch ehrlich gesagt, noch nie Gedanken gemacht habe. Und darum ist dieses Buch so wichtig. Weil es aufzeigt wie viel mehr da noch ist, wie viel mehr den Indigenen Völkern angetan wurde. Über das niemand spricht. Und ehrlich: ich schäme mich. Weil so viel an mir vorbei gegangen ist. Ja, wir empören uns darüber, dass diesen Menschen ihr Land, ihre Heimat etc. genommen wurde. Wir regen uns über Reservate auf. Und das zu recht. Aber wir wissen noch viel zu wenig darüber, was diesen Menschen, ihrer Geschichte und ihrer Zukunft, angetan wurde. Ganz sachlich, ohne viel Schnörkel wird dieses Buch erzählt. Wütend, aber ganz ohne Übertreibungen. Wir tauchen ab in das Leben von vier Frauen, drei Generationen. Die wechselnden Erzählstränge erzeugen ein vielschichtiges Bild der Familie. Wir sind mit den einzelnen Protagonistinnen in der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart. Wir durchleben mit ihnen Zeiten der Angst, der Trauer, der Fassungslosigkeit, aber auch der Hoffnung. Ein wunderbarer und eindringlicher Roman, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Eine Leseempfehlung.
Ein heftiges, aber wichtiges Buch
Ich hab letzten Monat 𝗗𝗶𝗲 𝗙𝗿𝗮𝘂𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗙𝗮𝗺𝗶𝗹𝗶𝗲 von Katherena Vermette beendet – und ich musste das Buch danach erst mal sacken lassen. Im Zentrum stehen vier Frauen aus drei Generationen der Familie Stranger – deren Lebenswege sich auf schmerzhafte Weise kreuzen. Cedar, die jüngste, hat einen Großteil ihrer Kindheit in Pflegefamilien verbracht und kehrt schließlich zum Vater zurück, wo sie sich zwar umsorgt, aber keineswegs wirklich angenommen fühlt. Phoenix, die ältere Schwester, bringt in einer Jugendstrafanstalt ein Kind zur Welt, das ihr unmittelbar nach der Geburt weggenommen wird. Ihr Kampf um Selbstvergebung und Würde wird zu einem der emotionalen Kernstücke des Romans. Mutter Elsie ringt mit ihrer Sucht und dem tiefen Wunsch, das Leben ihrer Töchter wieder in den Griff zu bekommen und als zuverlässiger Halt für sie da zu sein. Und schließlich Margaret, die genauso mit ihren Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen wie ihre Tochter und Enkel. Es geht um Gewalt, Verlust, Sucht, Armut und das Leben indigener Familien – aber auch um Zusammenhalt und dieser ganz leisen Hoffnung, die sich trotzdem immer wieder zeigt. Vieles daran ist schwer auszuhalten, weil es so direkt und realistisch beschrieben wird. Gleichzeitig schafft Vermette es, ihre Figuren mit so viel Mitgefühl zu zeichnen, dass man ihnen unglaublich nah kommt. Mich hat besonders berührt, wie unterschiedlich die Frauen mit ihren Erfahrungen umgehen und wie sehr ihre Geschichten trotzdem miteinander verbunden bleiben. Es gibt keine einfachen Lösungen, kein „Happy End“ im klassischen Sinn – eher ein vorsichtiges Weitergehen. Und genau das fühlt sich ehrlich an. Kein leichtes Buch, aber ein sehr wichtiges. Eines, das wütend macht, traurig macht und gleichzeitig zeigt, wie viel Stärke selbst in zerbrochenen Familiengeschichten steckt. Große Leseempfehlung, wenn ihr Bücher mögt, die emotional fordern. Gestört hat mich lediglich, dass man den sehr komplexen Stammbaum der Familie Stranger, nur schwer überblickt. Ein paar weniger Randfiguren hätten der Geschichte meiner Meinung nach gut getan.
"Von Ehefrauen wurde erwartet, dass sie geziert lächelnde, stille Dinger waren. Sie durften traurig und unglücklich sein, aber bitte nur auf kultivierte, wohlüberlegte Art und Weise, und sie mussten leise, unbedingt leise sein. Das schaffte sie nie. Dazu war sie viel zu wütend." [S. 176] Familiengeschichte und Gesellschafts(kritischer) Roman über verschiedene indigene Frauen einer Familie, die generationsübergreifend mit unterschiedlichen Problemen fertig werden müssen, um ihre jeweiligen Leben zu bewältigen. Dieser Roman befasst sich thematisch vor allem mit Verlust(en), Mutterschaft und Abhängigkeit und ist anhand der Schwere der Thematiken und der Komplexität nicht mal eben wegzulesen. (Großmutter) Margaret, (Mutter) Elsie, (Elsies Kinder) Phoenix und Cedar sind die Frauen der Familie Stranger. Während Margaret in ihrer Generation noch stoisch alles erduldet hat, was ihr durch Männer auferlegt wurde, konnte Elsie den Anforderungen der Gesellschaft an sie, durch die Wahl falscher Männer und ungeplanter Schwangerschaften nicht standhalten und versinkt letztendlich im Drogensumpf, was dazu führt, dass ihr ihre Kinder entzogen werden. Die kleine Sparrow stirbt in einer Pflegefamilie, Phoenix landet im Gefängnis und Cedar kommt bei ihrem Vater und seiner neuen Familie unter. Abwechselnd wird aus der Sicht jeder der Frauen die Geschichte erzählt, wobei nur Cedars Kapitel aus der Ich-Perspektive geschildert werden. Je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr Einblicke bekommt man in die Vergangenheit und versteht die Beweggründe, die zu der jeweiligen Gegenwartssituation der einzelnen Frauen führten. Sprachlich wurde das gut umgesetzt und wie ich finde auch großartig übersetzt, thematisch war das sehr umfangreich und ich hatte gerade zu Anfang Mühe, den Überblick über die Familienstrukturen zu behalten - der Stammbaum am Ende des Buches erwies sich definitiv sehr hilfreich. Mir hat "Die Frauen der Familie" gut gefallen und ich würde es denjenigen weiterempfehlen, die sich nicht vor anspruchsvoller Literatur scheuen, die nur zur reinen Unterhaltung dient, sondern Schicksale unterschiedlicher Gesellschaftsschichten hinterfragt ohne wertend zu urteilen.
Bleibt in Erinnerung
Rezension zu Die Frauen der Familie von Katherena Vermette Dieses Buch hat mich emotional zerstört ich musste es mehrfach aus der Hand legen pausieren um dann weiter lesen zu können. In dem Buch wird die Perspektive von Margaret, Elsie, Phoenix und Cedar in einer rückblende von ca 5 Jahren wiedergegeben welche alle kein einfaches Leben und keine einfache Geschichte haben, vor allem haben sie eines gemeinsam eine gewisse Art von Trostlosigkeit und Einsamkeit, frühe Schwangerschaften, überforderung aber vor allem über fehlende Mutterliebe und das Problem Nähe nicht zulassen zu können. Diese Geschichte zeigt beispielhaft an dieser Familie wie Traumata von Generation zu Generation weitergegeben werden und man unter den Folgen leidet. Das Buch ist in meinen Augen definitiv harte Kost und ich empfehle stabil zu sein um es lesen zu können.
Tragisch, melancholisch, wütend & gesellschaftskritisch
Dieser Roman ist stark von realen Erfahrungen indigener Communities in Kanada inspiriert, und ich finde, die Autorin hat hier ganz große Arbeit geleistet. Ein Thema, das mich ohnehin schon lange beschäftigt, hat nun Namen und eine Geschichte erhalten. Und auch wenn diese fiktiv sind, stehen sie doch stellvertretend für so viele Schicksale. … „Es war ein Fehler, den sie ständig beging. Von Ehefrauen wurde erwartet, dass sie geziert lächelnde, stille Dinger waren. Sie durften traurig und unglücklich sein, aber bitte nur auf kultivierte, wohlüberlegte Art und Weise, und sie mussten leise, unbedingt leise sein.“ (Margaret) … „Ich verstehe nicht, wie Leute etwas vergessen können. Dass Leute so glücklich sind, dass sie immer nur an das denken, was direkt vor ihnen liegt.“ (Cedar) … „Mit den Strangers legt man sich nicht an. Nur Elsie war anders. Hatte sich bloß durchs Leben geweint. Es hatte sie nicht weitergebracht, aber sie hatte nie gelernt, damit aufzuhören.“ (Elsie) … Die Frauen erzählen Kapitel für Kapitel abwechselnd eine Geschichte, die tief in die Vergangenheit der Familie führt und verstehen lässt, warum manches nur tragisch enden konnte. Man erkennt, welcher Teufelskreis die Menschen daran hindert, ein gutes Leben zu führen. Cedars Sicht wird als einzige aus der Ich-Perspektive erzählt, während die Abschnitte der anderen Frauen aus der Sicht eines Erzählers geschildert werden. Der Schreibstil ist roh und echt, immer der jeweiligen Person angepasst. Bei Phoenix wird in jedem zweiten Satz geflucht, während man in Cedars Kapiteln ihre junge und unschuldige Art deutlich spürt. Allgemein spiegeln die Abschnitte die Emotionen der Frauen sehr gut. Und die Emotionen sind hier unglaublich stark. Elsies Verzweiflung und Schuld, Margarets Unzufriedenheit, Cedars Hilflosigkeit – und am intensivsten, wie ich finde: Phoenix’ Wut. Viele dieser Emotionen haben auch mich beim Lesen ergriffen. Vorrangig die Wut: über die Ungerechtigkeiten, die indigene Menschen ertragen müssen, und über die Umstände, die daraus entstehen. Während die einen der Selbstzerstörung in verschiedenen Formen verfallen, geben sich andere direkt auf. Nur manche schaffen es, ihre Hoffnung auf ein besseres Leben nicht zu verlieren. Dieser Roman hat einiges mit mir gemacht. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wohin die Geschichte wohl führt, denn auch ich verlor beim Lesen allmählich die Hoffnung. Es hat mich so mitgenommen, dass ich zwischendurch zu einem anderen Buch und Genre wechseln musste. Und doch hat es mich nicht losgelassen. Die Geschichte ist nicht ganz auserzählt, und ich glaube, das ist gut so. Es lässt mich auf einen schönen Ausgang hoffen. Ich stelle mir gern vor, dass ab der letzten Seite alles besser wird – auch wenn vieles unwiederbringlich verloren ist. Von mir gibt es eine maximale Empfehlung. Dieses Buch wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben. 🖤🖤🖤🖤🖤

Eine erschütternde Geschichte
Worum geht’s? Cedar hat fast ihr gesamtes Leben in Pflegefamilien verbracht, bevor sie schließlich bei der neuen Familie ihres Vaters unterkommt – ein Ort, der Sicherheit verspricht, aber keine Heilung garantiert. Ihre Schwester Phoenix bringt während ihrer Haft ein Kind zur Welt, das sie niemals sehen darf. Und ihre Mutter Elsie kämpft verzweifelt gegen ihre Sucht, gegen Rückfälle, gegen ein System, das ihr kaum eine echte Chance lässt – in der Hoffnung, ihre Kinder eines Tages wieder zu sich holen zu können. Meine Meinung: Katherena Vermettes Roman „Die Frauen der Familie“ ist ein Buch, an dem ich lange gelesen habe – nicht, weil es sperrig wäre, sondern weil es weh tut. Die Geschichte ist so intensiv, so schonungslos und so erschreckend, dass ich immer wieder innehalten musste. Die Worte graben sich unter die Haut, sie lassen sich nicht einfach konsumieren und beiseitelegen. Erzählt wird auf mehreren Ebenen, aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten. In der Gegenwart begleiten wir Cedar, die in der Ich-Form erzählt. Sie ist diejenige, die trotz all der Steine, die ihr das Leben in den Weg legt, versucht, Ordnung in ihr Dasein zu bringen, auch wenn sie dadurch zur Außenseiterin wird. Dann ist da Phoenix, ihre Schwester, die aus dem Gefängnis heraus berichtet, gefangen in schweren Depressionen und in einer Realität, die ihr kaum Luft zum Atmen lässt. Hinzu kommt Elsie, die Mutter, deren Leben vom ständigen Drang nach dem nächsten Schuss, der nächsten Pille bestimmt wird. Und schließlich führt uns die Vergangenheit zu Margarete, die durch eine ungewollte Schwangerschaft vieles verloren hat, was einmal möglich schien. Das sind sie: die Frauen der Familie Stranger. Indigene Frauen, deren Lebenswege exemplarisch zeigen, wie tief Vorurteile, Gewalt, Unterdrückung und strukturelle Ungerechtigkeit greifen. Dieses Buch ist nicht leicht – und darf es auch nicht sein. Beim Lesen musste ich immer wieder pausieren, das Gelesene sortieren, verarbeiten. Es zeigt, wie wenige es schaffen, sich aus den Zuschreibungen und Schubladen zu befreien. Wie gnadenlos ein Stempel wirken kann. Wie oft allein die Hautfarbe genügt, um als minderwertig betrachtet zu werden. Der Roman fühlt sich erschreckend echt an: roh, intensiv, lebendig. Er durchmisst eine breite Palette an Emotionen, vor allem dunkle, schmerzhafte. Und doch gibt es sie, diese leisen Momente der Hoffnung – vor allem durch Cedar, die wie ein schmaler Lichtstreifen durch die Geschichte führt. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: Die Zeitebenen sind nicht immer klar gekennzeichnet, sodass sich in manchen Kapiteln erst nach einigen Seiten erschließt, in welchem Kontext man sich gerade befindet. Doch das schmälert die Wirkung kaum. Das Buch geht tief unter die Haut, setzt sich im Gedächtnis fest und wirkt lange nach. Fazit: Katherena Vermettes „Die Frauen der Familie“ ist ein schweres, eindringliches Buch, das sich nicht leicht konsumieren lässt und genau darin seine Stärke hat. Der Roman erzählt schonungslos von generationsübergreifenden Traumata, struktureller Ungerechtigkeit und dem Kampf indigener Frauen um Würde, Sichtbarkeit und ein selbstbestimmtes Leben. Die Vielstimmigkeit der Erzählung verstärkt die emotionale Wucht und macht deutlich, wie tief persönliche Schicksale in gesellschaftliche Strukturen eingebettet sind. Ein intensiver Roman, der fordert und lange im Gedächtnis bleibt. 4 Sterne von mir.






