29. Juli

Charlotte Weitzes „Rosarium“ ist ein Roman, der wie eine seltsame, botanische Traumlandschaft wirkt und gleichzeitig vertraut und fremd erscheint. Ich war überrascht, wie schnell mich die Geschichte in ihren Bann zog, obwohl sie sich jeglicher konventioneller Erwartung entzieht. Weitze hat ein Werk geschaffen, das die Grenzen zwischen Mensch und Natur sprengt und zugleich eine intime Familienchronik erzählt – mit Pflanzen und Menschen, die auf ungeahnte Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum steht eine Familie über mehrere Generationen hinweg, deren Mitglieder eine fast mystische Verbindung zur Pflanzenwelt besitzen. Dieses „botanisch-magische“ Element ist nicht nur ein reizvolles Motiv, sondern ermöglicht es Weitze, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. Da sind Menschen, die buchstäblich zu Pflanzen werden, in der Sonne Photosynthese betreiben oder ihre Samen über absonderliche Wege weitergeben. Das mag auf den ersten Blick irritierend klingen, aber Weitze gestaltet diese Szenen mit so viel sprachlicher Eleganz und Poesie, dass man den Eindruck gewinnt, hier geht es um mehr als nur um eine bizarre Erzählung. Es ist vielmehr eine subtile Reflexion über die Symbiose zwischen Mensch und Natur, ein Gedanke, der sich während des Lesens immer tiefer eingräbt. Der Vergleich zu Olga Tokarczuk liegt auf der Hand, und ich sehe hier tatsächlich viele Parallelen – nicht nur in der erzählerischen Weite und der Nähe zur Mythologie, sondern auch in der präzisen Sprache und der Fähigkeit, das Fantastische mit dem Alltäglichen zu verweben. Weitzes Schreibstil besitzt eine ähnlich hypnotische Kraft, und während des Lesens fühlte ich mich oft in einer Art gedanklichem Schwebezustand, wie ein Besucher in einer Welt, die vertraut scheint, jedoch völlig eigene Gesetze hat. Thematisch deckt „Rosarium“ eine breite Palette ab: Von der Erkundung ökologischer Fragen über Genderrollen bis hin zur Suche nach dem Sinn des Lebens. Doch was mich besonders beeindruckt hat, ist die Weise, wie Weitze diese Themen behandelt. Sie neigt nie dazu, belehrend oder plakativ zu wirken. Die Gedanken über Mensch und Natur, die ökologische Verantwortung oder die menschlichen Beziehungen in diesem Erzählkosmos tauchen fast beiläufig auf, als leise Untertöne, die jedoch nachhallen. Das Werk ist reich an Symbolik und bringt Fragen mit sich, die man nicht einfach beiseitelegen kann. Gleichzeitig muss ich aber zugeben: „Rosarium“ ist keine leichte Lektüre. Der Einstieg hat mich durchaus gefordert, und ich kann verstehen, dass manche Leser anfangs zögern oder gar abgeschreckt werden könnten. Die Handlung ist nicht immer linear, es gibt Abschnitte, die in ihrer Rätselhaftigkeit Geduld verlangen, und die fast surreale Atmosphäre sorgt dafür, dass man sich gelegentlich verloren fühlt. Besonders in den ersten Kapiteln gibt es irritierende Momente, die eine starke Reaktion hervorrufen – eine gewagte Herangehensweise, die nicht jedem gefallen dürfte. Doch Weitze belohnt die Geduldigen: Im weiteren Verlauf entwickelt die Geschichte eine Art Sog, und spätestens ab der zweiten Hälfte wird klar, wie feinfühlig die Autorin ihre Ideen verwebt hat. Was mich besonders beeindruckt hat, ist der unerwartete Mix aus botanischem Wissen und fantastischer Imagination. Die detaillierte, fast wissenschaftliche Beschreibung der Pflanzen und deren symbolische Bedeutung fügt eine zusätzliche Ebene hinzu, die ich selten in Romanen finde. Man könnte „Rosarium“ fast als „botanischen Realismus“ beschreiben, ein eigenwilliges Genre, das Weitze wie keine andere beherrscht. Am Ende ist „Rosarium“ ein Werk, das mich herausgefordert und bereichert hat. Es ist ein Roman, der weit über eine gewöhnliche Familiengeschichte hinausgeht und tiefgreifende Fragen aufwirft, die man nicht sofort beantworten kann – und vielleicht auch nicht sollte. Charlotte Weitze hat hier ein literarisches Unikat geschaffen, das eigenwillig, beunruhigend und doch bezaubernd ist. Sicherlich ist es nicht für jedermann geeignet, und ich kann verstehen, wenn man sich mit der Thematik oder dem Stil schwer tut. Doch für Leser, die bereit sind, sich auf ein unerwartetes Abenteuer einzulassen und die sich in der Grauzone zwischen Realität und Fantasie wohlfühlen, könnte „Rosarium“ zu einem der eindrucksvollsten literarischen Erlebnisse gehören.

Rosarium
Rosariumby Charlotte Weitzebtb
27. Nov.

Charlotte Weitzes „Rosarium“ ist ein Roman, der wie eine seltsame, botanische Traumlandschaft wirkt und gleichzeitig vertraut und fremd erscheint. Ich war überrascht, wie schnell mich die Geschichte in ihren Bann zog, obwohl sie sich jeglicher konventioneller Erwartung entzieht. Weitze hat ein Werk geschaffen, das die Grenzen zwischen Mensch und Natur sprengt und zugleich eine intime Familienchronik erzählt – mit Pflanzen und Menschen, die auf ungeahnte Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum steht eine Familie über mehrere Generationen hinweg, deren Mitglieder eine fast mystische Verbindung zur Pflanzenwelt besitzen. Dieses „botanisch-magische“ Element ist nicht nur ein reizvolles Motiv, sondern ermöglicht es Weitze, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. Da sind Menschen, die buchstäblich zu Pflanzen werden, in der Sonne Photosynthese betreiben oder ihre Samen über absonderliche Wege weitergeben. Das mag auf den ersten Blick irritierend klingen, aber Weitze gestaltet diese Szenen mit so viel sprachlicher Eleganz und Poesie, dass man den Eindruck gewinnt, hier geht es um mehr als nur um eine bizarre Erzählung. Es ist vielmehr eine subtile Reflexion über die Symbiose zwischen Mensch und Natur, ein Gedanke, der sich während des Lesens immer tiefer eingräbt. Der Vergleich zu Olga Tokarczuk liegt auf der Hand, und ich sehe hier tatsächlich viele Parallelen – nicht nur in der erzählerischen Weite und der Nähe zur Mythologie, sondern auch in der präzisen Sprache und der Fähigkeit, das Fantastische mit dem Alltäglichen zu verweben. Weitzes Schreibstil besitzt eine ähnlich hypnotische Kraft, und während des Lesens fühlte ich mich oft in einer Art gedanklichem Schwebezustand, wie ein Besucher in einer Welt, die vertraut scheint, jedoch völlig eigene Gesetze hat. Thematisch deckt „Rosarium“ eine breite Palette ab: Von der Erkundung ökologischer Fragen über Genderrollen bis hin zur Suche nach dem Sinn des Lebens. Doch was mich besonders beeindruckt hat, ist die Weise, wie Weitze diese Themen behandelt. Sie neigt nie dazu, belehrend oder plakativ zu wirken. Die Gedanken über Mensch und Natur, die ökologische Verantwortung oder die menschlichen Beziehungen in diesem Erzählkosmos tauchen fast beiläufig auf, als leise Untertöne, die jedoch nachhallen. Das Werk ist reich an Symbolik und bringt Fragen mit sich, die man nicht einfach beiseitelegen kann. Gleichzeitig muss ich aber zugeben: „Rosarium“ ist keine leichte Lektüre. Der Einstieg hat mich durchaus gefordert, und ich kann verstehen, dass manche Leser anfangs zögern oder gar abgeschreckt werden könnten. Die Handlung ist nicht immer linear, es gibt Abschnitte, die in ihrer Rätselhaftigkeit Geduld verlangen, und die fast surreale Atmosphäre sorgt dafür, dass man sich gelegentlich verloren fühlt. Besonders in den ersten Kapiteln gibt es irritierende Momente, die eine starke Reaktion hervorrufen – eine gewagte Herangehensweise, die nicht jedem gefallen dürfte. Doch Weitze belohnt die Geduldigen: Im weiteren Verlauf entwickelt die Geschichte eine Art Sog, und spätestens ab der zweiten Hälfte wird klar, wie feinfühlig die Autorin ihre Ideen verwebt hat. Was mich besonders beeindruckt hat, ist der unerwartete Mix aus botanischem Wissen und fantastischer Imagination. Die detaillierte, fast wissenschaftliche Beschreibung der Pflanzen und deren symbolische Bedeutung fügt eine zusätzliche Ebene hinzu, die ich selten in Romanen finde. Man könnte „Rosarium“ fast als „botanischen Realismus“ beschreiben, ein eigenwilliges Genre, das Weitze wie keine andere beherrscht. Am Ende ist „Rosarium“ ein Werk, das mich herausgefordert und bereichert hat. Es ist ein Roman, der weit über eine gewöhnliche Familiengeschichte hinausgeht und tiefgreifende Fragen aufwirft, die man nicht sofort beantworten kann – und vielleicht auch nicht sollte. Charlotte Weitze hat hier ein literarisches Unikat geschaffen, das eigenwillig, beunruhigend und doch bezaubernd ist. Sicherlich ist es nicht für jedermann geeignet, und ich kann verstehen, wenn man sich mit der Thematik oder dem Stil schwer tut. Doch für Leser, die bereit sind, sich auf ein unerwartetes Abenteuer einzulassen und die sich in der Grauzone zwischen Realität und Fantasie wohlfühlen, könnte „Rosarium“ zu einem der eindrucksvollsten literarischen Erlebnisse gehören.

Rosarium
Rosariumby Charlotte Weitzebtb
23. Nov.
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Rating:2

Wenn mich jemand nach der größten Enttäuschung des Jahres fragen würde, ich würde ‚Rosarium‘ von Charlotte Weitze, übersetzt von Ursel Allenstein, nennen. Ich hatte so hohe Erwartungen, die Mischung aus Cover und Klappentext versprach, dass es eine Geschichte werden würde, die mich begeistern könnte. Leider weit gefehlt. Die Story ist in drei Abschnitte aufgeteilt, die generationsübergreifend eine etwas andere Familiengeschichte erzählt. Der erste Teil war dabei schon etwas abgefahren, aber sehr mystisch und doch auch vielversprechend. Es fielen keine Namen, es wurde von Schwester, Bruder, dem Kronprinzen erzählt. Warum letzterer eine Rolle spielte, erschließt sich mir allerdings nicht. Er wurde nie wieder erwähnt. Die kurzen Sätze unterstrichen die kindliche Erzählperspektive. Also selbst wenn der Stil etwas gewöhnungsbedürftig war, war ich doch in gewisser Weise fasziniert. Der zweite Teil ergeht sich in Infodumping zu Botanik und Biologie, seitenweise wird von Fortpflanzung und Entdeckungsgeschichten geschwafelt. Eigentlich bin ich grundsätzlich sehr interessiert, lerne gerne und nehme noch lieber bemerkenswerte Fakten aus Büchern mit. Doch das war viel zu viel und nur noch langweilig. Da war die Hauptgeschichte umso bemerkenswerter: Es erzählt eine Frau, die auf der Suche nach ihrer Geschlechtsidentität ist. Ihr Kampf gegen die Eltern und die Gesellschaft war dabei noch sehr interessant und ich dachte mir, dass es eventuell doch noch eine tolle, queere Geschichte werden könnte. Doch dann kamen Szenen, die mich nur noch abgestoßen haben. Ich hatte überlegt, ob ich den höheren Sinn nicht verstehe, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass, wenn einer bestehen würde, es mir schlichtweg egal wäre. Die Protagonistin identifiziert sich als Frau, wurde aber als Mann geboren. Sie gibt ihren Trieben nach und verg3w@ltigt mehrfach ein menschenähnliches Wesen.. Aber dieser Trieb, da kann sie ja eigentlich nichts dafür oder? Mit einem ihrer Gedanken wird mir als Leserin klar, dass sie sich bewusst ist, was sie tut. Aufarbeitung oder Reue? Scham? Selbsthass? Fehlanzeige! Hier wird anscheinend nur das transfeindliche Narrativ bedient, Trans*menschen würden nur verg3w@ltigen wollen. Ich habe noch nie so eine Abscheu für eine Buchfigur verspürt und war kurz davor, das Buch abzubrechen. Allerdings hatte ich die Hoffnung, dass der dritte Teil nochmal.. besser?.. angenehmer?.. werden könnte. Ich hätte besser abgebrochen, denn der zweite Abschnitt hat mir das ganze Buch verdorben. Ich hatte immer die abscheulichen Taten der Frau im Kopf. Doch auch isoliert betrachtet, war der letzte Abschnitt nichts. Eher langweilig und nichtssagend. ‚Rosarium‘ ist ein Buch, das ich schnell wieder vergessen möchte. Empfehlen kann und will ich es auf keinen Fall.

Rosarium
Rosariumby Charlotte Weitzebtb