Ein ruhiger Krimi mit schöner Winteratmosphäre und einem sympathischen Ermittler
Ragnar Jónasson – Wintersturm Zum Buch In Siglufjörður liegt eines Nachts ein junges Mädchen tot auf der Straße. Alles deutet zunächst darauf hin, dass sie von der Dachterrasse eines Hauses gesprungen ist. Ein tragischer Suizid? Oder steckt doch mehr dahinter? Ari Thór übernimmt die Ermittlungen. Während draußen ein Schneesturm aufzieht und der kleine Ort immer enger wirkt, stößt er auf Hinweise, die nicht ganz zusammenpassen. Von da an beginnt Ari weiterzugraben. Zwischen alten Geheimnissen, verschwiegenen Dorfbewohnern, familiären Belastungen und seinen eigenen privaten Konflikten wird schnell klar, dass in Siglufjörður vieles unter der stillen Oberfläche verborgen liegt. Schreibstil Ragnar Jónasson bleibt auch hier seinem ruhigen, unaufgeregten Stil treu. Die Atmosphäre ist kühl, leise und abgeschieden. Siglufjörður wirkt idyllisch und beklemmend zugleich, besonders durch den Schneesturm, der sich über den Ort legt und alles noch enger macht. Ich mag Ari Thór als Figur sehr. Gerade deshalb hatte ich mich auf dieses Buch und auf ein Wiedersehen mit ihm gefreut. Allerdings hatte ich die vorherigen Bände wohl stärker im Kopf, als dieser Teil es für mich am Ende halten konnte. Was mich diesmal gestört hat, waren die vielen Wiederholungen in Aris Gedanken. Vor allem seine persönlichen Überlegungen kreisen sehr oft um dieselben Themen. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, weil Ari innerlich nicht gefestigt ist und zwischen Beruf, Vaterrolle, Vergangenheit und neuen Möglichkeiten steht. Trotzdem wurde es mir auf Dauer etwas zu viel. An einigen Stellen hat es den Fall eher ausgebremst, als Ari wirklich mehr Tiefe zu geben. Fazit Wintersturm ist ein stiller, solider Krimi, der nicht laut sein will und genau daraus seine Stärke zieht. Der Fall beginnt ruhig, fast unscheinbar, entwickelt aber nach und nach mehr Spannung. Besonders interessant fand ich, dass sich mehrere Ebenen öffnen und nicht nur Unnurs Tod im Mittelpunkt steht, sondern auch ältere Schuld und verdrängte Wahrheit ans Licht kommen. Die Auflösung hat mir am Ende gefallen. Sie war interessant, schlüssig und tragisch genug, um hängen zu bleiben. Gerade der letzte Teil hat dem Buch noch einmal mehr Gewicht gegeben. Trotzdem bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. Ich mochte die Atmosphäre, den Ort und Ari als Figur. Gleichzeitig haben mich die wiederkehrenden Gedankengänge und der etwas zähe Mittelteil angestrengt. Kein schlechter Band, aber für mich auch keiner der stärksten.












