Rana Ahmads Geschichte zeigt deutlich, wie unmöglich es ist, als Frau in Saudi-Arabien ein wirklich selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie macht auch die schwerwiegenden Folgen einer offen ausgesprochenen Abkehr vom Islam überdeutlich. Sprachlich lässt das Buch leider etwas zu wünschen übrig und es gibt auch einige Ungereimtheiten in der Geschichte, von denen sich nicht alle mit der Notwendigkeit erklären lassen, bestimmte Aspekte der Flucht und der daran beteiligten Menschen ungenannt zu lassen.
Ein wundervolles Buch, sehr emotional und glaubwürdig geschrieben. Man kann es in zwei Teile gliedern: Das Leben in Syrien und Saudi Arabien vor der Flucht und die Flucht nach Europa. Beide Teile haben mich sehr berührt, aber auf eine sehr unterschiedliche Weise. Beim Ersten war ich eher schockiert und sprachlos über etwas zu lesen, was wir in Europa zwar vom Hörensagen wissen, aber das uns nicht betrifft und daher oft wieder aus den Gedanken verschwindet. Der zweite Teil hat mich oft zu Tränen gerührt.
Ein Buch, das die Sicht auf Saudi-Arabien nachhaltig beeinflusst
"Auch einen einsamen Kampf gewinnt man nie alleine, nie nur für sich, sondern immer auch für andere, mit anderen gemeinsam." (S. 180). Dieser Satz von Rana Ahmad ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Eine junge Frau, die sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden wollte, dass andere Menschen (vor allem Männer) für sie vorgesehen haben. Und die dafür bereit war, alles was ihr lieb und teuer ist, hinter sich zu lassen und die Flucht ins Ausland zu wagen. Den würde sie eines Tages doch zurückkehren, wäre das ihr sicherer Tod. Ich habe mich bereits mit Büchern über Saudi-Arabien auseindergesetzt. Doch diese waren eher nüchtern geschrieben. Daher waren mir die Lebensumstände in diesem kontroversen Land bereits bekannt. Ranas Buch ist hingegen eine Biografie, die mich noch einmal auf eine ganz andere Weise emotional getroffen hat. Wie viel Gewalt diese Frau in ihrem jungen Leben erfahren musste. Wie viele Misshandlungen, sexuelle Belästigung und Entmündigung, lässt sich nur schwer ertragen. Denn das schlimmste: Rana ist kein Einzelfall. Immer wieder beschreibt sie, wie ähnlich das Schicksal der Frauen in ihrem Umfeld ist. Wie Frauen systematisch von der Religion und Regierung klein gehalten werden. Und selbst wenn du nicht gegen das Gesetz verstößt, sind da immer noch Väter, Brüder, Onkels und Cousins, die nur darauf warten, Selbstjustiz für (vermeintliche) Vergehen zu üben. Doch Rana geht ihren Weg. Beschreibt, wie es ihr seit ihrer Kindheit in Riad und auch in Syrien ergangen ist, wie sie erwachsen wurde und wie sie für ihre beruflichen Chancen gekämpft hat. Denn auch, wenn sie einen liebenden Vater hatte, der sie so behandelte, wie man es sich als eine Tochter wünscht und sie auf vielfältige Weise unterstützte. So sehr war auch er in dem vorhandenen System gefangen und Ranas Möglichkeiten, auf ein selbstbestimmtes Leben, von Grund auf limitiert. Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für das Leben von Frauen in Saudi-Arabien bzw. das Land an sich interessiert. Es lässt einen auf jeden Fall nachdenklich zurück.
Sehr spannendes Buch 📕 und einfach traurig dass es noch Länder gibt in denen Frauen nichts Wert sind.
Rana Ahmad zeigt durch ihr Buch, wie kostbar Freiheit ist und wie süß sie schmeckt, wenn man dafür alles zurücklassen musste, was einem lieb und kostbar war. Sie hat alles, was sie hatte auf eine Karte gesetzt und ein selbstbestimmtes Leben gewonnen. Doch dafür bezahlt sie jeden Tag seit ihrer Flucht. Bis heute! Eine mutige Frau, die ein Pseudonym benutzt, um ein bisschen von sich abzulenken. Sie hat immer noch große Angst, dass ihr ältester Bruder sie für die Schande töten (lassen) wird, die sie der Familie durch ihre Flucht und ihr öffentliches Bekenntnis Atheistin zu sein, zugefügt hat. Rana Ahmad ist für manch einen Menschen die Hoffnung und der Beweis, dass es gelingen kann, sein Leben in die Hand zu nehmen und selbst darüber zu bestimmen. Wir begleiten Rana gedanklich zurück nach Saudi-Arabien, als sie noch ein kleines 10-jähriges Mädchen war und ihr Vater ihr den Traum eines Fahrrads erfüllt hat. Doch fahren durfte sie es nur in den Ferien in Syrien, woher ihre Eltern stammen. Denn in Saudi-Arabien ist auch das Fahrradfahren für Mädchen und Frauen verboten. Eine kurze Zeit darf sie damit glücklich sein, den Fahrtwind in den Haaren genießen während sie Besorgungen für die Großmutter erledigt. Diese Freude währte nur kurz, denn dann kam der erste, große Einschnitt in ihrem Leben. Ihr Großvater entschied, dass sie nun alt genug war für das Kopftuch und sie sich ab jetzt züchtig zu verhalten hat. Fahrradfahren gehörte nicht dazu. Von nun an galt es aus ihr so eine Frau zu machen, die die Aufmerksamkeit gläubiger Familien auf sich zog und sie für eine Heirat in Frage käme. Das war das nächste und bisweilen einzige Ziel in naher und ferner Zukunft. Einzig Ranas Vater wünscht sich, dass Rana auch nach der Hochzeit ein Studium macht und sich weiterbildet. Hin und wieder legte ich sprachlos und mit Tränen in den Augen das Buch zur Seite. Ich konnte nicht fassen, zu was Familienmitglieder, insbesondere Mütter, die einen lieben und (be)schützen sollten, fähig waren. Ranas Leben liest sich bis zur Flucht als ein wahrgewordener Albtraum, der in einer Endlosschleife feststeckt. Wenn nichts mehr bleibt, gibt es heutzutage noch das Internet, in das sich auch die Autorin geflüchtet hat und das letztendlich ihre Rettung war. Durch viele Menschen, die sie dort kennengelernte, die ihr bei ihrer Flucht letztendlich ein Netzwerk von Hilfe waren, schaffte sie es aus Saudi-Arabien raus in die Türkei und über Griechenland nach Deutschland. Auch sie wagte die gefährliche Flucht mit dem Boot und dann weiter über die Balkanroute. Und auch hier hatte sie wieder Glück, da diese, als sie floh, noch nicht geschlossen war. Rana Ahmad bestätigt in ihrem Buch all die bisher erzählten Erlebnisse von Menschen, die auf diesem Wege nach Europa gelangten. Es ist schrecklich zu lesen, was sie alle erleben mussten. Und wieder lohnt es sich darüber nachzudenken, wie schlimm das Leben dieser Menschen vor der Flucht war, damit sie, um zu überleben, ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten. Es war furchtbar diese Leidensgeschichte einer Frau zu lesen, die das große Pech hatte in einem Land zur Welt gekommen zu sein, in dem eine Frau nichts wert ist, keine Rechte, keine Stimme und kein Leben hat. Ranas Glück war ihr Syrischer Pass. Doch was ist mit all den Ranas, die mit ihrem Saudi-Arabischen Pass kein Flugzeug ohne männliche Begleitung betreten können? Lasst uns diese Frauen nicht vergessen! Lasst uns helfen, wo und wie wir können, damit ein Selbstmord nicht der einzige Weg aus dieser Hölle ist. Fazit: Die berührende Lebensgeschichte einer jungen Frau, die bis Anfang 30 bereits so viel Schreckliches erlebt hatte, das wir uns in einem ganzen Leben nicht vorstellen können. Es ist eine berührende, mutige und sehr persönliche Geschichte, die sehr an meinem Herzen gerührt hat. Ich wünsche Rana Ahmad alles Glück der Welt. Sie soll in Zukunft immer des eigenen Glückes Schmied sein! Möge sie nie den Geschmack der selbsterlangten Freiheit vergessen und Vorbild für viele betroffene Frauen sein. Ich drücke ihr die Daumen für ihr Physikstudium, damit sie sich auch diesen lang gehegten Traum irgendwann erfüllen kann.




