Gutes Setting, aber leider zu viel gewollt.
In Sète, einer Kleinstadt in Südfrankreich wird die Leiche des jungen Pablo Fernandez am Strand gefunden. Ob es sich um einen Unfall oder Mord handelt, ist zunächst unklar. Die lokale Polizei um Kommissar Danard würde den Fall gerne als Unfall zu den Akten legen, doch Kommissar Lazare von der Kriminalpolizei aus Montpellier wird zur Aufklärung hinzugezogen. Da es sich um einen Gitan, einen Angehörigen einer Roma-Gruppe, handelt, vermutet Lazare zunächst ein rassistisch motiviertes Verbrechen. Zudem soll das Gelände, auf dem die Gitans seit Jahrzehnten wohnen, einem Hotelkomplex weichen. Gleichzeitig wird Brigadier Jeanjean in einem nahegelegenen Ort mit dem Tod eines über 80-jährigen betraut. Auch hier sieht zunächst alles nach einem Unfall aus, stellt sich dann aber rasch als Mord heraus. Für den hier hinzugezogenen Kommissar Bruant steht der Täter schnell fest. Am Ende kommt dann doch alles anders als es zunächst scheint. Robert Hültner versucht auf knapp 400 Seiten (mit sehr kurzen Kapiteln und damit sehr vielen halbleeren Seiten) für meinen Geschmack zu viele Personen einzuführen und zu viele Themen zu bearbeiten. Neben den zunächst offensichtlichen Themen Rassismus, Einwanderung und Front National gesellen sich weitere Themen wie Kommunismus und Sozialismus, Korruption und Erpressungen, Zwangsprostitution, die deutsche NS-Vergangenheit (ja, auch das spielt hier irgendwie mit rein) sowie Kritik am Großgrundbesitzertum und ausländische Investitionen. Als wäre das als Rahmen noch nicht komplex genug, kommen auf der Protagonisten-Ebene neben den zwei lokalen Polizeidienststellen, den zwei hinzugezogenen Kommisaren aus Montpellier auch noch zwei deutsche Polizisten, der französische Geheimdienst DCRI und der deutsche Verfassungsschutz mit ins Spiel. Außerdem bleibt natürlich auch Kommissar Lazare von privaten Problemen nicht verschont - und damit der Leser (leider) auch nicht. Ich bin zwischenzeitlich sehr, sehr durcheinander gekommen mit all den Personen und Handlungssträngen, die sich ehrlich gesagt auch am Ende nicht wirklich eindeutig zusammengefügt haben. Mir war hier einfach zu viel los und zu viel auf einmal gewollt. Die Hälfte von alledem hätte für ein gelungenes und spannendes Buch für mich gereicht.
