13. Jan.
Rating:1

Achtung, Achtung...hier gibt es NICHTS zu sehen!

Direkt zu Beginn: Ich bin wahrscheinlich der falsche Adressat für diesen Text. Ich bin zwar im ehemaligen Osten geboren, allerdings nur im EHEMALIGEN (Jg. 93). Und daher kann ich die Wut (und die Gedanken) der Autorin auf die Wende, die ihr alles weggenommen zu haben scheint, nicht nachvollziehen. Ich dachte vor der Lektüre, ich hätte ein Buch in der Hand, das mir erklärt, wie die Generation der 70er tickt und wie sie kollektiv die Wende miterlebt und wahrgenommen hat. Erhalten habe ich einen schnöden (und teilweise sehr unglaubwürdigen) Augenzeugenbericht einer Person, die so wirkt, als wenn sie nur eine Abrechnung mit der Wiedervereinigung im Sinn hatte, um sich darüber aufzuregen, dass ihre Träume, die sie mit 17 hatte, zerplatzt sind. Dass sie dadurch aber die Möglichkeit hatte, in London und Hamburg zu arbeiten und zu leben, wirkt nur wie eine Randnotiz. Gleichzeitig dachte ich, dass hier ein Beitrag zum NSU geleistet wird, wie und warum dieser möglich gewesen ist. Aber nein, ich erhielt eine Geschichte über das Abdriften in eine missionierende Freikirchen-Sekte. Am Ende erhielt Frau Rennefanz ihr Happy End - Familienkontakt, Job, im alten Osten gefeiertes Buch Während des gesamten Lesens blieb aber immer wieder ein Nachgeschmack: Versucht sich die Autorin wirklich den NSU und seine Taten zu relativieren? Die einen rutschen in die Freikirchen ab, die anderen in die Neonazi-Szene....ups...da hatte wohl jemand etwas mehr Glück, als jemand anderes. Hier wird immer wieder verharmlost und kaum Kritik geübt (der NSU taucht außerhalb des Pro- und Epilogs das erste Mal auf Seite 100 auf und dann an vier weiteren Stellen). Ja, der Osten hat nicht die Wiedervereinigung erhalten, die er verdient und benötigt hätte! Aber dieses Buch ist kein Beitrag, um diesen zu bringen. Dieses Buch treibt nur einen weiteren Keil in die neuen und alten Bundesländer und sorgt letztlich für eine weitere Polarisierung Mein Eindruck: Die Autorin wollte Aufmerksamkeit für ihre eigene Lebensgeschichte, die sie unbedingt erzählen wollte, fand aber keinen Aufhänger. Die Morde des NSU boten ihr diesen.

Eisenkinder
Eisenkinderby Sabine Rennefanzbtb