
Deutscher Buchpreis 2012
Dieses Buch ist tatsächlich gehypt 🤭, auch wenn es nicht so aussieht und vom Inhalt her nicht so rüberkommt. Das war mein erstes Buch von Ursula Krechel und darum geht es: Richard Kornitzer ist Richter und muss vor den Nazis nach Havanna flüchten. Als er 1947 zurückkehrt, hat sich sein Leben komplett verändert und seine alte Heimat will ihn eigentlich gar nicht mehr haben. Ich finde das Buch sehr lesenswert, auch wenn es einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Das Thema ist wichtig und die Autorin hat einen zwar eher distanzierten, aber dennoch einnehmenden Schreibstil. Es gab keine Seite, auf der ich nicht weiterlesen wollte. Die Geschichte entfaltet sich insgesamt aber anders als man evtl. erwartet. Die größte „Ungereimtheit“ in meiner Gefühlswelt (nicht im Buch) war, dass ich erwartet hatte, mit Richard mitzuleiden und dass er mir automatisch (als klares Opfer der Nationalsozialismus) sympathisch sein und ich mit ihm Mitgefühl haben würde. Dem war nur bedingt so, also Mitgefühl natürlich schon, aber Frau Krechel hat ihren Protagonisten schwer zugänglich gezeichnet und ihn Dinge tun lassen, die ihn nicht so toll dastehen lassen. Das klingt etwas komisch, weil ich nichts spoilern möchte. Findet es gern selbst heraus. Etwas kritisch / übertrieben fand ich die Aussagen der Autorin selbst bzgl. dessen was sie mit dem Buch vorhatte. Das ist wohl nämlich die größte Frage, die am Ende offen bleibt. Für wen ist das Buch? Sie sagte wohl, es wäre eine Wiedergutmachung, was schon etwas hoch gegriffen ist. Eine einzelne Person kann das gar nicht leisten. Viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Deshalb mag ich solche Bücher sehr gern. Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️





