16. Juli
Rating:3

Was, wenn die größte Angst nicht die vor der Liebe ist, sondern die davor, sich selbst zu begegnen?

Mit dieser Frage wirft uns Anne B. Ragde mitten hinein in 'Die Liebesangst'. Die Norwegerin Inguun steht hier als Antiheldin im Mittelpunkt. Sie kämpft sich durch eine intensive innere Entwicklung - mit wechselnden Bettgenossen. Zwischen Zynismus, Sehnsucht und Selbstsabotage sucht sie nach einem Zugang zu Nähe und stolpert dabei über ihre ganz eigene Angst vor der Liebe. Der Schreibstil ist flüssig, präzise und oft gut pointiert. Das Buch liest sich leicht weg - trotz der durchaus schweren Themen. Besonders spannend fand ich, dass nicht der klassische bindungsgestörte Mann im Zentrum steht, sondern eine Frau, deren Entwicklung glaubwürdig und eindrucksvoll erzählt wird. Auf dem Cover warnte ein Sticker: „Man sollte nicht prüde sein.“ Da das Buch allerdings noch vor Fifty Shades of Grey erschien...nun ja...sind wir inzwischen ganz andere Einblicke gewohnt #spice. Ich bin eigentlich niemand, dem Triggerwarnungen wichtig sind. Doch hier wären sie mehr als gerechtfertigt gewesen. Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Geschlechtskrankheiten sowie Alkohol- und Medikamentenmissbrauch werden erschreckend beiläufig und geringschätzig behandelt. Vermutlich klingt in allem ein zynischer Unterton mit, aber diesen Ton kann ich in Verbindung mit solchen Themen nicht gut akzeptieren. Auch die derbe Ausdrucksweise der Protagonistin war für meinen Geschmack teils zu grob. Wer gern tief in die Abgründe einer emotional komplizierten Figur eintaucht und dabei ein paar raue Töne aushält, findet in 'Die Liebesangst' definitiv ein Buch, das beschäftigt - aber eben nicht ohne Vorwarnung.

Die Liebesangst
Die Liebesangstby Anne B. Ragdebtb