Roman über eine perfide Rache
Antoinette steht an der Schwelle zum Erwachsenenwerden und in ihr schlummert ein Sehnen, dass sie nicht recht in Worte fassen kann. Sie möchte dabeisein, dazugehören, als Frau wahrgenommen werden und die erste Liebe erfahren. Stattdessen behandeln sie ihre Eltern noch immer als Kind, schicken sie abends um neun zu Bett und übergehen sie als Teil der Familie. Antoinette ist wütend! Zunehmend sieht sie ihre Eltern in kritischem Licht. Sie bemerkt besonders bei ihrer Mutter die affektierte Art und die Koketterie, mit der sie gefallen will. Die Eltern sind neureich und bemühen sich, ihre einfache Herkunft zu verbergen. Als sie einen Ball planen, zu der sie die Creme de la Creme der Pariser Gesellschaft einladen, sinnt Antoinette auf Rache... Irene Nemirovskys Familie floh während der Russischen Revolution nach Paris und kam dort zu Wohlstand, so dass die Novelle autobiographischen Züge tragen dürfte. Das Büchlein ist eines meiner Lieblinge und beschreibt die Konkurrenz von Mutter und Tochter, von Kommen und Gehen sowie den überschäumenden dualen Gefühlen während der Pubertät wie Wut und Rache sowie Überlegenheit und Scham. "Das war die Sekunde, der kaum wahrnehmbare, flüchtige Augenblick, in dem ihre Lebenswege sich kreuzten. Die eine stieg aufwärts, während die andere im Schatten versank."
