So schade , dass dieser großartige Roman kaum einen Beitrag hat ! Obwohl meine Lektüre ( immerhin die 2.) bereits einige Jahre her ist , möchte ich dazu einige Worte verlieren: Der Roman „Vienna“ von Eva Menasse ist weit mehr als eine Familiengeschichte: Er ist eine literarische Untersuchung von Identität unter den Bedingungen von Verfolgung, Exil und historischer Verdrängung. Ausgangspunkt ist die Biografie von Hans Menasse, dem Vater der Autorin, der als Sohn einer Katholikin und eines Juden wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg in Wien geboren wird. Seine Kindheit wird jäh unterbrochen durch die nationalsozialistische Verfolgung. Er überlebt dank eines Kindertransports nach England .Nach dem Krieg kehrt er als Jugendlicher in ein Land zurück, das sich seiner Verantwortung nur zögerlich stellt. Zentral verhandelt der Roman die Frage: Was macht unsere Identität aus – das, was wir selbst über uns denken, oder das, was andere in uns sehen? Der Roman zeigt, wie sehr das Selbst von äußeren Zuschreibungen beeinflusst wird – und wie schwierig es ist, sich von ihnen zu lösen. Eva Menasse erzählt diese Geschichte in einer klaren, präzisen Sprache, die bewusst auf Pathos verzichtet. Ihre sachliche, stellenweise lakonische Erzählweise erzeugt eine besondere Intensität: Das Grauen der historischen Ereignisse wird nicht dramatisch ausgeschmückt, sondern erscheint gerade durch seine nüchterne Darstellung umso eindringlicher. Zwischen dokumentarischer Genauigkeit und leiser Ironie entsteht ein Ton, der Distanz wahrt und dennoch persönliche Betroffenheit spürbar macht.
1. MärzMar 1, 2026
Viennaby Eva Menassebtb


