Psychopathen - So stelle ich mir ihre Gedanken vor
Buch ist aus einem Bücherschrank. Ich fand es von Anfang an krass. Auch wie über sterben und morden geredet wird. Man würde die Person ja erlösen. Eine Leiche hat einfach bei einem Geburtstag teilgenommen. Ich kann den Krimipreis verstehen und fand es nur kurzzeitig ziehend. Das Buch hat 300 Seiten und liest sich eigentlich sehr flüssig sonst. Harz ist das Innere vom Baum. Wird im Buch mit menschlichem Blut verglichen. Das Buch muss man erstmal verarbeiten 😅Diese Schreibweise🙈 Kann es nur empfehlen, wenn man mal zumindest in Deutschland keinen bekannten Autoren lesen möchte👍 Eine eigene Schreibweise, die an niemanden erinnert. Auch die Geschichte war für mich neu👍
Mir hat die Geschichte immer wieder Gänsehaut erzeugt. Ich konnte mir die ganze „kranke“ Umgebung sehr gut vorstellen. Ich fand die Erzählperspektive sehr gut gewählt.
Kein typischer Thriller aber dennoch erschreckend. ⠀⠀
Liv ist sechs Jahre alt und erzählt ihre Geschichte.
Ihre Familie ist anders als andere. Sie wohnen isoliert auf dem Kopf der Insel.
Die Liebe und Ängste eines Vaters die völlig ausarten.
Diese Familiengeschichte ist absolut erschreckend und verstörend. ⠀⠀
Die Autorin hat es geschafft, ein klares Bild jeden Charakters zu erschaffen. Alles wirkt echt und lebendig.
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Eine Tragödie, die so bildhaft beschrieben wird, dass man fast schon Gänsehaut bekommt.
Ein ganz anderer Thriller, der ohne Ermittler und Serienmörder auskommt. ⠀⠀
Ein tolles Buch, das mich bis zur letzten Seite staunen ließ.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und verständlich.
Das Buch lässt sich in einem Rutsch durchlesen.
„Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat“. Schon der erste Satz von Ane Riels Thriller „Harz“ ließ mich erschrocken blinzeln. Ebenso verstörend geht die Geschichte weiter. Die 6-jährige Liv lebt mit ihren Eltern abseits vom Dorf in einem Haus mitten im Wald. Damit sie nicht in die Schule muss, wurde sie von ihren Eltern tot gemeldet.
Für Liv scheint dies nicht weiter sonderbar zu sein. Sie erzählt mit einer Selbstverständlichkeit von nächtlichen Raubzügen mit ihren Vater und ihrer Wohnsituation, dass man Gänsehaut davon bekommt.
In Rückblicken wechselt die Erzählperspektive zu Livs Vater Jens. Dieser Teil las sich nicht ganz so spannend und hatte einige Längen. Trotzdem ist es für die Handlung wichtig zu sehen, dass auch Jens einst eine ganz normale Kindheit und Jugend hatte, bis alles aus dem Ruder lief.
Die Leserstimme auf dem Einband beschreibt es eigentlich ganz gut. Man sympathisiert mit jedem Charakter. Niemand in diesem Buch agiert aus Bösartigkeit. „Harz“ ist vor allem eine Charakterstudie. Was passiert mit Menschen, die in völliger Isolation leben? Abgeschnitten von jeglichen Informationsquellen, Freunden, Input von anderen Personen...
Im Falle der Familie Harder führt diese selbstgewählte Lebenssituation zu einem immer größeren Realitätsverlust und einer zunehmenden Ausprägung von Ängsten und irrationalem Verhalten.
Ane Riel gelingt es, das Leben der Familie sehr real zu beschreiben, so dass einem bei der Vorstellung von all dem Gerümpel, Dreck und Gestank das Grausen kommt.
Der Dreh- und Angelpunkt dieses Buches sind die Kapitel aus Livs Sicht. Sie ist größtenteils ahnungslos, wie bizarr ihre Lebenssituation ist, da es für sie Normalität geworden ist. Für ihr Alter ist sie überraschend erwachsen und pragmatisch. In gewisser Weise sogar mehr als ihre Eltern.
Etwas befremdlich fand ich die Darstellung der Dorfbewohner, da die Kapitel aus Sicht des Gastwirts kindlicher geschrieben waren als die aus Livs Perspektive.
Analog zum ersten Satz des Buches gelang es Ane Riel auch den letzten Satz als absoluten Schocker zu formulieren, der mich direkt einen Moment lang sprachlos zurück ließ.
„Harz“ war für nicht wirklich ein Thriller, da sich die Spannung in Grenzen hielt, aber ich empfand eine bizarre Faszination, mehr über diese Familie herauszufinden.
Die Geschichte war anders als ich es erwartet hatte, jedoch in jedem Fall originell und hebt sich somit von den Büchern ab, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Liv wächst sehr abgeschieden auf einem Stück Land auf, welches nur ihre Familie bewirtschaftet.
Ihr Vater sammelt alle möglichen Dinge, lässt den Hof verwahrlosen und kapselt sich immer mehr ab.
Mit 6 Jahren lässt er Liv für tot erklären, da er Angst hat sie zu verlieren. Das Mädchen lebt vortan und einem Container auf dem Hof. Ihre Moralvorstellungen werden vom Vater geprägt und so erlernt sie viele Dinge ganz anders als andere Kinder.
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Dieses Buch wurde mir von der Übersetzerin desselbigen Julia Gschwilm empfohlen nachdem ich „Biest“ gelesen hatte und sie hatte Recht. Es ist keine leichte Kost, aber unglaublich gut.
Die Geschichte wird als Thriller deklariert, aber ich würde sagen es ist eher eine sehr ausgereifte Darstellung einer Familientragödie.
Riel‘s Schreibstil ist wahnsinnig gut zu lesen. Es entstehen sofort Bilder im Kopf, auch wenn diese nicht immer schön sind. Auch Beschreibungen von Gerüchen werden sehr intensiv ausgestaltet.
Die Ausgestaltung der Charaktere ist unglaublich tief und auch wenn man weiß, dass diese falsch handeln, entsteht ein Mitgefühl das seines gleichen sucht. Der Vater bspw. begeht Verbrechen aus Liebe und einer tiefen Angst heraus und trotzdem wird ein gewisses Verständnis erzeugt. Liv wächst mit vielen falschen Konzepten vom Leben und vom Miteinander auf, muss viele Dinge ertragen und mit ansehen und stellt diese einfach absolut gar nicht in Frage, da in ihrem Verständnis natürlich der Vater recht hat. So denkt sie bspw. das es Nachts ok ist zu töten, da die Dunkelheit den Schmerz nimmt, eine fatale Fehleinschätzung, die ihre soziale Entwicklung massiv beeinträchtigt. Auch das Festhalten an allen Dingen, die Unmöglichkeit etwas wegzuwerfen oder aufzuräumen wird ihr durch den Vater beigebracht. Ihr wird eine natürliche Angst vor Menschen anerzogen, die dazu führt, dass sie sich bei dem kleinsten Anzeichen versteckt. Es wird vorgelebt das Diebstahl ok ist, wenn man sich nur das nimmt, was man wirklich benötigt.
Ich fand es unglaublich erdrückend, aber auch spannend zu lesen, wie die Katastrophe auf ihren Höhepunkt zusteuert. Dabei geht die Autorin keinesfalls mit Effekthascherei ans Werk. Die Geschichte wird im Gegenteil sehr ruhig erzählt, was einen tollen Kontrast zu der Handlung schafft.
Im Fazit ein wirklich beeindruckendes Buch das Ane Riel hier geschrieben hat, welches noch lange nachwirkt.
Sehr große Empfehlung von mir
Ein Thriller mal ganz anderes
Worum geht es?
Auf einem kleinen Teil einer Insel, der ‚Kopf‘ genannt wird, lebt eine junge Familie. Der Vater namens Jens hat den Schreinereibetrieb seines Vaters übernommen und führt im ehemaligen Elternhaus mit seiner Frau Maria und seiner kleinen Tochter Liv ein zurückgezogenes Leben. Fast autark wohnt dort die kleine Familie, den sie haben im Grunde alles, was sie zum eigenen Überleben brauchen. Da die restlichen Bewohner der Insel Jens für einen wortkargen, introvertierten und etwas befremdlichen Mann halten, bleiben sie ihm fern. Jens hat eine besondere Beziehung zur Gegenständen und eine eigene Sicht auf die Welt und die Natur. Besonders die Tannen und ihr Harz üben auf ihn eine Faszination aus, den dieser klebrige Saft hat die Eigenschaft Dinge zu speichern und zu bewahren – ebenso wie Jens manischen Drang verspürt, Gegenstände zu sammeln, zu horten und sich nicht von ihnen trennen zu können. Und dieser Drang entwickelt sich nicht nur zu einer psychischen Obsession, sondern zu einem langsam heranschleichenden Grauen.
Meine Meinung zum Buch:
„Harz“ ist ein ganz besonderes Buch und behandelt das Thema der Verlustangst und das ‚Nichtloslassen-Können‘. Die Geschichte entwickelt sich langsam und gleicht eher einem durch traurige und tragische Elemente gekennzeichnetem Familiendrama, als einem Thriller.
Die Besonderheit dieses Romans liegt in der Weltvorstellung des Vaters Jens und seine befremdliche Beziehung zu Objekten sowie sein schon manischer Wunsch alles krampfhaft festzuhalten. Der Leser erhält eine sehr intensive Darstellung dieser Welt- und Wertvorstellung, die insbesondere auf Jens kleine Tochter Liv abfärbt. Durch ihre kindliche und unschuldigen Augen kann die schleichende Verwahrlosung und die katastrophalen Lebenszustände nur erahnt werden.
Der eigentliche Thrill und der wahre Schrecken enthüllt die Geschichte erst durch den Wechsel der Erzählperspektive. Hier zeigt der Roman seine wahre Stärke und hat mir nicht nur eine Gänsehaut beschert, sondern den einen oder anderen Moment der Abartigkeit und des puren Ekels.
„Harz“ ist kein Roman der lauten Worte, sondern eine traurige Familiengeschichte, die erst mit der Zeit sein Potenzial entfaltet und in der Klimax das Schreckliche und Grauenhafte offenbart.
Trotz eines eher ruhig gestalteten Anfangs, der für einige Leser möglicherweise zu gemächlich für einen Thriller verläuft, hat mich insbesondere der Schluss und die narrative Raffinesse des Romans überzeugt.
Daher kann ich diesem Roman voll verdiente 4 Sterne vergeben.
Ein kurzer Hinweis: der Klappentext lässt es klingen, als sei Liv den ganzen Tag eingesperrt in ihren Container. Tatsächlich darf sie diesen durchaus verlassen und ist nur darauf trainiert, sich dabei nicht sehen zu lassen und sich sofort in den Container zurückzuziehen, sobald Entdeckung durch einen Außenstehenden droht.
Genre:
Meines Erachtens ist dies ist kein klassischer Krimi oder Thriller, sondern eher ein zutiefst verstörendes Familiendrama, das sich gekonnt über Genregrenzen hinwegsetzt.
Spannungsbogen:
Das Buch entwickelt jedoch eine ungemeine Spannung – eine düstere Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Man schaudert, man ekelt sich, man wird geschüttelt von Grauen und Mitleid, aber man kann das Buch kaum einmal weglegen. Das erklärt wohl, warum Ane Riel für diesen Nicht-Krimi den dänischen, norwegischen und schwedischen Krimipreis erhielt, sowie den Preis für den besten Kriminalroman Skandinaviens insgesamt.
Charaktere:
Der Familienvater fällt durchs Raster und reißt Frau und Tochter mit sich in den Abgrund. Da blutete mir das Herz, nicht nur für die unschuldige kleine Liv, sondern auch für ihn selbst. Er ist nicht hassenswert, obwohl er furchtbare Dinge tut, denn er ist nicht böse, sondern motiviert von Angst und Leid – und fehlgeleiteter Liebe, die dennoch tief und wahrhaftig ist. Seine Obsession entsteht aus dem verzweifelten Versuch, das zu beschützen und festzuhalten, was ihm wichtig ist.
Überhaupt ist Liebe der treibende Faktor für alle wichtigen Charaktere, und so kann man nicht umhin, mit ihnen mitzufühlen und mitzuleiden.
Einen Großteil der Geschichte erlebt man aus Sicht von Liv, für die ihr alles andere als normales Leben eben doch die Normalität ist. Alles ganz logisch und richtig. Von ihrem Vater lernt sie, Tiere zu töten, in fremde Häuser einzubrechen und zu stehlen, ohne das geringste Unrechtsbewusstsein. Kleine Kinder akzeptieren die Welt noch, die ihnen ihre Eltern vorgeben, ohne dies zu hinterfragen. Da beschleicht den Leser schon ein mehr als ungutes Gefühl, aber das wahre Grauen bricht erst über einen herein, sobald Außenstehende den Mikrokosmos der Familie betreten.
Schlüssigkeit und Wirkung:
Es ist ein geschickter Schachzug der Autorin, sie zu Wort kommen zu lassen: Den neugierigen Postbote, der nur deshalb die Grenzen austestet, um etwas zum Tratschen zu haben. Den Wirt der Dorfkneipe, der aus ehrlicher Besorgnis um das Kind handelt, das er dabei beobachtet hat, wie es des Nachts Lebensmittel und andere Dinge stiehlt.
Auf einmal sieht und hört und riecht und schmeckt man schonungslos, was bisher nur zu erahnen war, weichgezeichnet durch den Filter der vermeintlichen Normalität.
Weg mit dem Filter, weg mit der Normalität, da rascheln die Ratten, stinkt es nach Blut und Urin, wimmert die Mutter, da stürzt man in ein ganz tiefes Loch, wie Alice in den Kaninchenbau… Nur das unten kein Wunderland wartet. Das ist entsetzlich, grauenhaft, ekelhaft, schauderhaft, da schüttelt es einen geradezu. Und das, ohne dass die Autorin auf billige Effekthascherei zurückgreift.
Schreibstil:
Die Autorin setzt den Schreibstil meisterhaft ein. Die klare und oft schlichte, fast nüchterne Sprache lässt umso deutlicher hervortreten, was in dieser Familie alles schiefläuft. In anderen Szenen baut sie mit prägnanten Bildern eine dichte Atmosphäre auf – besonders in den Passagen des Buches, in denen man die Geschehnisse aus den Außen der Außenstehenden sieht.
FAZIT
Ein kleines Mädchen ertrinkt – angeblich. Tatsächlich hat ihr Vater das nur vorgetäuscht, um sie für tot erklären zu lassen und nicht in die Schule schicken zu müssen. Er handelt aus Liebe, aber was er erschafft, ist ein familiärer Albtraum, eine verkehrte Welt, die für seine Tochter ganz normal ist.
Obwohl das Buch meines Erachtens kein Psychothriller ist, sondern ein düsteres Familiendrama, fand ich es nervenzerfetzend hochspannend und werde noch lange darüber nachdenken. Die Autorin zieht alle Register, um unglaublich viel Atmosphäre zu erzeugen und Charaktere zu erschaffen, die sich einer einfachen Einteilung in gut oder böse entziehen.
Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-ane-riel-harz/
>>Du musst festhalten, was du liebst.
Ganz fest.<<
„Harz“ von Ane Riel ist ein ziemlicher düsterer Thriller, der thematisch ziemlich deutlich macht, wie weit Kontrolle und die Angst etwas verlieren zu können führen kann. Die Autorin ließ mich hier in Abgründe und eine ziemlich dunkle Verrücktheit eintauchen, die mich ziemlich beklommen zurück gelassen hat. Ich muss ehrlich sagen zu Beginn ging alles etwas schleppender voran, aber insbesondere das letzte Drittel des Buches bringt viel Spannung mit sich und zeigt vieles in einem klareren Licht. Besonders gelungen fand ich hier neben den sehr gut gezeichneten Protagonisten die Briefe von Maria, die mit eingebunden werden und nochmal verdeutlichen, wie sich die Lage bei den Haarders zuspitzt. Alles in allem ein wirklich gelungener Thriller, der aber erst im verlauf an Fahrt aufnimmt.