
Vielschichtiges, grandioses Sci-Fi Epos
Der lange Mars ist der dritte Teil der fünfbändigen Reihe von Terry Pratchett und Stephen Baxter – und man sollte die Vorgänger unbedingt gelesen haben, um diesen Band wirklich genießen zu können. Ich habe zwar fast einen Monat daran gesessen, das lag aber weniger am Buch selbst als vielmehr an meinen Mutterpflichten. Denn langweilig war es keine Sekunde. Die Geschichte lebt vom Perspektivenwechsel: Statt eines klassischen Einzelhelden entfaltet sich hier ein Panorama aus Figuren, jede mit eigener Stimme, eigenem Antrieb und genug Tiefe, dass man mit allen mitfiebert. Genau darin spürt man Pratchetts unverwechselbaren Einfluss – seine Fähigkeit, Charaktere so mühelos lebendig wirken zu lassen. Gleichzeitig ergänzt Baxter die Erzählung durch mathematische, physikalische und auch philosophische Überlegungen, die nie belehrend wirken, sondern flüssig und verständlich in die Handlung einfließen. Diese Mischung macht den Reiz der Reihe aus. Eigentlich hätte ich diesem Band fünf Sterne gegeben – so sehr haben mich Welt, Figuren und Ideen mitgerissen und zum Nachdenken angeregt. Einen halben Stern Abzug gibt es nur, weil die Bücher so eng miteinander verwoben sind. Viele Details und Referenzen greifen so tief ineinander, dass man die Vorgänger am besten direkt davor gelesen haben sollte, um den vollen Genuss zu haben. Wer – wie ich – eine Pause zwischen den Bänden hat, wird merken, dass manches nicht mehr ganz präsent ist. Mein Tipp daher: Diese Reihe sollte man am besten in einem Rutsch lesen. Sie ist ursprünglich als Zweiteiler geplant gewesen, wurde dann aber zu einem Fünfteiler erweitert. Die Bände erschienen jährlich, aber beide Autoren hatten sie schon weitgehend fertig – was man auch merkt. Pratchetts Tod 2015 bedeutete zudem, dass er an den letzten Kapiteln des fünften Bandes nicht mehr mitwirkte. Trotzdem gilt: Der lange Mars ist ein großartiger, kluger und ungewöhnlich vielschichtiger Roman, der sowohl Kopf als auch Herz anspricht.

