12. Aug.
Rating:4

endlich mal ehrliche gedanken

ich war geschockt, als ich die bisherigen bewertungen gelesen habe. auch wenn ich das buch auf englisch gelesen habe und der schreibstil daher anders sein könnte, hat mich das buch total positiv überrascht. ja, der anfang und die prämisse sind absurd. die expliziten beschreibungen und gedanken zu einem mord sind verstörend. daher musste ich auch erstmal reinkommen. aber helen dabei zu begleiten und, so wenig ich sie auch verstehe, diese erfahrung mit ihr zu durchleben, hat mich sehr berührt. vor allem im letzten drittel wird das buch zudem super spannend und ich konnte es nicht aus der hand legen. tiefe einblicke in gedanken, die sich wohl niemand traut auszusprechen und in erfahrungen aus der kindheit oder aus dem umfeld, die man lieber vergessen möchte, jeder aber irgendwie selbst in abgewandelter form spürt. dabei rede ich nicht von mord! aber vielleicht rache, abhängigkeit, unsicherheit, ablehnung usw. themen, die oft verschönt oder gar ignoriert werden. SPOILER! Helen hat zwei erwachsene Töchter, ist seit 20 Jahren von ihrem Mann getrennt& arbeitet als Aktmodell in einer Kunstschule (das war etwas weird und unnötig?). Helen hatte eine enge Beziehung zu ihrem Vater, der verstorben ist. Bei einem Treppensturz. Wie wir nach und nach erfahren, war es kein Unfall. Helens Mutter ist pflegebedürftig und psychisch krank. Das Haus verlässt sie seit Jahren nur für Arztbesuche und mit Decken abgeschirmt. Helen pflegt sie. Als Helen sie eines Tages besucht und ihre Mutter sich einstuhlt, holt sie Handtücher um sie zu reinigen. Irgendwie hasst sie ihre Mutter. Sie tat ihr nie gut, ist vielleicht Schuld am Tot ihres Vaters? Helen erschlägt und erstickt sie mit den Handtüchern. Dann wird es krass. Ausführlich wird beschrieben, was Helen mit ihr macht. Ich war geschockt und hätte das Buch fast abgebrochen. Aber die gedanklichen Ausflüge in ihre Gedanken und ihre Erinnerungen haben mich emotional aufgewühlt und Interesse geweckt. Helen beichtet ihr Exmann nach Jahren der Funkstille die Tat. Er steigt in den Flieger und steht morgens um 5 bei ihr vor der Tür. Sie überlegen sich ein Alibi und fahren zum Haus der Mutter, wo unerwarteterweise schon ein Krankenwagen steht. Helen hat nicht ansatzweise versucht Spuren zu verwischen. Im Gegenteil. Die Befragung der Polizei geht los und Helen und ihr gesamtes Umfeld müssen Entscheidungen treffen, abwägen und endlich mal die totgeschwiegen Themen hervorholen. Auch wenn manche Erzählstränge, wie das mit ihrem Job, mit Hamish, mit den Nachbarn ihrer Mutter und den Puppen ihres Vaters super wahrlos und total abstrus sind, erklären sie Helens Art ein bisschen. Ich konnte Helen selten verstehen und kann sie nicht leiden, aber genau das hat die Geschichte für mich ausgemacht. Ich bin sehr betroffen und der Spannungsbogen am Ende war krass!

Das Gesicht des Mondes
Das Gesicht des Mondesby Alice SeboldManhattan
8. Juni
Rating:4

Ein sehr verstörendes Buch. Klar, man weiß schon dank Klappentext was passiert, aber das es zu Anfang passiert und wie, fand ich echt hart. Man kann die Beweggründe ein wenig nachvollziehen, schließlich war ihr Leben nie leicht & psychische Probleme liegen in der Familie. Trotzallem ist es ihre Mutter gewesen... Was ich einerseits spannend, andererseits fies finde, ist wie schon bei „In meinem Himmel“, das sie nie ein richtiges Ende schreibt & somit immer ein wenig Geheimnis übrig bleibt... Was geschieht mit Helen... Platz für die eigene Fantasie.

Das Gesicht des Mondes
Das Gesicht des Mondesby Alice SeboldManhattan