
Jan-Erik Fjell gehört zu den Autoren, deren Bücher ich besonders schätze. Seine Thriller sind nicht nur spannend, sondern zeichnen sich auch durch viel Tiefe aus und greifen oft gesellschaftspolitische Themen auf. Kälteeinbruch ist der 2. Band der Anton-Brekke-Reihe. Die deutsche Erscheinungsfolge der Bücher hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Trotzdem fällt der Einstieg leicht, und das Buch funktioniert auch ohne chronologische Reihenfolge gut. Die Geschichte entfaltet eine dichte, düstere Stimmung, die von der kargen Winterlandschaft Norwegens getragen wird. Gleich zu Beginn trifft man auf einen Kleinkriminellen, eine abgelegene Hütte und einen versiegelten Laster. Das Auftauchen von zwei verängstigten Kindern lässt sofort erahnen, dass die Handlung komplex und emotional fordernd sein wird. Parallel dazu folgt man Kommissar Anton Brekke bei der Aufklärung eines brutalen Mordfalls. Fjells Schreibweise ist ruhig und klar, dabei aber intensiv. Die Figuren wirken glaubwürdig, jeder ist mit eigenen Schwächen und inneren Konflikten ausgestattet. Brekke selbst ist ein untypischer Ermittler, aber gerade wegen seiner Makel schließt man ihn schnell ins Herz. Die Handlungsstränge entwickeln sich zunächst unabhängig voneinander, verbinden sich jedoch nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild. Die Spannung entsteht nicht durch hektische Actionszenen, sondern durch ein langsames, kontinuierliches Zusammentreffen der Ereignisse. Szenen, die die Kinder betreffen, sind besonders eindringlich und emotional belastend. Am Ende fügt sich alles logisch zusammen und hinterlässt einen starken Eindruck. Fjell schafft es erneut, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, die Figuren differenziert zu zeichnen und gesellschaftliche Themen einzubringen, ohne dass die Spannung leidet. Für mich ist auch dieser Band eine klare Leseempfehlung. Zum Schluss noch ein Auszug aus dem Nachwort des Autors: "Bei einem Thema wie diesem vermag sich die Fantasie nicht annähernd auszumalen, wie grotesk die Realität letztlich ist"



