
Mal was ganz anderes
Vorneweg muss ich gestehen, dass es mich am Ende nochmal ziemlich fasziniert hat zu erfahren, dass nicht nur Antonio Canal (Canaletto) ein realer Maler war, sondern tatsächlich ein Gemälde vom Rio dei Mendicanti existiert und darauf auch eine dreier Männergruppe zu erkennen ist, wovon einer ockerfarben trägt. --- Ich hatte von dem Buch völlig andere Erwartungen und bin auch komplett ahnungslos in die Geschichte gestartet. Die Handlung spielt im Winter ab, was etwas verwirrend ist, da man Venedig in erster Linie mit Wärme verbindet - die Jahreszeit spielt aber eigentlich keine Rolle für die Geschichte. Das Buch ist wirklich sehr italienisch. Es war nicht der Vibe von >Bella Italia< beim Lesen, sondern unzählige italienische Begrifflichkeiten und Beschreibungen die für Außenstehende erstmal schwierig zu verarbeiten und merken sind. Für Fans ist das sehr gut, für einen Leser der einfach bloß italienische Vibes haben will, ein bisschen überfordernd. Wer aber schon mal in Venedig und auch Murano war, kann sich trotzdem sehr gut in das Setting hinein versetzen und man bekommt auch direkt Lust, nochmal nach Venedig zu reisen und diese Pracht zu genießen. Am Anfang viel es mir ziemlich schwer in die Geschichte zu starten. Sie schien sprunghaft, ohne eine gemütliche Anfahrt. Die italienischen Begrifflichkeiten haben das alles nicht leichter gemacht. Auch war es zu Beginn schwer, die ganzen verschiedenen Personen inklusive ihrer Titel aufzunehmen. Die Grundidee der Geschichte ist sehr interessant und eigen: Ein Maler der vom Dogen mit einer Ermittlung beauftragt wird. Denn im Endeffekt, würde man nie einen Maler verdächtigen - was auch stimmt. Die Geschichte mit Antonio ist sehr interessant, aber das Buch entwickelt sich auf gewisse Weise doch in eine völlig andere Richtung. Ich für meinen Geschmack hätte es gerne düsterer, rätselhafter, spannender und aufbauender gehabt, aber so, wie die Geschichte im Endeffekt ist und geschrieben ist, war das Buch auch ganz gut. Was absolut nicht mein Thema war (den Anmerkungen und der Bezeichnung "historischer Kriminalroman" nach aber dazugehörend), war die Geschichte mit den Juden. Prinzipiell hätte der Roman auch anders funktioniert, weil es aber zur Historie gehört, war das nun mal Thema. Das Buch hat im Grunde genommen ein offenes Ende, bzw. kann man bei diesem Ende auf einen Folgeteil hoffen. Olaf Teufel ist entkommen und möchte sich an Antonio rächen. Und auch ist offen, wer die adelige Dame ist die Antonio gebeten hatte, ihren Mann in ockerfarbener Kleidung hinterher zu spionieren. Die Geschichte hat mit einem Gemälde begonnen und endet (wie man es vom Titel erahnen kann) in einer Verschwörung. Da ich den Schreibstil und den ganzen Flair vom Buch grundsätzlich ziemlich gut fand (auch wenn die Geschichte hin und wieder nicht ganz meinen Geschmack getroffen hatte) würde ich definitiv potentielle Folgebänder lesen. Das Buch hat sich stark auf die Handlung und Venedig im Allgemeinen fokussiert und man hatte beim Lesen nicht das unangenehme Gefühl 300 Jahre in die Vergangenheit zurück geworfen zu werden. Nach diesem Buch sind die weiteren Werke von Matteo Strukul eine Überlegung wert, auch wenn diese lediglich historische Romane sind. Das italienische Ambiente ist eine nette Abwechslung und der Schreibstil war ganz angenehm und fokussiert.


