Wunderschönes Norwegen-Setting, aber leider zu langatmig und erst spät richtig spannend.
Bo lebt ein scheinbar perfektes Leben: Gemeinsam mit ihrem Verlobten Zac und ihrem besten Freund Lenny betreibt sie einen erfolgreichen Social-Media-Account, der sie an die schönsten Orte der Welt führt. Für ein neues Projekt reisen sie nach Norwegen, wo sie auf einer abgelegenen Alm übernachten und Content produzieren sollen. Doch fernab von Komfort und Routine beginnt Bo zu hinterfragen, ob dieses Leben wirklich noch ihres ist. Während sich Spannungen innerhalb der Gruppe aufbauen, treten auch Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht – und Bo muss sich entscheiden, welchen Weg sie wirklich gehen will. Die Stimmung im Buch ist von Anfang an sehr atmosphärisch. Das Setting in Norwegen, besonders rund um Ålesund und die verschneiten Landschaften, ist wunderschön beschrieben und hat mir richtig gut gefallen – gerade weil ich selbst schon dort war. Man fühlt sich beim Lesen fast selbst wie eingeschneit, mitten in der Natur. Allerdings hatte ich große Probleme mit den Charakteren, vor allem mit Zac und Lenny. Ihr Verhalten gegenüber Bo war oft respektlos und egoistisch, und ich konnte absolut nicht nachvollziehen, warum sie sich so lange alles gefallen lässt. Gerade das Thema Social Media wird hier sehr kritisch dargestellt – teilweise auch zurecht, aber oft wirkte es eher frustrierend, weil Bo ihre eigenen Grenzen nicht klar genug setzt. Sie weiß eigentlich, was sie will, spricht es aber viel zu selten aus und steht lange nicht für sich selbst ein. Erst sehr spät im Buch merkt man eine wirkliche Entwicklung bei ihr. Zwar ist es schön zu sehen, dass sie am Ende Entscheidungen für sich trifft, aber das passiert alles sehr plötzlich und auf den letzten Seiten. Die Entwicklung hätte ich mir deutlich früher und vor allem schrittweiser gewünscht. Die Geschichte bekommt im letzten Drittel zusätzlich einen spannenderen, fast schon thrillerartigen Aspekt, der zwar für mehr Tempo sorgt, sich für mich aber nicht ganz stimmig in die restliche Handlung eingefügt hat. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass zu viele Themen in zu kurzer Zeit abgehandelt werden. Besonders gut gefallen haben mir hingegen die Kapitel aus der Vergangenheit rund um Signy. Diese waren für mich oft interessanter als die Gegenwart und haben dem Buch eine ganz eigene Tiefe gegeben. Auch Anders als Figur mochte ich sehr – er bildet einen starken Kontrast zu Zac und Lenny und bringt eine ruhigere, ehrlichere Dynamik in die Geschichte. Trotz einzelner starker Momente hat sich das Buch für mich insgesamt zu lang gezogen. Erst im letzten Viertel wurde es wirklich spannend, davor fehlte mir oft der rote Faden und die Entwicklung. Fazit: Ein atmosphärisch starkes Wintersetting mit interessanten Ansätzen, aber schwachen Figurenentscheidungen und einer zu spät einsetzenden Entwicklung. Die Geschichte hatte viel Potenzial, konnte mich aber emotional nicht wirklich abholen.



































