Meine Meinung Allgemein Zuerst hatte ich so einige Startschwierigkeiten mit dem Buch. Der Schreibstil ist dem Inhalt etwas angepasst und vor allem am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Doch sobald man in die Hauptgeschichte reinrutscht, stellt dies kein Problem mehr da und ich konnte einen flüssigen Lesefluss genießen. Doch nach dem ersten 120 Seiten war ich schon etwas kritisch gestimmt. So gut wie alles, auf das dich der Klappentext vorbereitet, ist schon geschehen und mich wunderte es, was den jetzt noch - nebst Haithabus Untergang - passieren soll. Aber es sollte noch eine Menge geschehen. Beim ersten Kampf noch war ich skeptisch, weil man so gut wie nichts davon mitbekam, doch später im Buch kriegt man viele Denkweisen über Krieg und Strategie noch detailliert mit. Im Allgemeinen erfährt man sehr viel von der damaligen Zeit. Die Rollenverteilung und wie schnell sie sich ändern kann, das Aussehen der Dörfer, die Utensilien die damals benutzt wurden, wie man geschickt Kontakte nutzt, die Bauweisen. Martha Sophie Marcus hat sehr viel Recherche in das Buch fließen lassen und alles detailliert beschrieben. Auf 700 Seiten kann man sich ein wirklich nennenswerten kleines Wissen aneignen. Auch das Christentum hat eine enorm große Rolle in diesem Buch bekommen, was mir sehr positiv aufgefallen ist. Denn nicht nur der Kampf war eine große Rolle damals, sondern auch die Intrigen und die Macht der Kirche / des Glaubens. Ohne Rücksichtnahme wurde die Kirche immer wieder in den Vordergrund geschoben. Sie bemächtigten sich immer mehr und haben ganze Familien entzwei gerissen. Um den Spannungsbogen zu halten, lässt die Autorin sich viel einfallen, was sie vorher natürlich auch gut recherchiert hat. Ziemlich von Beginn an entstehen schon die ersten Fehden, die sich durch das komplette Buch ziehen und somit auch nochmal hier und da Spannung aufbringen. Das Ende fand ich auch sehr gut gestaltet. Es wurde nochmal über ein paar wenige Seiten eine andere Sichtweise eingefügt, die zeitraffend das endgültige Ende Haithabus beschreibt und soweit bleiben keine Fragen für mich offen. Charaktere Das Buch bietet unglaublich ausdrucksstarke Charaktere, die mir wirklich gut gefallen haben. Da das Buch über viele Jahre handelt, altern die Charaktere natürlich mit und somit verändert sich auch der Charakter. Durch Erlebtes beginnen die Charaktere anders zu Denken und zu Handeln und das fand ich sehr authentisch dargestellt. Nicht nur bei den Protagonisten musste ich das feststellen, auch bei Nebenfiguren, die immer mal wieder einen Auftritt bekommen haben, konnte man die ein oder andere Veränderung feststellen. Schreibstil & Sichtweise Am Anfang fand ich den Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig, da er sich natürlich allein schon der Handlungszeit entsprechend anpassen musste. Hier und da wirft die Autorin Begriffe der damaligen Zeit ein, doch soweit habe ich alle Begrifflichkeiten verstanden oder konnte sie nachschlagen. Viele Namen hat die Autorin allerdings aus der heutigen Zeit übernommen, um den Lesefluss nicht zu stören und die Ausgewogenheit hatte ein schönes Maß. Geschrieben wurde das Buch aus den Sichten von Ingunn und Jon in der dritten Person. Einer starken Handelsfrau, die ihrem Glauben treu bleibt und einem gerechten Strategen, der jedem Gerecht werden will, ohne seine Ehre zu verlieren. Cover & Titel Das Cover finde ich richtig schön und passend. So bekommt man schon ein kleine Bild für den Kopf von Haithabu. Auch der Titel ist passend gewählt und bezieht sich einerseits auf Ingunn, die eine enorme Rolle in Haithabu einnimmt, andererseits aber auch auf die "Stadt" Haithabu, welche einen großen Handelspunkt geboten hat und somit auch eine Herrin des Nordens ist. Zitat "Ich dachte, die Welt käme mir am Ort meiner Herkunft freundlicher vor. Aber der Krieg ist überall, und meine schlechten Träume sind es auch." - Seite 625 Fazit Ein starker historischer Roman, der überaus gut recherchiert wurde. Dennoch hatte ich einige Startschwierigkeiten und manche Passagen waren mir ein wenig zu langatmig. Trotzdem definitiv empfehlenswert, da es das Wissen um die damalige Zeit ein großes Stück erweitern kann.
„Herrin des Nordens“ ist ein Roman von Martha Sophie Marcus, der die wechselvolle Geschichte vom Untergang Heithabus und der Wikinger erzählt. Erschienen ist der Roman Mitte Januar 2016 im Goldmann-Verlag. Haithabu, 1044: Die Handelsstadt Haithabu ist der wichtigste Handelsplatz Nordeuropas, in dem Waren aus Skandinavien, England oder auch dem Land der Slawen umgeschlagen werden. Doch die Zeiten sollen sich ändern. Die Handelstochter Ingunn lebt hier zusammen mit Ihrer Familie und erlebt hautnah das Fortschreiten der Christianisierung und die Zerstörung ihrer Heimatstadt Haithabu mit. Mir hat dieser Roman aus der Feder von Martha Sophie Marcus sehr gut gefallen. Ich wurde in die Welt der Wikinger und ihrer alten Götter (Odin, Thor, Munin, Freya, etc.) entführt. Besonders die Einblicke in die alten Gebräuche und Sitten haben mir sehr gut gefallen. Ich habe hier viel Neues erfahren und war von einigen Bräuchen sehr angetan. Das Christentum kommt eher nicht so gut weg. Im Laufe des Buches konnte es sich dennoch immer mehr durchsetzen. Der Schreibstil der Autorin war sehr angenehm und flüssig zu lesen. Hier wurde eine gute Balance zwischen den überlieferten und modernen Begriffen gefunden. Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar mit den verwendeten ungewöhnlichen Begriffen und Ortsnamen sowie ein Personenverzeichnis und ein Nachwort. Das Personenverzeichnis und Glossar wird bereits vor dem Beginn der Geschichte erwähnt, was ich in diesem Fall eine gute Lösung fand. Man weiß, dass es eines gibt und kann bei Bedarf nachschlagen. Insgesamt konnte ich mir alles gut vorstellen und habe mit den Hauptprotagonisten mitgefiebert. Die Geschichte ist überwiegend sehr interessant und spannend geschrieben. In der Mitte hatte ich einen kleinen Hänger, weil mir hier die Liebesgeschichte doch ein wenig zu viel wurde. Hier hätte man sich meiner Meinung nach auch ein bisschen kürzer fassen können. Positiv hervorzuheben ist aber auf jeden Fall noch die sehr gute Recherchearbeit der Autorin, wodurch ein sehr authentisches Bild der Wikingerzeit entstanden ist. Es wurde sich sehr genau an die Überlieferungen und die historischen Gegebenheiten gehalten. Während der Leserunde zusammen mit der Autorin und auch im Nachwort gab es für meinen Geschmack auf jeden Fall nichts, wo ich sagen kann, das hätte man dann aber anders erzählen müssen und ich kann da manchmal recht pingelig sein. ;) Auch das Cover dieses Taschenbuches gefällt mir sehr gut und passt zum Inhalt des Buches. Es lohnt sich auf jeden Fall auch nochmal das echte Buch in die Hand zu nehmen, da hier viel Liebe zum Detail drin steckt. Fazit: Ein sehr gut recherchierter und spannend geschriebener Roman über das Ende der Wikingerzeit, den ich gerne weiterempfehle.

