Rechtzeitig zum Jahresende habe ich die Reihe um Leo Demidow beendet (Kind 44, Kolyma und nun Agent 6). Die Bücher leben stark von der Atmosphäre der Stalin-Ära: Angst, Denunziation, staatliche Gewalt. Die historische Genauigkeit mag nicht perfekt sein ist aber emotional und thematisch sehr wirkungsvoll. Die Figur Leo Demidow ist kein klassischer Held, sondern Täter und Opfer zugleich. Die Reihe stellt dabei immer wieder Fragen nach Schuld, Verantwortung und persönlicher Läuterung. Der Reiz liegt weniger in Action als in psychischem Druck und inneren Konflikten. Die Bücher zeigen eindrücklich, wie Ideologie Wahrheit ersetzt. Gerade Leser mit Interesse an Geschichte oder Totalitarismus dürften an der Reihe Gefallen finden. Wer hier reine Hochspannungs-Thriller mit einem Dauerfeuer an Cliffhangern erwartet dürfte eher enttäuscht sein

Ohne den Mittelteil, ein sehr starkes Buch...
Im Zuge der Reihenchallenge fehlte mir in der Leo-Demidow Reihe noch genau 1 Band und das war der hier. Der dritte Teil verspricht viel und schneidet auch bei anderen Bewertungen gut ab, also ran an den Speck. Ich musste mir allerdings nach den ersten Seiten noch einmal die Inhalte der Vorgänger im Detail durchlesen. Es war doch schon zu lange her und leichte Zusammenhänge haben mir hier wenig genützt, da man voll in die Handlung hineingeworfen wird. Moskau 1950: der amerikanische Sänger Jesse Austin ist als Freund des Kommunismus vom sowjetischen Regime in die Stadt eingeladen. Die Geheimpolizei hat alle Hände voll zu tun, die Makel eines fehlerhaften Systems zu verschleiern. Beinahe ruiniert der Agent Leo Demidow die gesamte Mission. Lediglich die schnelle Auffassungsgabe einer jungen Lehrerin rettet die riskante Situation. Der Besuch wird ein Erfolg. 15 Jahre später fliegen Leos Frau Raisa und ihre beiden Töchter in die USA. Die Reise ist eine propagandistische Sensation. Ein gemeinsames Konzert in New York soll die Welt von der Harmonie zwischen USA und UdSSR überzeugen. Während öffentlich Einigkeit zelebriert wird, entfaltet sich im Hintergrund eine gefährliche Intrige. In ihrem Mittelpunkt stehen Jesse Austin, das alternde Gesangstalent – und Leos Familie. Der Auftritt eskaliert zur Katastrophe. Leos Leben wird binnen eines Wimpernschlags zerstört. In tiefer Trauer schwört Leo, die Verantwortlichen zu finden. Es ist der Beginn einer jahrelangen Suche nach Rache, die ihn von Russland über Afghanistan bis nach New York führt, stets auf der Spur des Mannes, der ihm alles nahm, was ihm je etwas bedeutete: Agent 6. Wie in den ersten beiden Teilen, so ist auch dieser Thriller in einer ganz anderen Kategorie einzuordnen. In den Vorgängern wurde bereits viel Liebe zum Detail bezüglich der Persönlichkeit des Protagonisten Leos bewiesen. Durch die gesamte Trilogie zieht sich somit ein roter Faden der persönlichen Entwicklung des Charakters, sodass man Leo kennenlernt und seine Handlungen zunehmend nachvollziehen kann. Es ist etwas schade, dass man keinen klaren roten Faden durch das Buch hinweg beobachten kann. Die Einleitung ist definitiv gut gelungen und ganz im Stil der Vorgänger und ich mochte es mit Leo die Kennenlern-Geschichte zu Raisa zu erleben. Aus den Vorgängern weiß man ja das die Ehe einige Hürden zu überstehen hat, aber auch das Kennenlernen hatte seine Tücken. Den Mittelteil hätte man sich sparen können. Nicht nur, dass der geprägt von Selbstmitleid und Trauer ist, auch finde ich den Schwenk nach Afghanistan nicht so gelungen. Ich lese die Bücher so gerne wegen der detaillierten Darstellung von Russland in dieser Zeit und finde Reisen in andere Länder an der Stelle schwierig. Auch wie gut hier wieder recherchiert wurde und die Umstände 1950 in Szenen gesetzt wurden. Gerade am Anfang mit dem Besuch von Austin in dem Supermarkt, musste ich doch echt oft schmunzeln. Leo lernen wir durch das Buch hinweg sehr intensiv kennen und auch das hatte etwas für sich. Das nimmt dem Buch zwar ordentlich Spannung, aber als Roman geht das schon klar. In der Mitte hatte ich dadurch eine kleine Flaute und musste mich schon überreden in dem Schinken weiter zu lesen. Es zog sich und ich glaube 200 Seiten weniger hätten dem Ganzen schlussendlich nicht geschadet. Das Ende wiederum brilliert mit Superlativen und man hat das Gefühl, das der Autor schon die filmische Umsetzung vor Augen hatte. Man rauscht durch die letzten Seiten und fragt sich, warum man anfänglich so festhing. Damit wird man auch etwas wehmütig, denn jetzt wo wir Leo so gut kennen müssen wir uns von ihm verabschieden. Aber ich glaube noch ein Buch würde der Reihe nicht guttun. Das hier hatte es schon nicht leicht und hat schon alles gesagt. In diesem Sinne, ein guter, aber nicht perfekter Abschluss einer sehr lesenswerten Reihe.

Stärkster Band - für mich!
Der dritte und letzte Band der Reihe, ist tatsächlich der Stärkste für mich. Ich fand das Buch durchweg spannend und toll, dass es quasi in drei Ländern gespielt hat. Ich mochte die verschiedenen Charaktere und mag es sehr, dass es ebenfalls wieder sehr starke Frauen gab. Ja, das Ende hatte keinen großen Knall 💥 aber das war für mich auch nicht nötig. Die emotionale Ebene, war für mich viel ausschlaggebender. Es wird nicht meine liebste Thrillerreihe, aber der Abschluss ist sehr gelungen.
Gutes Buch aber das schwächste der Reihe
Wieder eine super Geschichte. Das Ende hat mir leider nicht gefallen ein paar Seiten mehr wären super gewesen.
Dies ist der dritte Teil der Trilogie um Leo Demidow. In den Vorgängerbänden “Kind 44” und “Kolyma” lernen wir Leo und seine Arbeit als KGB-Agenten kennen und erfahren, warum er diese Arbeit aufgegeben hat . Es ist 1965 und Leo lebt mir seiner Frau Raisa und den beiden adoptierten Kindern Elena und Soja in Moskau. Raisa und ihre Töchter bereiten sich mit dem Chor auf die USA-Reise vor. Es soll eine annäherung der beiden Saaten in der Bevölkerung demonstriert werden, doch Leo hat kein gutes Gefühl. Dort passiert schlussendlich etwas, das Leos Leben aus den Fugen geraten lässt. Danach verschlägt es ihn ungwollt Anfang 1980 nach Afghanistan, wo er afghanische Milizen ausbildet. Die kommunistisch geprägte Regierung Afghanistans arbeitet mit Russland zusammen. Doch auch hier kann Leo keinen Frieden finden und muss nach Pakistan fliehen und gelangt von dort in die USA, um das in 1965 verübte Verbrechen aufzudecken, das ihm die Möglichkeit bringen soll, mit der Vergangenheit abzuschließen. Wir lernen in diesem Band Leo von einer anderen Seite kennen. Leo befindet sich am Abgrund und kämpft gegen seine vergangenen Geister an. So, in dieser Form, hatte ich das das Buch nicht erwartet. Der Schreibstil von Tom Rob Smith lässt ein schnelles und flüssiges Lesen zu, sodass man flott vorankommt. Die im Durchschnitt kurzen Kapitel erzeugen Spannung. Was ich vom Ende halte, weiß ich nun auch nach Tagen noch nicht. Es passt in die vorliegende Geschichte. Und dennoch fehlt mir irgendwie etwas im Hinblick auf die ganze Trilogie. Historisch gesehen erfahren wir hier etwas über die sowjetische Intervention in Afganistan (1979 – 1989). Dies bietet eine sehr gute Grundlage, um weitere Recherche zu betreiben. Leider kommt dieser Abschlussband aber lange nicht an “Kind 44” und auch nicht an den etwas schwächeren Teil “Kolyma” an. Er ist zwar spannend in sich, doch es fehlt ihm an Atmosphäre. Wem Spionageghriller liegen und wer sich ein bisschen für die Geschichte der ehemaligen Sowjetunion interessiert, wird auch mit diesem Buch glücklich sein.




