
Ein unsympathischer Held mit diabolischem Charme
Johannes Cabal, seines Zeichens Totenbeschwörer, verkauft einst seine Seele an den Teufel – nur um Jahre später festzustellen, dass Seelenlosigkeit sich im Alltag als eher hinderlich erweist. Der Deal zur Rückgewinnung ist ebenso absurd wie herrlich: Innerhalb eines Jahres soll er hundert Seelen sammeln, und dafür erhält er seine eigene zurück. Das klingt nach einer makabren Ausgangslage, und genau das ist es auch. Johannes Cabal ist kein sympathischer Protagonist – und gerade das macht seinen Reiz aus. Mal hofft man, er möge Erfolg haben, nur um im nächsten Moment von seinen Entscheidungen wieder derart vor den Kopf gestoßen zu werden, dass man ihn ohne schlechtes Gewissen dem Teufel zurückgeben würde. Besonders stark sind die Nebenfiguren. Sie fügen sich so mühelos in die Handlung ein, dass man nie das Gefühl hat, hier würde jemand künstlich Tiefe aufgeklebt bekommen. Alles wirkt organisch, witzig und mit dem richtigen Maß an Skurrilität. Der Schreibstil erinnert deutlich an Terry Pratchett: bissig, verspielt, mit einem Sinn für groteske Absurditäten. Für mich war genau das damals der Grund, das Buch zu kaufen – und ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil: Es war ein herrlich schräges, wunderbar unterhaltsames Leseerlebnis. Wer also humorvolle Fantasy mit morbider Note sucht – ein Hauch Pratchett, dazu Totenbeschwörung, Seelenhandel und ein Jahrmarkt, der mehr Schauder als Zuckerwatte bietet – wird hier bestens bedient.


