Beginnen wir mit einem Zitat: »Ja, das ist symptomatisch für unsere Zeit. Nachrichten unterliegen einem weitaus schnelleren Verfallsdatum als ein Becher Joghurt. Erinnern Sie sich an Bushs neue Weltordnung? Wie aufgewühlt alle waren? An die Peinlichkeit der guten Vorsätze? Aber werfen Sie einen Blick in die Runde, was geblieben ist. Nichts. Rückkehr zur Tagesordnung. Das Einzige, was nachhaltig betroffen macht, ist unser Mangelan Betroffenheit. Manchmal kommt es mir vor, als säße die ganze Welt mit einer dicken Backe beim Zahnarzt und schwört, ab jetzt regelmäßig die Zähne zu putzen. Drei Tage später ist der Schmerz Vergangenheit und alle hehren Worte auch. Nicht mal aus bösem Willen. Aus Desinteresse an uns selber. Soll ich Ihnen sagen, was wir aus dem Golfkrieg gelernt haben?" »Was?« »Nichts. Und wir werden auch in Zukunft nichts lernen. Wir können es nicht. Wir sind derart gehetzt, Schritt zu halten mit den Segnungen des global network, dass uns keine Zeit mehr bleibt zurückzuschauen. Es gibt Dinge, von denen man sagt, sie dürften nie wieder passieren, erinnern Sie sich? Nein, Sie erinnern sich nicht. Alles wird wieder passieren. Sollten Sie die Fehler der Vergangenheit verpasst haben, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Sie kommen alle wieder in Mode.« Erschreckend, wie aktuell diese Worte sind, wenn man bedenkt, dass dieser Roman ursprünglich bereits 1997 entstanden ist. Die Geschichte selbst ist unterhaltsam (so unterhaltsam, wie Mord und Totschlag nun mal ist 😅) und liest sich sehr flüssig, teilweise sind auch echt witzige Passagen enthalten. Die Charaktere wirken durchweg sympathisch, das Ende fand ich aber dann doch eher so ... meh. Nicht wirklich ein offenes Ende, aber abgeschlossen kann man es jetzt auch nicht nennen. So ein Zwischending eben. Das hätte man eleganter lösen können wie ich finde. Aber ansonsten ein guter Roman für zwischendurch.
30. Sept.Sep 30, 2025
Die dunkle Seiteby Frank SchätzingGoldmann


