Rating:4★
Spannend, nachdenklich machend, tiefgreifend, langatmig.
Wo fange ich bei der Bewertung an? Erst einmal war es ein sehr spannendes Buch und eine sehr interessante Story. Also ich bin wirklich durch die Seiten geflogen. Man lernt die verschiedenen Charaktere und Persönlichkeiten so Detailliert kennen, das sie greifbar werden. Man erhält Einblicke in jedermanns Gedankenwelt, was die Spannung weiter erhöhte. Es waren so viele miteinander verwobene Ereignisse. So Vieles passierte, weil niemand sprach. Oder zuhörte. Es wurde immer packender und kranker, zugegeben, ich wusste früh, wer der Täter war. Es war einfach zu naheliegend. Aber wie dann alles kam und warum es passierte, das war dann schon unfassbar. Nun zur Kritik. Ich finde kein Mensch redet so, wie es die Menschen in dem Buch Taten. Manche Begriffe wirkten einfach nicht der Zeit entsprechend, wirkten Fehl am Platz. Vielleicht ist das auch nur mein Empfinden aber "Mummie" als Kosewort für Mama ist einfach eigenartig zu lesen. Zudem hätte ich persönlich hier ganz klar eine Triggerwarnung für angebracht gehalten. Das ein Kriminalroman Gewalt darstellen wird, ist natürlich klar. Das man aber ungeahnt Detailliert lesen muss, wie eine Mutter im 6. Monat ihr Kind verliert, weil der Ehemann es ihr regelrecht rausgeprügelt hat ist meiner Meinung nach etwas, was man durchaus darstellen kann, aber was sicher nicht jeder gut ertragen kann. Selbst ich, die in diesem Thema an sich keinerlei Vorgeschichte hat, hab kurz geweint. Wie mag es dann einer Frau gehen, die einen Kinderwunsch hegt, eine Fehlgeburt erlebt hat oder im schlimmsten Fall ähnliches erlebt hat. Es geht zudem auch viel um häusliche Gewalt, weniger Detailliert dargestellt aber doch oft thematisiert. Ich denke auch, daß das Buch ganz nebenbei einen einfach zum Nachdenken anregen soll und darf. Denn es geht um ein Problem, das eigentlich recht gesellschaftlich ist: das Wegsehen, das Schweigen, das vor sich rechtfertigen, das nicht ernst nehmen. Zwischendurch ist es etwas langatmig, aber nur ein wenig. Und ich denke, das die Geschichte die Länge auch brauchte, sich die Zeit nehmen musste, zu erklären. Zu beschreiben. Damit man auch versteht wie alles zusammenhängt. Insgesamt ein wirklich gutes Buch, es fehlte mir vorrangig einfach vor allem eine Vorwarnung. Denn die gibt Betroffenen die freie Entscheidung, ob und inwieweit man sich mit bestimmten Themen konfrontieren will. Ob Fiktion oder nicht, auch ein Buch kann triggern. :)
Am Ende des Schweigensby Charlotte LinkBlanvalet