
Atemlos...das ist einer von den Romanen, bei denen man Ort, Zeit und vor allem das Atmen vergisst.
"Das dritte Gesicht" ... Ashley Patterson - eiskalte Mörderin oder Opfer. Gibt es sie, die MPS, die multiple Persönlichkeitsstörung, oder ist sie nur eine Erfindung von profilirungseifrigen Psychologen? Sheldon beantwortet diese Frage nicht direkt, aber aus der Handlung entnimmt man: Er glaub fest daran. Und es glingt ihm, diesen Glauben weiter zu geben. Sheldon gelingt es, diese sehr umstrittene Frage plausibel zu erklären und das ganze auch noch mit einem äußerst spannenden Roman zu verbinden. Für mich ist dieser Roman ein typischer Sheldon: Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Ein durchaus realer Hintergrund (wie bei "Das Imperium" "Die Mühlen Gottes" oder "Die Pflicht zu schweigen"). Sie alle sind spannend, teilweise verblüffend, manchmal fantastisch (Die letzte Verschwörung, wobei allerdings hier auch die Experimente wissenschaftlich belegt sind) und jagen einem Schauer über den Rücken. Das dritte Gesicht schlägt man auf, liest die ersten Zeilen, und dann legt man es nicht mehr aus der Hand. Sheldon macht süchtig, und "Das dritte Gesicht" ist da ein Suchtmittel allererster Güte. Das einzige, was ich zu Sheldons Romanen negatives sagen kann: Man (oder er) hätte abgesehen von "100 Karat", "Das nackte Gesicht" und mit Einschränkungen "Kalte Glut" die Verfilmungen seiner Romane verhindern sollen. Man sollte nun mal (bei allem Respekt vor ihr) eine 20jährige Pharmakonzern-Erbin, die verzweifelt, unsicher und von Mördern gejagt ist, nicht von einer 40jährigen Audrey Hepburn spielen lassen. Lieber Blutspur lesen, als Blutspur gucken.
