Packendes Katz-und-Maus-Spiel mit kleinen Abstrichen
Ich bin ohne allzu große Erwartungen an Die Zeugin herangegangen, aber Sandra Brown hat mich mal wieder eiskalt erwischt. Was als vermeintlich klassischer Thriller beginnt, entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Drahtseilakt, bei dem man ständig hinterfragt, wem man eigentlich trauen kann. Besonders der Schreibstil hat es mir angetan: Brown schreibt gewohnt flüssig, schafft es aber hier besonders gut, diese latente Spannung aufzubauen, die einen dazu zwingt, „nur noch ein Kapitel“ zu lesen. Die Atmosphäre ist stellenweise richtig beklemmend, was vor allem an der Dynamik zwischen den Protagonisten liegt. Kendall als Charakter fand ich faszinierend, weil sie eben nicht das typische, hilflose Opfer ist, sondern eine greifbare Verletzlichkeit mit einer beeindruckenden inneren Stärke verbindet. Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass die romantische Komponente zwischendurch etwas viel Raum einnimmt. Das nimmt dem Thrill-Aspekt manchmal ein wenig den Schwung, auch wenn die Chemie zwischen den Figuren absolut stimmig ist. Wer einen reinen, knallharten Ermittlungsthriller sucht, könnte hier eventuell stutzen, aber für Fans von Romantic Suspense ist das Buch ein echtes Goldstück. Der Plot-Twist gegen Ende kam für mich zwar nicht völlig aus dem Nichts, war aber so souverän konstruiert, dass das Zuklappen des Buches ein sehr befriedigendes Gefühl hinterlassen hat. Insgesamt ein wirklich solider, atmosphärischer Pageturner für ein langes Wochenende.









