Anders ticken“ als Stärke und ein Mutmachbuch für neurodivergente Gehirne.
In Wahnsinnig intelligent. Die verborgenen Potenziale neurodivergenter Menschen macht André Frank Zimpel etwas Wohltuendes: Er dreht die übliche Perspektive um. Statt ADHS, Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie, Tourette oder Synästhesie vor allem als Problem zu betrachten, schaut er darauf, was diese anderen Gehirne besonders gut können – und wie sehr unsere Gesellschaft davon profitieren könnte. Etwa jede siebte Person ist neurodivergent, schätzt er, und ihre Intelligenz wird oft unterschätzt – von außen und leider auch von ihnen selbst.  Sehr berührend sind die vielen konkreten Geschichten: der Junge Finn, der völlig anders rechnet, weil er in Bildern denkt; Elias, dessen autistisches Gehirn von Reizen fast überflutet wird; historische Figuren wie Einstein oder Turing, die Zimpel als Beispiele für außergewöhnliche Aufmerksamkeiten liest. Immer wieder zeigt er: Neurodivergenz verändert nicht die Intelligenz direkt, sondern vor allem die Art der Aufmerksamkeit – und genau daraus entstehen sowohl Schwierigkeiten als auch besondere Begabungen.  Spannend ist auch der Bogen zur künstlichen Intelligenz: Zimpel beschreibt, wie gerade Menschen mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit und starkem Bilddenken Grundlagen für heutige KI gelegt haben – und wie KI umgekehrt helfen kann, Lernwege für neurodivergente Kinder individueller zu gestalten. Gleichzeitig warnt er davor, Maschinen „Intelligenz“ zuzuschreiben und dabei die menschliche – vor allem die derjenigen, die nicht ins Normschema passen – kleinzureden.  Trotz vieler neuropsychologischer Details ist das Buch gut lesbar, warm und respektvoll im Ton. Man merkt: Hier schreibt jemand, der Fachwissen hat, aber vor allem Menschen mag. Am Ende bleibt ein tröstliches, stärkendes Gefühl: Nicht du bist falsch – sondern die Erwartungen und Strukturen sind oft zu eng. Wahnsinnig intelligent ist ein Buch, das man Betroffenen, Eltern, Lehrkräften und eigentlich jedem in die Hand drücken möchte, der neurodivergente Menschen endlich nicht mehr nur „problematisch“, sondern als wahnsinnig bereichernd sehen will.




