Nachdem ich von der Autorin schon "Tief in der Erde" gelesen, ja geradezu verschlungen hatte, war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Auch hier liegt ein tatsächlicher Fall zu Grunde. Irgendwo im Hinterkopf war noch ein bisschen was von diesem Fall gespeichert. Ich hab dann nach Familientragödie und Starnberg gesucht und bin fündig geworden. Die intensiven Gefühle, die ersteres Werk in mir ausgelöst hatten, konnte ich hier leider, oder doch glücklicherweise (?) nicht empfinden. Trotzdem war es ein spannendes Buch. Familientragödie und Außenseiter... Es wird gleich am Anfang die Situation der Polizisten und der Familienangehörigen, die die Leichen entdeckt haben beschrieben. Man weiß also was geschehen ist. Das Wie wird nach und nach erzählt. Immer wieder Zeitsprünge. Gegen Ende geht das Buch auch auf die psychische Situation des Hauptermittlers ein, auch eine Sache, die man nicht unter den Tisch kehren sollte. Auch die Gerichtsverhandlung wird beschrieben. Letztlich für mich etwas zu viel des Ganzen. Konnte mich leider nicht so sehr begeistern. Aber 3½ Sterne von 5 hat es trotzdem verdient.
Ein Buch, das ich aus ethischen Gründen abgebrochen habe
Ich bin kein großer Fan von der seit einigen Jahren grassierenden True Crime Welle. Podcasts höre ich sowieso nicht und wenn ich mal eine Doku anschaue, ärgere ich mich meistens über die einseitige oder nicht vollständige Berichterstattung. Kriminalfälle verfolge ich lieber über Presseartikel und Prozessberichte in gut moderierten Foren. Darum lese ich auch selten Krimis, die ‚auf wahren Begebenheiten‘ beruhen. Und wenn, dann solche, wo der tatsächliche Fall schon weit in der Vergangenheit liegt oder stark verfremdet ist und im besten Fall literarisch sehr hochwertig aufgearbeitet wurde. Leider ist das alles hier nicht der Fall. Literarischen Anspruch hat das Buch keinen, es ist viel mehr ein journalistischer True Crime Bericht mit ein wenig Ausschmückung. Den behandelten Fall habe ich sofort auf den ersten Seiten erkannt, weil ich ihn damals intensiv verfolgt habe und er bis ins kleinste Detail wiedergegeben wird. Der Dreifachmord in Starnberg geschah erst im Jahr 2020 und da war ich schon hin- und hergerissen und dachte mir so ‚muss das sein?‘. Im Buch wird dann erst mal das Leben der Opfer, auch in den Wochen vor der Tat, minutiös ausgebreitet und mein Gefühl wurde immer schlechter. Ja, vielleicht war die Ehe nicht gut, der Vater ein Choleriker, die Mutter hilflos angesichts der Probleme und der Sohn durch seine Diagnose schwierig und ohne Halt. Aber wir reden hier von echten Menschen, die beschrieben werden und diese werden so dermaßen unsympathisch dargestellt, dass es für mich stellenweise an Opferbashing grenzte. Nichts, keine dysfunktionale Familie oder was diese drei Menschen getan haben, rechtfertigt es, in den eigenen vier Wänden im Schlaf niedergemetzelt zu werden. Im Gegensatz dazu erfindet sie dann einen kriminellen Mastermind, der den Täter zur Tat manipuliert, oder mit-manipuliert. Warum? Um hier Verantwortung kleiner zu machen? Oder brauchte die Autorin einfach irgendein Ende, weil sich der echte Prozess ungeplant zu lange hingezogen hat? Das Tüpfelchen auf dem i - und für mich an Pietätlosigkeit kaum zu überbieten - ist nämlich, dass das Buch bereits im Herbst 2022 erschien, das Urteil allerdings erst im März 2023 fiel. Ich habe die letzten 30% dann nur noch quergelesen und mein Fazit dazu ist, dass die Tochter der Familie dieses Machwerk hoffentlich nie in die Hände bekommen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für den Trauerprozess hilfreich ist, zu lesen, wie andere genüsslich in deiner ganz privaten Tragödie herumwühlen um dann den Lesenden eine krude Mischung aus Fakten und Fantasie zu präsentieren.
Sehr interessanter Krimi, vor allem weil ich zufällig kurz vorher erst einen Podcast zu dem wahren Fall gehört hatte

➡️Kurzrezension: „Tief in der Erde“ fand ich schon absolut genial von der Autorin. Deshalb hab ich mich nun sehr auf das neue Buch gefreut. Das Buch ist wieder inspiriert von einem wahren Kriminalfall. Ich fand das Buch schon interessant, aber es hat mich jetzt nicht so stark gefesselt wie das vorherige Buch der Autorin. Man weiß schon relativ früh, wie alles ausgeht, aber dafür erfahren wir viel über die Gedanken/Gefühle der Personen. Definitiv ein gutes Buch, aber hat mich auch nicht vom Hocker gehauen. Empfehlen kann ich es trotzdem, wenn man gerne auch mal einen ruhigeren Kriminalroman lesen möchte.☺️



