Im 2. Teil der Familie Saga Carbonaro stehen die Frauen im Mittelpunkt. Die Lebenswege von 3 Generationen stolzer Sizilianerinnen werden gezeichnet. Vieles ist mit Kampf verbunden, Träume die nicht oder nur unzureichend verwirklicht werden. Rahmenbedingungen die oft schwierig sind. Aber auch Möglichkeiten, sich gegen Männer durchzusetzen, seinen Platz im Leben zu finden und das eigene Glück und Unglück zu verwalten. Die Story pendelt zwischen den Frauen Pina, Anna und Maria und umspannt einen Zeitraum von 1896 bis 1970 von Sizilien bis zum Großhandel in München. Man bekommt im Buch viel von der italienischen und speziell sizilianischen Familienwirklichkeit mit, was mir nicht gefallen hat ist die Wiederkehr der Geister.
Eine Familiengeschichte erzählt aus der Perspektive dreier Frauen. Ein schöner Schreibstil, jedoch hat die Geschichte definitiv ihre Längen.
Eine wirklich lesenswerte Ergänzung des Romans „Terra di Sicilia“! Ganz viel Italien und ganz ganz viel Familie - ein Roman, der mich zu einer „Lesereise“ von Sizilien nach Deutschland eingeladen hat, auf der mich so viele liebenswerte Menschen begleitet haben.
Was für ein wundervolles Buch, das viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Unbedingt lesen!
Im zweiten Teil der Generationensaga der sizilianischen Familie Carbonaro kamen die Frauen zu Wort. Wieder schaffte es der Autor mit seinen wortgewaltigen, bildhaften Beschreibungen das Leben im vorigen Jahrhundert zu zeigen. Für mich war es diesmal allerdings alles zu viel. Zuviel Schwere, zuviel Gewalt, zuviel Mystik. So begeistert ich vom ersten Band „ Terra di Sicilia“ war, so schwer habe ich mich diesmal getan.

Sizilianische Familiengeschichte
Die Frauen der Familie Carbonaro, ist der zweite Teil der Familien-Saga einer sizilianischen Familie. Pina, geboren 1884, ihre Schwiegertochter Anna (*1913) und die Enkelin Maria (*1933) treffen den Erzähler auf Sizilien in einer alten Villa mitten in Catania. Es ist staubig in dem alten Haus, die typische sizilianische Sonne scheint durch verschlissene Vorhänge und alles scheint sehr unwirklich. Doch die drei Frauen wollen dem Erzähle ihre Geschichten vortragen. Geschichten, die einem teilweise die Haare zu Berge stehen lassen. Pina ist die Tochter des Mafioso Dottore Passalacqua. Unter seiner Fuchtel hatte das Mädchen kein leichtes Leben. Abgesehen davon, dass das Land arm war, die Menschen vor Krankheit starben oder auswanderten, gab es noch Hierarchien, welche Frauen auf die niedrigste Stufe setzte. Gut genug dem Mann das Essen zu bereiten, sich um die Kinder zu kümmern, den Haushalt zu führen. Aber Rechte hatten sie keine. Sie wurden von den eigenen Vätern vergewaltigt, verscherbelt und ausgenutzt. Frauen mit Verstand, das gab es in den Männeraugen nicht. Aber Pina stammt von den Nymphen und Sirenen ab, sie hat einen zweiten Schatten, sie war etwas Besonderes, wie die meisten Frauen der Familie Carbonaro waren. Anna heiratet den Sohn von Pina und Barnaba Carbonaro. Sie bringt Freude in den Haushalt der verbitterten Pina. Und doch wird sie nicht lange bleiben. Sie wird ihrem Mann und dem Schwiegervater nach München folgen. Mitten hinein in die Zeit, als die Nazis an der Macht waren, Bomben auf die Stadt fallen und Menschen einfach abgeholt werden und verschwinden. Auch Anna hat einen zweiten Schatten, der sich in der deutschen Stadt allerdings nicht zeigt. Dafür lernt Anna, dass sie sehr wohl eine Stimme hat und sich gegen die Gepflogenheiten der Männer auflehnen kann. Und dann ist da noch Maria Pinas Enkelin, Annas Tochter. Sie wächst in München auf, ist mehr deutsch als Sizilianerin, muss aber auch feststellen, dass Frau nichts wert sind. Und doch setzt sie sich durch. „Wer sind wir? Das sei die ewige Frage der Sizilianer, hat Barnaba immer gesagt, aber in Wahrheit ist es die Erzählung aller Männer. Männer verbringen ihr ganzes Leben damit, zu hadern, wer sie sind. Sie bekämpfen Windmühlen und halten sich für Ritter. Wir Frauen sind die Sancho Panzas dieser Welt. Die den Laden am Laufen halten und das Gleichgewicht herstellen, immer und immer wieder“ Mich erschrecken solche Geschichten immer wieder. Wie konnten die Frauen das damals aushalte? Angefasst und benutzt werden, ohne dass man sich wehren durfte und konnte. Wer seine Unschuld verlor, war noch weniger wert. Die Väter bestimmten, was aus einer Tochter wurde, egal welche Wünsche das Mädchen selber hatte. Mich hat dieses Buch gefesselt. Mario Giordano hat den Ton der Frauen recht gut getroffen, zeitweise hatte ich nicht das Gefühl, dass hier ein Mann den Roman geschrieben hätte. Die Kapitel sind nicht in der Reihenfolge. Sie springen zwischen den Frauen und Zeiten hin und her. Erst später kommt Marias Erzählung noch dazu. In diesem Buch geht um Liebe, Hass und Eifersucht. Um Sizilien, Gespenster, Aberglaube und Sehnsüchte. Die Emanzipation und das freie Leben. 70 Jahre einer Familie, die sich leicht lesen lassen und auch einen angenehmen, feinen Spannungsbogen hat. Ich finde, dass Buch hat 🐭🐭🐭🐭 verdient.
Kurzweilig erzählt entführt einen der Roman in eine andere Zeit und in eine andere Welt voller Menschen mit ihren Sehnsüchten und ihren Geistern

Für mich einfach nur grandios!
"Was führt zu was? Das Leben ist ein Ozean aus Möglichkeiten, aber wir kämpfen an der Oberfläche gegen das Ertrinken an. Alle erwarten wir, dass das Glück uns findet, aber keiner will den Preis bezahlen. Es gibt Armut und Gewalt, Liebe und Trost, und alles vergeht. Zwischendurch müssen wir an Abgründe treten. Der eine will nur kurz erschaudern, um sich danach besser zu fühlen, ein anderer muss springen und sich im Fallen Flügel bauen." Mario Giordano liefert uns mit "Die Frauen der Familie Carbonaro" eine Geschichte, die sich nach "Terra di Sicilia" mit der anderen Hälfte der Cabonaro-Familie beschäftigt. Denen, die zwar nicht die Hosen anhaben, die aber alles zusammenhalten. "Männer verbringen ihr ganzes Leben damit, zu hadern, wer sie sind. Sie bekämpfen Windmühlen und halten sich für Ritter. Wir Frauen sind die Sancho Panzas dieser Welt. Die den Laden am Laufen halten und das Gleichgewicht herstellen, immer und immer wieder." Drei Frauen erwarten den Erzähler im salotto des alten Hauses irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es ist staubig überall, träges sizilianisches Nachmittagslicht fällt durch die Vorhänge und lässt die Staubflocken ihren Tanz aufführen. Dämpft alles ab, füllt den Raum mit Stille und Erinnerungen, lässt alte Geister aufleben. Da sitzen sie: Pina, Anna und Maria. Drei Generationen der Carbonaro-Frauen. Pina, Matriarchin der Familie, Tochter des Mafiosi Dottore Pasalacqua, allein dadurch teils gefürchtet und geachtet. Doch Pina hat viel Leid zu ertragen und gerade sie, entstammt noch einer Generation, in der Frauen einfach nichts waren. Sie durften benutzt werden, wurden oft wie Dreck behandelt, geschlagen und vergewaltigt. Hatten ihren Vätern und Männern zu gehorchen, auf ihre Ehre zu achten, den Mund zu halten und gefälligst unsichtbar zu bleiben. Pinas Geschichte hat mich von allen am meisten berührt - vielleicht, weil sie es zeit ihres Lebens am schwersten hatte. Die zweite der Carbonaro-Frauen ist Anna, die Pinas Sohn Nino heiratete. Anna, die wunderschön singen konnte und die die patruneddi etwas ferner hielt. Anna, die ihre Träume begraben musste, ihren Mann jedoch das Versprechen abrang, dass ihre Töchter eines Tages alles werden dürften. Anna, die ihre Heimat verließ, um ihren Mann nach Deutschland zu begleiten. Und zu guter Letzt haben wir noch Maria Carbonaro, das älteste Kind von Nino und Anna. Ihre Wünsche sind ganz andere: Sie will Hosen tragen wie die Männer und ins Geschäft ihres nonno einsteigen. Doch alles was zu hören bekommt ist: "Das ist nichts für Frauen! Eh basta!" Und so erzählen diese drei Frauen von ihrem Leben, ihren Ängsten, Sorgen und ihren Kämpfen. Kämpfe mit ihrem Land, der Gesellschaft, den Kindern und vor allem mit ihren Männern. Die Geschichte des Buches zeigt uns, dass das Leben als Sizilianerin niemals einfach ist. Es zeigt uns aber auch, dass das auch für die Männer gilt - nur in einem anderen Rahmen. "Mein Leben war vorgezeichnet von Männern, die ihr ganzes Leben einer Idee vom Glück weihten und es dabei doch übersahen. Was ist los mit den Männern, dass sie das Glück beharrlich zu Tode hetzen müssen, ohne einen einzigen Blick zur Seite?" Oh, bella Sicilia! Oh dolce dolore del desiderio! Oh, mia Sicilia, ho perso il mio cuore per te. Dieses Buch hat, wie zuvor schon "Terra di Sicilia", viel mit mir gemacht. Es hat mich tief berührt, ob der Schicksale der Menschen, aber auch wegen all der Erinnerungen, die mich beim Lesen durchfluteten. Sizilien ist mein Sehnsuchtsort, der Fleck auf dieser Welt, wo mich beim allerersten Betreten ein berauschendes und tief ins Herz schneidendes "Ich bin zu Hause"-Gefühl durchfloss. Die Geschichte spielt in der Gegend, die ich auch gut kenne, sogar der Bellini-Park und die Pasticceria Savia in der Via Etnea in Catania finden hier Erwähnung. Aber der Roman hat mich nicht nur deswegen so begeistert. Es werden viele Zeilen aus alten sizilianischen Volksliedern erwähnt, die vom tiefgehenden Schmerz des Landes und des Volkes erzählen, oft auch von der Sinnlosigkeit des Lebens und der elenden Plackerei der kleinen carusi, aber auch von der tiefen all umfassenden Liebe zum diesem wunderschönen Land. Auch mag ich es sehr, wenn Autoren die Sprache bei einigen Wörtern mit einfließen lassen. Überhaupt hat Mario Giordano einen sehr schönen, sehr bildlichen Schreibstil und wie er die Frauen ihre Geschichten erzählen lässt, klingt das absolut authentisch. Beim Lesen hatte ich wirklich das Gefühl, dass mir die Frauen ihre Geschichten erzählen und nicht der Autor. "Meine Erinnerung war ein Firmament, von dem nach und nach die Sterne erloschen. Sternbilder lösten sich auf und machten es mir zunehmend schwerer, über mein tägliches Meer zu navigieren."
Im Moment fehlen mir noch die Worte. Eine Familiensaga, aber ganz anders als ich es erwartet habe. Brutal, ungeschönt und traurig in Zeiten, die nichts anderes zuliessen. Aber mega mitreissend und voller Hoffnung für die nachkommenden Generationen.








