Starker Anfang. Die Autobiografie zu Beginn des Buches war spannend. Anschließend werden Geschichten von Freunden erzählt. Mir fehlte hier der rote Faden und der Tiefgang. Ich habe das Buch nur fertig gelesen, da ich noch eine Entwicklung erwartete. Diese blieb aus.
Einsamsein ... wie das ist, beschreibt der Autor und Journalist Daniel Haas in diesem Buch ganz schonungslos mit sich, seiner Familie und ein Loblied auf seine Freunde.
Daniel Haas Familie ist prädestiniert dafür einsam zu sein. Schon seine Eltern haben es ihm vorgemacht, wie man unter Menschen einsam sein kann. Marei, so nennt Daniel seine Mutter, bittet ihren Sohn in die Schweiz zu kommen. Sie hat genug vom Leben und hat beschlossen begleitet zu sterben. Daniel ist aber selber in einem Dilemma. Er hat wieder einmal eine Phase, in der er sich vor dem Leben und den Menschen um ihn herum versteckt. Er steckt in seinem Einsamsein fest und verlässt seine vernachlässigte Wohnung nur um zum Späti zu gehen. Sogar seinen geliebten Kaffee im Café hat er geopfert, um sich zu isolieren. Seiner Mutter zuliebe macht er sich aber auf den Weg in die Schweiz und schon auf dem Weg dorthin geht es ihm nicht aus dem Kopf, wie einsam er ist.
Morgens in ein Café kommen, einen Cappuccino bestellen und dann draußen sitzend die Passanten betrachten, das ist eine pflichtübung die ich keinen Tag auslasse. Auf diese Weise habe ich das Gefühl, am Leben teil zu haben, Mitglied der sogenannten Gesellschaft zu sein. Seite 23
Daniels Haas
Er hat studiert, ist Journalist und Autor. Er hat für die renommiertesten Zeitungen geschrieben. Haas hat interessante und intelligente Freunde und könnte ein Leben leben, um welches ihn viele beneiden würden. Und doch ist er einsam. Die Frauen, die er begehrt, laufen ihm davon. Haas hat ein Drogenproblem, bekommt es wieder in den Griff, wird vorübergehend in der Psychiatrie landen, dort Menschen treffen, die ihm guttun. Er wird immer wieder die Stadt und das Land wechseln und doch immer wieder zurückkehren und sich aufs neue in eine Einsamkeit flüchten.
Auch ich war hin und hergeworfen zwischen Hoffnung und Erschöpfung, dem Gefühl, alles sei sinnlos, und dem Zwang, mit aller Kraft dieses Gefühl zu bekämpfen Seite 145
Wie viel Einsamkeit hält man aus?
Ich habe dieses Buch als atemlos empfunden. So als hätte ich vor dem Lesen 3 Espresso getrunken und dann die Seiten verschlungen. Daniel Haas schreibt gut, sehr gut und wickelt den Leser mit seinem (schwarzen) Humor und Fluffigkeit ein. Dabei geht es um ein wirklich anstrengendes Thema, dass vermutlich mehr Menschen trifft, als man glauben möchte. Daniel Haas ist einsam, bestimmt. Obwohl er mit einem "goldenen" Löffel aufgezogen wurde und das Glück hatte sich irgendwie immer über dem Wasser zu halten. Er beschreibt das sehr eindrücklich in seinem Buch und auch wie er sich derzeit mit der Einsamkeit arrangiert hat. Er ist nicht alleine! Haas hat Menschen um sich, die sich immer wieder um ihn kümmern, wenn er darum bittet.
Es geht bei meiner Inventur - und was wäre dieses Buch anderes als eine Bestandsaufnahme mit Blick auf das Einsamsein - nicht um moralische Fragen Seite 190
Daniel Haas hat hier ein spannendes Thema aufgeworfen und sehr eindrücklich beschrieben, wie es ihm damit ergangen ist, wie wichtig ihm die Menschen drumherum sind, die ihn beim Einsamsein begleiten und die Stirn bieten. Ich mag seinen unterschwelligen Humor. Ich denke, ich sollte auch noch ein anderes Buch von ihm lesen. Ob das dann genauso gut geschrieben ist? Dieses hier erhält auf jeden Fall 🐭🐭🐭🐭 und wandert auf den Lieblingsbuchstapel
"Es ist erstaunlich, welche Einsamkeitsfülle sich auf einem goldenen Löffel anhäufen lässt; fast meint man, man könne sich davon ernähren."
Aufgewachsen in einem Elternhaus wo es vermeintlich an nichts fehlt, verliert Daniel Haas schon früh seinen Vater durch Suizid. So geplant, dass der Auszahlung der Lebensversicherung nichts im Weg steht. Jahre später erreicht ihn der Anruf seiner Mutter, er solle sie besuchen, denn auch sie plant den Suizid. Diesmal in der Schweiz und unter Aufsicht zweier Schwestern.
Was nun folgt in der Erzählung hat mich doch sehr irritiert und ich musste mir immer wieder sagen: so hat er bestimmt nur gedacht, weil er krank war. Alles drehte sich in seinem Kopf darum was er anziehen soll und wie groß sein Erbe sein wird. Er malte es sich riesig aus und was er alles damit machen wird. Die Blase platzt, das Geld ist weg. Und trotzdem wird gekauft was Namen hat und Prestige verspricht.
Es ist ohne Frage ein schonungloser Bericht. Nichts wird unter den Teppich gekehrt. Kein Drogen- und Suchtproblem, kein Fauxpas, kein sinnloses verprassen von Geld. Auch die Klinikaufenthalte, die manischen Phasen und die vermüllte Wohnung werden nicht verschwiegen. Er stellt sich selbst im schlechtesten Licht dar und das zollt meinen Respekt.
Was ihn aus dem Sumpf der Einsamkeit und der Depression gezogen hat, waren eigentlich immer seine Freunde, besonders dann wenn sie hart und ehrlich waren und im Rückzug begriffen. "Ich werde nicht das Publikum deiner Zerstörung sein."
Diese "Befreiungsgeschichte" wie es mit Untertitel heißt hat mich befremdet. Die Scheinwelt des Geldes und der Edelklamotten erschreckt. Meine Bewertung ist "nur" dem Leseempfinden geschuldet, denn den Inhalt sollte man eigentlich nicht bewerten, es ist seine Biografie und diese ist wertfrei. Berührt hat mich die Geschichte am Ende, die erklärt wie es zu dem Wal auf dem Cover gekommen ist. Wal 52 Hertz, ein Sinnbild der Einsamkeit.
Das Buch liest sich flüssig, ich hatte es in zwei Tagen durch. Klare Leseempfehlung.
Zum Inhalt:
"Daniel Haas begibt sich auf die Suche nach dem Ursprung der Einsamkeit, die sich als Leitmotiv durch seine Familiengeschichte zieht. Er beschreibt, wie er sich durch Groll, Ängste, Selbstzweifel und Misstrauen immer wieder selbst isoliert hat, bis er schließlich begreift, worauf es ankommt: auf Akzeptanz und Wohlwollen anderen und dem Leben gegenüber.
Am Ende steht ein Ausblick auf ein Leben, frei von den Fesseln der Einsamkeit, hinter denen etwas Neues zum Vorschein kommt: Hoffnung auf Zugehörigkeit jenseits gesellschaftlicher Vorgaben und Zwänge."
Meine Meinung:
Offen und schonungslos aber gespickt mit einer Prise Selbstironie geht der Autor mit sich ins Gericht und erzählt von Einsamkeit und Süchten und seinen immer wieder scheiternden Versuchen diesen zu entfliehen. Am Ende ist es dann doch eine Befreiungsgeschichte - so auch der Untertitel des Buches.
Zugegebenermaßen begann das Buch für mich damit, als elitärer Mist abgestempelt zu werden.
Kind aus feinem Hause, gelangweilt oder nicht erkannt, landet im Drogenmilieu, verschleudert seine Jugend, seine Fähigkeiten, Intellekt und Sympathie.
Dann folgen mehrere cleane Episoden, bis die Erschöpfung endgültig überhandnimmt.
Der Suizid der Mutter sollte Dank eines sehr beeindruckenden Erbes der Befreiungsschlag aus Armut und Einsamkeit werden, befeuert jedoch nur die Depression, das Gefühl der Sinnlosigkeit. Umherschweifen, Dekadenz ohne Substanz, ohne finanzielle Sicherung, kein Job, viel Haben.
Inmitten all diesen Chaos beginnt die Suche nach dem Weg aus dem Einsamsein. Und obwohl es so banal klingt, ist die Lösung doch ganz eindeutig: wirf dich hinein ins Leben, in den Trubel, in die Gesellschaft. Finde Zugehörigkeit, Liebe und Freundschaft, denn wenn alles andere zerbricht, bleiben deine dir teuersten Menschen erhalten. Rückhalt, ein offenes Ohr, Ermahnungen, eine leitende Hand. Bei ihnen wirst du alles finden, das dich stabilisiert und hilft, voranzuschreiten im Leben.
Mit EINSAMSEIN hat Daniel Haas nicht nur ein autobiografisches Manifest gegen die Vereinsamung verfasst, sondern auch ein rührendes Dankschreiben an seine Freunde, die trotz so vieler Rückschläge niemals aufgegeben und sich ins Leben zurückgekämpft haben.
In seiner Biografie stellt sich Daniel Haas unerbittlich, aber aufrichtig sich selbst und seiner Vergangenheit. Es ist nicht unbedingt ein Abrechnen, eher ein erklärendes Verstehenwollen seines Lebens.
Die Einsamkeit begleitet ihn schon seit Kindertagen. Er führt das „Einsamsein“ fort, wird immer besser darin und leidet, driftet ab, steht unter Schmerzen wieder auf.
Bei aller Härte, die er lebt, die er erlebt, bleibt ein Funken an die Hoffnung einer besseren Zeit. Er bringt dem Leser diese dunkle Zeit nahe, ohne ihn zu erdrücken. Er zeigt, ohne zu Verschönern, seine Jahre der Selbstillusion auf. Legt seinen Charakter offen und macht sich verwundbar. Doch genau das kann Mut für andere sein. Und es zeigt den Mut vom Autor, sich ungeschützt zu präsentieren.
Der Schreibstil war für mich nicht ganz so flott zu lesen, ich brauchte meine Zeit für das Buch. Natürlich auch dem Thema geschuldet.
Der Inhalt ist jedoch leicht zu erfassen und bemüht die eigenen Gedanken zu hinterfragen und sich selbst vielleicht die eine oder andere Einstellung anzusehen.
Ein Buch, dass sicher nichts für zwischendurch ist, aber sich auf jeden Fall seine Existenzberechtigung verdient hat, indem es Hoffnung machen kann.
INHALT
Nachdem sein Vater bereits "auf die Wolke" gegangen war, kündigte seine Mutter nun an, es ihm gleich zutun. In der Schweiz, mit Sterbehilfe durch einen offiziellen Verein. Ihr Sohn solle auch anreisen und den Prozess begleiten. Die Ausgangssituation ist klar; Mutter möchte sterben und Sohn solle dies hinnehmen. So leicht kann er dies aber nicht hinnehmen; er lebt allein in einer Wohnung, ist einsam und unglücklich. Diagnose Depression, bipolare Störung. Er beschreibt Psychiatrieaufenthalte und schwelt in Erinnerungen; in guten und in schlechten.
EINDRUCK UND FAZIT
Ein Buch so unglaublich ehrlich und hart. Eine Geschichte, die das Leben schreibt. Oder eben der Autor seine Geschichte. Ich war von Beginn an berührt, der selbstgewählte Freitod der Mutter hat mich bereits zu beginn schlucken lassen. Aber das Buch geht genau in diesem Tempo weiter - hart, härter, Daniel Haas. Hat mir sehr gefallen; ein Buch das Mut und Hoffnung macht. Ein Buch das nachdenken und fühlen lässt! Ich empfehle es gern weiter!
In „Einsamsein“ nähert sich Daniel Haas dem Thema Einsamkeit auf persönliche und vielschichtige Weise. Er schildert Erfahrungen, Gedanken und Beobachtungen rund um das Alleinsein und verknüpft diese mit biografischen Elementen. Dabei entsteht ein leiser, eindringlicher Text, der die unterschiedlichen Facetten von Einsamkeit sichtbar macht und zum Nachdenken einlädt. 💭
Für mich war dieses Buch unglaublich tiefgründig und mitfühlend geschrieben. ✨ Streckenweise hatte ich eher das Gefühl, einen Roman zu lesen als eine Biografie, was mich emotional sehr berührt hat. 📖 An einigen Stellen trieb es mir sogar Tränen in die Augen, und ich musste immer wieder innehalten, um das Gelesene nachwirken zu lassen. Obwohl mir das Buch wirklich sehr gefallen hat, empfand ich es teilweise als schwere Kost – was meiner Meinung nach weniger am Erzählstil als vielmehr am Thema selbst lag. Gerade der Erzählstil hat mich besonders beeindruckt, da er die Tiefgründigkeit des Buches noch einmal zusätzlich unterstrich. 👌🏻
Vielen Dank noch einmal an das @team.bloggerportal und an @verstehen_sie_haas für dieses außergewöhnliche Rezensionsexemplar! 🤍