Düster, ernst, abgründig
Ich liebe die Fragezeichen und hole nun im erwachsenen Alter Stück für Stück die Bücher nach. Obschon vor allem die frühen Episoden wunderbar zu hören sind, toppen die Bücher mMn alles. Die Detektive bekommen, natürlich, im Buch viel mehr Tiefe und Charakter, was mir zeitweise vor allem beim zweiten Detektiv fehlt. Dieser Fall ist für mich einzigartig. Ich habe mal gehört, wie jemand zum Ausdruck brachte, dass dieser Fall der ist, bei dem die drei Fragezeichen ihre Unschuld verloren haben und diese Einschätzung kann ich durchaus teilen.. Achtung latente Spoiler. Die Geschichte hat ihren Anfang in einer Gemeinschaftspraxis von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten, in deren Wartezimmer Justus eine alte Frau nach einem Zusammenbruch ihrerseits kennen lernt. Diese alte Dame, Abigail Holligan, hatte im Waschraum die Stimme ihrer Schwester gehört und geriet daraufhin in Panik und, nachdem ihr niemand Glauben schenkte, in Verzweiflung. Mrs. Holligan, zwar durchaus rüstig doch einsam, depressiv und dadurch sehr verwundbar, wird von ihrer verstorbenen Schwester auf diverse Art und Weise aus dem Jenseits gequält und terrorisiert, was sie unter anderem mit ihrer Therapeutin bearbeitet. Zunächst haben die Jungs Schwierigkeiten, an die Dame heranzukommen, um ihr ihre Hilfe zuteil werden zu lassen und auch untereinander kam es zu Streitigkeiten, da vor allem Peter keinen Fall sieht und Justus Beharrlichkeit als übergriffig und unangebracht empfindet. Doch das ungute Bauchgefühl des ersten Detektivs beschert ihnen Einblick in die Situation der alten Dame, welche von schlimmen Telefonanrufen ihrer eigentlich toten Schwester gepeinigt wird. Mehrere Personen geraten ins Visier der Jungs. Warum empfahl Dr. Franklin, die Therapeutin von Mrs. Holligan, ihr, sich mit ihren Sorgen niemandem anzuvertrauen? Welche Rolle spielt der langjährige Freund der alten Dame, welcher ihr damals das Haus, in dem sie lebt und in welchem sie nun nicht mehr sicher zu sein scheint, verkaufte? Und warum erhält die ohnehin schon völlig überforderte Frau gerade jetzt, nach über 50 Jahren, einen Brief ihres damals zur Adoption freigegebenen unehelichen Kindes? Wer hat es hier auf das Vermögen der Alten abgesehen? Aufgrund der Ermittlungen entschließen sich die Jungs, Bob als verdeckten Ermittler in die Sprechstunde der Therapeutin einzuschleusen, doch als die Detektive der Enthüllung des schrecklichen Geheimnisses auf die Spur kommen, nimmt der Fall eine tödliche Wendung. Unter Berücksichtigung vieler harter Themen, welche in diesem Jugendbuch bearbeitet werden, möchte ich einen Disclaimer aussprechen. Themen wie Sterbehilfe, Depression, Adoption, gezieltes Aufstacheln Todkranker oder der Versuch, kranke Menschen in den Tod zu treiben, sollte meiner Meinung begleitet und mit den Kindern, die das lesen, besprochen werden. Auf der anderen Seite finde ich es jedoch gut, Kindern etwas zuzumuten. Abschließend möchte ich noch eine Empfehlung für das Hörspiel aussprechen. Die Sprecherinnen für Mrs. Holligan und Dr. Franklin sind großartig und die Etappen, in denen man Zeug*in des Telefonterrors der toten Schwester wird, jagen mir heute noch einen Schauer über den Rücken. Damals wie heute auf keinen Fall eine Folge zum Einschlafen.



