Der vielleicht stärkste Band der Farben-des-Stahls-Trilogie, wenn auch ernster geschrieben denn je zuvor
Das war es jetzt also, das Ende der Fechtertrilogie. Außergewöhnliche Bücher in jedweder Hinsicht, in der Tat. Eine Leseempfehlung kann ich nur dann aussprechen, wenn man kein großes magisches Trara braucht, keine leidenschaftlichen Liebesgeschichten und vor allem kein Happy End. Hier ist nicht alles durchgeplant, nicht jeder Charakter trägt die Geschichte, so manche lassen uns auch nur schaudernd zurück. Lässt man sich darauf ein, hat man eine Reihe, die einem viel zu Verdauen gibt und in die Abgründe menschlicher Seelen blicken lässt. Schwere Kost - aber keine unbekömmliche! Der dritte Teil ist leider erheblich weniger unterhaltsam (sprich: ironisch) verfasst als noch der erste, dafür nimmt die Geschichte hier wirklich Form an und stärkt damit auch die Vorgängerbände, die dadurch an Bedeutung & Tiefe gewinnen. So schnell lässt mich diese Saga gewiss nicht los… Details (inkl. kleiner Spoiler): „Für gewöhnlich muss man vorher sterben, aber in Eurem Fall machen wir eine Ausnahme.“ Das ist der Tenor des Buchs. Doch obwohl im dritten Band der Fechter-Trilogie tatsächlich einmal relevante Charaktere sterben, so bringt dieses Zitat Bardas Loredans Leben gut auf den Punkt. Das Ende des Buchs ist für alle, die es erreicht haben (und im Grunde ebenfalls für die, die kurz vorm Ziel noch gescheitert sind), auf eine geradezu quälende Weise tragisch. Ein Zitat aus dem Buch fasst es vortrefflich zusammen: „Nachdem das Schlachtfeld geräumt war, war es endlich möglich, die Zahlen festzustellen und den Gewinner zu ermitteln. […] Die letzte akzeptable Kategorie, die der zu erreichen Ziele, war genausowenig hilfreich, da keiner genau definieren konnte, welche Ziele beide Seiten eigentlich verfolgt hatten oder ob sie überhaupt welche gehabt hatten; falls es sie gegeben hatte, hatte sie keiner erreicht. Das wiederum bedeutete, dass beide Seiten verloren hatten, was offensichtlich lächerlich war.“ Parkers Steckenpferd, die Militärtechnik & Strategie, werden hier wieder gründlich durchgespielt. Nachdem wir uns in „Stadt der Schwerter“ Waffenschmiedekunst und Tribock-Herstellung gewidmet haben und „Die Bogenmeister“ auf traumatische Weise das Bogenbauhandwerk thematisierte, kommt in „Die Steppenreiter“ jetzt das Rüstungsschmieden an die Reihe. Das macht das Buch (vor allem im letzten Viertel) spannend für Freunde historischer Schlachten und am Anfang für handwerklich Interessierte. Die in den Vorgängerbänden aufgebauten Charakterisierungen wurden hier noch einmal explizit angeprangert, so dass am Ende kein Gutes Haar an der Familie Loredan bleibt. Die offensichtlichen Mängel der Mitglieder auszusprechen, hilft, die Dynamiken wahrhaftig zu erfassen (so gut man einen Loredan eben zu fassen vermag). Der einzige Charakter, der bis zum Ende weder einfältig, nutzlos, lowkey bösartig oder tot ist, ist Athli Zeuxis. Sehr schade, dass man nicht noch mehr über sie erfährt. Und dass es doch nichts mehr mit ihr und einem gewissen Jemand wird. Generell bleibt vieles rätselhaft und offen, auch wenn man allmählich zu verstehen scheint, wie das ominöse „Prinzip“ wirkt. Aber doch nur ganz grob. Wie auch, wenn selbst die führenden Experten im Buch es nie ganz begreifen. Man fühlt sich genauso hilflos wie sie - und das ist der eigentliche Geniestreich daran. Das Ende trifft einen - wie in allem drei Teilen - wie ein unvermittelter Hammerschlag, von dem man sich erst erholen muss (inklusive der wohldosierten Grausamkeit, die mich nach der in Teil 2 zumindest nicht mehr überraschen konnte). Ein paar Seiten mehr hätten hier nicht geschadet, zumal es nicht nur das Ende des Buchs sondern der ganzen Reihe ist. Überstürzte Enden scheinen zu Parkers Handschrift zu gehören und wenn sie einen doch nicht versöhnen können, so bringen sie einen doch zumindest aus dem Tritt. Was vermutlich genauso gewollt ist. Bedauerlich, dass ich Bardas Loredan nun verlassen muss, obwohl er gewiss ein Wahnsinniger ist. Leb wohl!
