4. März
Rating:3

„Der Feind, den du siehst, ist dein geringstes Problem“ (gleiches gilt für den Plot)

Ein wenig verwirrend ist dieses Low-Fantasy-Abenteuer durchaus. Parkers Handschrift - seine feinen ironischen Zwischentöne, die detailreichen Beschreibungen von Kriegsgerät und seiner Bauweise, ein pfiffiger und sarkastischer Hauptcharakter, der gegen seinen Willen in eine Position mit Verantwortung gezwungen wird und nicht zuletzt wiederkehrende Zitate - ist deutlich zu spüren. Tatsächlich haben wir hier ausnahmsweise mal ein wenig Magie im Spiel, obwohl sie sich selbst weigern würde, so bezeichnet zu werden. Sie ist eher vergleichbar mit der Macht aus Star Wars, nur dass sie hier „das Prinzip“ heißt und eher im Hintergrund Auswirkungen auf das Leben zu haben scheint. Viele Charaktere haben keine Vorstellung davon oder glauben gar nicht erst an sie. Richtig beherrschen kann sie keiner. Es gibt zahlreiche Perspektivwechsel, die teilweise ineinander verschwimmen. Gerade die „Prinzip-Träume“ sind oft verwirrend und lassen des Lesefluss leider etwas stocken. Vielleicht klärt sich die Wirkungsweise - und wichtiger: Relevanz - noch in den zwei Folgebänden. Auch wenn Bardas Loredan als Hauptcharakter adressiert wird, so nehmen die Figuren Temrai und Alexius fast ebenso großen Raum ein. Doch der Autor greift sich alle möglichen Charaktere als Erzähler, wenn es ihm gerade opportun erscheint, ohne deren Geschichte tatsächlich zu verfolgen. Sie arbeiten der Erzählung gewissermaßen zu, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Gerade Bardas Loredan hat keine kontinuierliche Entwicklung. Er stellt sich eben der Situation, der er gerade ausgesetzt wird. Er hat keine wirklichen Ziele, dafür eine wirre Vergangenheit. Andere Charaktere sind einfach nur unangenehm. Manche Wendungen scheinen komplett sinnlos zu sein, was zwar irgendwo realistisch wirkt, aber man bleibt irritiert zurück, weshalb so viele Seiten auf etwas verschwendet wurden, was am Ende keinerlei Effekt hat. Der Schreibstil vermittelt nicht nur eine gute Kenntnis von mittelalterlicher und antiker Kriegsführung, sondern auch einer hervorragenden von Menschen. Überall scheint leichte Ironie durch, doch ist dies kein humoristisches Werk. Die Geschichte hätte mir deutlich schlechter gefallen, wäre sie mit dem Bierernst eines anderen Autoren erzählt worden (und noch viel schlechter, wäre es vom modernen Young-Adult-Schlag). Sicherlich ist das nicht für jeden etwas und das Buch weist deutliche Schwächen auf, aber ich hoffe, dass die Charakterentwicklung in den Folgebänden in die Puschen kommt. Der Schreibstil wäre 4,5 Sterne wert, die Story 2,5, die Charaktere 2 (obwohl ich an Loredan irgendwie einen Narren gefressen habe). Ich vergebe einfach mal 3 insgesamt.

Die Farben des Stahls / Stadt der Schwerter
Die Farben des Stahls / Stadt der Schwerterby K J ParkerDroemer Knaur