
Mir gefallen die Bücher von Barbara Demick. Sie berichtet sehr feinfühlig, ohne zu beschönigen. Klare Leseempfehlung für alle, die mehr über die Auslandsadoptionen und die Ein-Kind-Politik (1979–2015) in China erfahren möchten. 🇨🇳
Ein kleiner Ausschnitt (S. 39): Die Familienplanung drang auf krasseste Weise in die Intimsphäre ein. Fabrikarbeiterinnen mussten melden, wenn sie menstruierten. Gelegentlich verlangten die Inspektoren, ihre blutigen Binden zu sehen. («Die Periodenpolizei» nennt sie die Autorin Lijia Zhang in ihrem Buch Es lebe der Sozialismus!, ihre Erinnerungen an ihre Zeit in einer Raketenfabrik.) Nach der Geburt des ersten Kindes waren Frauen verpflichtet, sich eine Verhütungsspirale einsetzen zu lassen – ein besonderes Modell, das sich ohne qualifizierte medizinische Hilfe nicht leicht wieder herausnehmen ließ. Ob es an Ort und Stelle blieb, wurde mit regelmäßigen Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen überprüft. An manchen Arbeitsplätzen mussten Frauen immer wieder Urinproben abgeben, um zu beweisen, dass sie nicht schwanger waren.
