15. Feb.
Rating:3.5

Was Shakespeare verschwieg...

Lady Macbeth. Kaum eine Figur ist so eindeutig abgestempelt worden. Machtgierig, skrupellos, kalt. So hat sie William Shakespeare gezeichnet – und dieses Bild hat sich festgesetzt. Frauen mit Ehrgeiz? Verdächtig. Frauen mit Einfluss? Gefährlich. Val McDermid macht in Queen Macbeth genau das, was längst überfällig war: Sie schaut noch einmal hin. Und plötzlich steht da keine Hexe mehr, sondern eine kluge, strategisch denkende Frau, die in einer rauen, männlich dominierten Welt versucht, zu überleben. Die Geschichte wird in zwei Ebenen erzählt. Zum einen begleitet man die Flucht – angespannt, unsicher, immer mit dem Gefühl, dass die nächste Entscheidung alles kippen kann. Dazwischen blenden Rückblicke zurück zum Anfang der Beziehung zwischen Gruoch und ihrem Macbeth. Diese Szenen haben mir besonders gefallen, weil sie zeigen, dass zwischen den beiden mehr war als Machtstreben. Da ist Nähe, Leidenschaft, echtes Vertrauen. Gerade dadurch wird die Figur greifbar. Sie handelt nicht aus reiner Bosheit, sondern aus Überzeugung, aus Loyalität, aus politischem Instinkt. Man muss ihre Entscheidungen nicht gutheißen – aber man versteht sie. Und das ist ein großer Unterschied. Was ich stark fand: McDermid schreibt Lady Macbeth nicht als moderne Heldin mit erhobenem Zeigefinger. Sie bleibt eine Figur ihrer Zeit. Hart. Klug. Manchmal kompromisslos. Aber nachvollziehbar. Das wirkt ehrlich. Einziger Kritikpunkt: Mir war das Buch stellenweise zu knapp. Manche Szenen hätten mehr Raum vertragen. Die politischen Spannungen, die inneren Konflikte – da hätte ich gern noch tiefer eingetaucht. Die Geschichte hat Substanz, sie hätte auch auf mehr Seiten getragen. Trotzdem bleibt ein positives Gesamtgefühl. Queen Macbeth ist keine wütende Abrechnung mit Shakespeare, sondern eine neue Perspektive auf eine alte Geschichte. Und genau das macht es spannend. Literatur lebt davon, dass man sie neu erzählt. Und manchmal merkt man erst beim zweiten Blick, wie einseitig der erste war.

Queen Macbeth
Queen Macbethby Val McDermidDroemer
30. Nov.
Rating:2

Das Buch finde ich schön gestaltet, es ist allerdings jetzt auch nicht herausragend, dass es einem ins Auge springen würde. Das Buch war leider nicht so mein Fall. Ich habe das ganze Buch hindurch überhaupt nicht hineingefunden und es konnte mich nicht überzeugen. Für mich persönlich war es leider überhaupt nicht spannend. Ich bin auch mit den Figuren überhaupt nicht warm geworden. Gefallen hat mir, dass es zwei Zeitstränge gab. Trotz der Dünne des Buchs hat es sich für mich irgendwie gezogen. Fazit: Leider so gar nicht meins und für mich nicht spannend.

Queen Macbeth
Queen Macbethby Val McDermidDroemer
8. Nov.
Rating:3

📬 Reziexemplar=Werbung 📭 Ganz vorweg muss ich gleich mal gestehen, dass ich Shakespeares Macbeth nicht gelesen habe. Bisher kannte ich es nur vom Namen her. Somit kann ich natürlich keinen Vergleich zwischen seiner Version und der von Val McDermid ziehen. Als ich aber gesehen habe, dass sie, eine Meisterin des atmosphärischen Erzählens, sich der Geschichte angenommen hat, war ich neugierig. Was schon vor dem Lesen klar wurde, ist, dass die beiden Geschichten sich inhaltlich unterscheiden. Die Autorin ist nämlich mit Shakespeares Version alles andere als einverstanden. Dies macht sie in ihren vorangestellten Anmerkungen mehr als deutlich. Sie bemängelt, dass Shakespeare aus Macbeth und seiner Frau machthungrige, blutgierige Tyrannen gemacht habe und die beiden in Wahrheit sogar anders hießen. Macbeth hieße eigentlich Macbethad und Lady Macbeth eigentlich Grouch. Auch die geografischen Gegebenheiten seien falsch. Das las sich irgendwie ein bisschen aggro und ließ mich doch ein wenig schmunzeln. Als hätte die schottische Schriftstellerin mit dem englischen Barden ein zeitversetztes Hühnchen zu rupfen. In ihrer Version hat sie sich für zwei Zeitstränge entschieden, die abwechselnd erzählen. Ich habe anfangs Mühe gehabt, zu kapieren, wo wir jetzt gerade unterwegs waren, aber mit der Zeit war das kein Problem. Der Handlung konnte ich irgendwann mühelos folgen. Eine größere Herausforderung stellte für mich dagegen die Sprache dar. Sie schreibt zwar nicht altenglisch, wie zu Zeiten Macbeths, und auch nicht frühneuenglisch wie Shakespeare, sondern ganz „normal“, also so wie wir heute. Aber es liegt halt in der Natur der Sache, dass viele alte Namen und Begriffe verwendet werden und man es daher nicht so ruckizucki weglesen kann. Die ausführlichen Beschreibungen in Kräuter- und Pflanzenkunde waren für mich beispielsweise immer wieder eine kleine Bremse. Alles in allem war das ein etwas anderes, aber sehr interessantes Leseerlebnis. Und wem es besonders gut gefällt, der wird sich freuen, dass „Queen Macbeth“ Teil der britischen Reihe „Darkland Tales“ ist, in der bekannte Autor*innen schottische Geschichte neu erzählen. Vielen lieben Dank @droemerknaur ❤️

Queen Macbeth
Queen Macbethby Val McDermidDroemer
1. Okt.
Rating:4

Queen Macbeth ist ein sehr kurzweiliger Roman. Am Anfang haben mich die vielen Namen verwirrt, doch wenn man einmal durchgestiegen ist, ist die Geschichte kurz und gut erzählt. Auch die zwei Erzählstränge fand ich anfangs unerwartet, doch wenn man sich daran gewöhnt hat, macht auch das Sinn und ist gut umgesetzt. Dieses Buch ist kurz, aber gut.

Queen Macbeth
Queen Macbethby Val McDermidDroemer
27. Juli
Rating:4

It’s definitely worth revisiting Shakespeare’s Macbeth before diving into Queen Macbeth. McDermid argues that Shakespeare presents an action-packed tale of Macbeth’s adventurous life: one with little connection to historical fact. She sets out to correct that record, which hints at how this novella should best be read: as an essay. The plot sometimes feels jumpy, and the shifts between two timelines can be confusing at times, but this isn’t a flaw so much as the deeper intention of the novella ties them together. It’s vital for the reader to see the bigger picture of rehumanising Lady Macbeth and remain open to the new dimensions this work brings to the broader Macbeth mythos. This isn’t a retelling in the traditional sense, but a reframing—thoughtful, assertive, and grounded in the desire to reclaim a story long shaped by others. While McDermid’s writing is thoroughly sharp in its poetry, beautifully descriptive and witty, the reader is thrown into an already-existing world, which only grants little time to think, get to know the characters or understand the circumstances. Queen Macbeth tells her story - this is her point of view, her attempt to set things right. Her tone feels authentic throughout, Lady Macbeth is woman and human - far off from the demonic version that Shakespeare utilises to advance the plot of his tragedy. The novella itself may be subject to critique regarding storytelling aspects - which are not entirely unfounded, though they do not take away from the core of this book: Lady Macbeth has a story to tell that distances her from the version the broad public knows, the version that has been scholarly discussed in various ways and the version that continuously gets exploited to make a point of “the monstrous female“. McDermid has written a novella that reads like an ode to strong women, female solidarity and setting things (historically) straight - which makes space for tenderness, magic, love, queerness, ambition - in all the achingly human ways. Consider me duly impressed, if still a little confused. Calls for a reread :)

Queen Macbeth
Queen Macbethby Val McDermidDroemer