Entscheidend ist die Perspektive
Ich habe das Buch eben beendet, nachdem ich (an einem freien Tag) die „letzten“ 250 Seiten an einem Stück gelesen habe. Was sagt das aus über ein Epos, dessen ersten Teil ich ob seiner erzählerischen und sprachlichen Mängel hart kritisiert habe? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Ich denke, die große Stärke des zweiten Bandes liegt darin, dass er den großen Kampf des ersten auf eine ganz andere Ebene bringt. Das ist sicherlich auch das grundlegende Konzept hinter der Zweiteilung der Geschichte, aber schlichtweg gut gemacht und sehr viel mehr als die lineare Darstellung einer Rebellion. Die Schauplätze variieren ebenso wie die Abenteuer, die die Protagonisten erleben. Und auch bei den Rückschlägen und den Verlusten, die sie erleiden, folgt der zweite Band dem ersten in seiner beinahe sachlichen und wie selbstverständlichen Darstellung. Kurz: Beide Bücher gehören unverkennbar zusammen, sind zwei Teile eines großen Ganzen, und unterscheiden sich vor allem in einer subtilen, wenn auch entscheidenden Verschiebung bei der Bewertung und Deutung des Geschehens. Sprachlich ist der zweite Teil dabei leider genauso limitiert wie der erste. Vor allem die grammatikalische Einfachheit, die mitunter mindestens eigenartig anmutende Wortwahl und das Fehlen jeglicher erzählerischer Tiefe stehen in krassem Kontrast zur Dramatik und Schwere des Erzählten und der vielen Details des Settings. Diese wirken zwar situativ und szenisch gelegentlich deplatziert, verfehlen aber doch selten ihre Wirkung: Das Hervorheben der Faszination einer sich im Umbruch befindlichen Welt, gesellschaftlich wie landschaftlich. Die Liebe und Verbundenheit des Autors zu diesem Thema ist unverkennbar, und wenngleich ich oft das Gefühl hatte, immer wieder dramaturgischen Stereotypen zu begegnen, so entwickelt sich doch eine zum Ende hin immer stärker werdende Sogwirkung, bei der das Mitfiebern und Hoffen jegliche Skepsis zu Plausibiliät in den Hintergrund drängt. Und so bleibe ich dabei: Die beiden Bücher erzählen auf leider etwas unbeholfene Art eine dramatische Geschichte, die mit ihrer Liebe zum Schauplatz und der Nähe zu realen Ereignissen mitreißen kann, wenn man sich darauf einlässt. Und insbesondere wie sich die Wertung des Geschehens, wie alles zu einem Ganzen gefügt wird, lässt mich den zweiten Band stellvertretend für das gesamte Epos etwas besser bewerten als den ersten Band.


