20. Okt.
Rating:4

Um sich gegen den neuen Fürstbischof von Würzburg zur Wehr zu setzen, möchte Marie das Angebot des thüringischen Grafen Herrenroda annehmen, der seinen Sohn mit Maries Tochter Trudi verheiraten möchte. Sie folgt gegen den Willen von Michel einer Einladung auf die Waldburg. Dort entgeht sie mit ihrer Tochter nur mit knapper Not einem Meuchelmord an der ganzen Sippe und muss gemeinsam mit einer verletzten Nonne sich durch Thüringens Wälder schlagen. Das bringt alle Beteiligten mehr als einmal an die Belastungsgrenze, denn die Nonne wird gesucht. Sie ist die einzige Hinterbliebene der niedergemetzelten Familie und damit Heiratspotential für viele, die ihren Machtbereich erweitern wollen. In der Zwischenzeit nutzt der Vertreter des Fürstbischofs die Abwesenheit von Michel und Marie aus und besetzt Kibitzstein. Es braucht Maries ganze Kraft und Schläue ihre Familie vor Unbill zu bewahren. Der siebte Band der „Wanderhuren“-Reihe folgt nicht der Chronologie. Vielmehr spielt er in einer Zeit, als Michel noch lebt und Trudi erst 14 Jahre alt. Das hat mich nicht weiter gestört, vielmehr war es schön alle liebgewonnen Charaktere wiederzutreffen. Nach dem ich „Töchter der Sünde“ gelesen hatte, hatte ich mir eigentlich fest vorgenommen nie wieder ein Buch von Iny Lorentz zur Hand zu nehmen, so enttäuscht war ich von dem flachen Plot. Aber mein Drang zur Vervollständigung zwang mich doch dazu das Buch aus meiner Bibliothek mitzunehmen. Es war um Längen besser als der letzte Roman. Ich bekam wieder eine Ahnung warum die Wanderhure früher zu meinen Lieblingsbüchern gezählt hat. Die Bösen beschrieben nicht mehr Händereibend ihre Pläne, auch wenn ein paar fiese Finsterlinge dabei waren, hatte ich doch nicht das Gefühl sie hätten nur die Motivation die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Männer wollten auch nicht sofort bei jeder Gelegenheit den Weibsbildern unter den Rock, auch wenn hin und wieder die Absicht geäußert wurde. Die Protagonisten, zeigten eine Charaktertiefe, wie man sie nur selten in den Büchern des Autorenpaares antrifft. Dieser Teil war überraschend gut, wenn auch nicht so gut, wie die ersten Teile, die ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Bei den ganzen Adelstiteln, bin ich dann irgendwann ausgestiegen. Es waren mir zu viele regionale Fehden und solange ich die Handlungsbestimmenden Verstrickungen im Blick hatte, habe ich den Rest ausgeblendet. Marie hat in diesem Teil nichts von ihrem Charme und Witz eingebüßt auch wenn sie nun schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist. Die Beschreibung von Michels Feldzug in Österreich hätte ich bei weitem nicht gebraucht, denn zur Spannungssteigerung hat er so gar nicht beigetragen. Vielmehr füllt das Autorenehepaar damit zusätzliche Seiten, vielleicht um zu zeigen, wie gut sie recherchieren können. Ich hätte viel lieber länger bei Marie und Trudi verweilt. Gern hätte ich auch noch ein wenig mehr über den Waldgrafen erfahren, denn er schien ein vielversprechender, vielschichtiger Charakter zu sein. Leider kam er zu kurz. Dafür stand sein dümmlicher, verkrüppelter Adlatus im Vordergrund und obwohl er ohnehin nicht dazu angedacht war, Sympathien zu wecken, hätte man ihn meinethalben auch komplett weglassen können. Nach der Lektüre dieses Bandes muss ich mich korrigieren. Sollte noch ein weiterer Band der Wanderhure erscheinen, werde ich ihn höchstwahrscheinlich auch lesen.

Die Wanderhure und die Nonne
Die Wanderhure und die Nonneby Iny LorentzKnaur Taschenbuch