In Kate Atkinsons Spionageroman DECKNAME FLAMINGO geht es um Julia Armstrong, eine Angestellte beim britischen Geheimdienst, die sich eher zufällig in der Rolle einer Geheimagentin wiederfindet. Julias Geschichte spielt hauptsächlich im Jahr 1940, mit weiterführenden Handlungssträngen im Jahr 1950 und einem einzigen Tag im Jahr 1981. Durch das Springen in der Zeit, habe ich ein paar Seiten gebraucht, um in die Geschichte reinzufinden, denn obwohl es sich um einen fiktiven Roman handelt, bedient er sich doch sehr realer Menschen, Institutionen und Weltgeschehen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und obwohl die Autorin sagt, dass nichts an ihrer Geschichte wahr ist, so denke ich, dass es da draußen eine Menge Julia Armstrongs gab, die genau das erlebt haben.
Eher 3,5
Gefühlt habe ich eine Ewigkeit gebraucht, "Deckname Flamingo" zu lesen. Immer wenn ich es zur Hand genommen habe, habe ich darin wirklich gerne gelesen. Es ist sehr faszinierend geschrieben und ich lese gerne über weibliche Spione während des zweiten Weltkrieges. Außerdem war mir tatsächlich über die Operationen des MI5 gegenüber den britischen Faschisten in England nur wenig bekannt. Trotzdem fiel es mir ebenso einfach das Buch immer wieder für andre Lektüre zu unterbrechen.
Manches hat mich auch ehrlicherweise verwirrt, ich habe tatsächlich nicht so ganz verstanden, wer denn nun für wen wann gearbeitet hat *gg*
Ich frage mich gerne mal, was eigentlich Spione machen, wenn sie keine Spione mehr sind. Bleiben sie für immer Spione/Spioninnen oder leben sie irgendwann ein anderes Leben? Julias Arbeit für den BBC fand ich spannend, da ich die Geschichte des Rundfunk generell interessant finde. Außerdem kommt auch gerade dadurch Humor in die Handlung, denn Julia hat einige recht Spitze Bemerkungen über ihre Arbeit auf Lager *g*
Es gelingt der Autorin sehr gut, durch wenige Worte teilweise, in die jeweilige Zeit einzufinden. Sie schafft durch Kleinigkeiten Authentizität. Das gefiel mir ebenfalls sehr gut.
Manches wirkt auf den ersten Blick etwas langweilig, die Arbeit einer Spionin wie Julia ist oft uninteressanter gewesen, als man sich das heute im Hinblick auf James Bond und Co. vorstellt. Ellenlanges abtippen von Protokollen, langweilige Gespräche die man nur deshalb führt, damit einem vertraut wird. Trotzdem merkt man auch, das die Rückblicke sich in gewisser Weise auf ein Ereignis zubewegen, das zeigt das Julia vielleicht nicht ganz so harmlos ist und vielleicht nicht ganz so in die Sache hineingestolpert ist, wie es aus ihrem Blickwinkel dargestellt wird. Ich habe nicht den Eindruck, sie wirklich kennen gelernt zu haben. Eher kenne ich die Rolle, die sie auch nach dem Krieg begonnen hat ein zu nehmen.
Es hat mich wie gesagt oft dann nicht dazu gezogen, den Roman weiter zu lesen. Das hat sicher auch dazu beigetragen das ich über die zahlreichen Figuren ein wenig den Überblick verloren habe.
Atkinson hat mich neugierig auf Spioninnen gemacht *gg*
Aber ein echtes Highlight ist der Roman dann leider nicht geworden. Ich denke zum Teil lag das auch an den vielen Unterbrechungen. Trotzdem würde ich "Deckname Flamingo" empfehlen, vor allem dann, wenn man eher an historischer Authentizität als an Abenteuergeschichten a la James Bond interessiert ist.