Da ist Jon, der von der Schule verwiesen wurde und nun nach einer neuen Perspektive sucht. Und da ist Benno, der aus der DDR ausgebürgert wurde und nun in seine Heimat zurückkehrt. „Er ist ein Ausreißer, und ich bin ein Ausgereister.“ Sie haben scheinbar wenig und dann doch ganz viel gemeinsam, als sie sich über den Weg laufen. Die titelgebende ‚Sunny‘ ist nur eine Nebenfigur, aber symbolisch für den Roman: die nicht erreichbare Angebetete, die Seelenverwandte, die doch nah bleibt. Und eine solche Figur gibt es als Parallele in beiden Handlungssträngen. Die Geschichte hat etwas Magisches, aus der Zeit Gerissenes, da die Treffen am verwilderten Standort einer Jugendhochschule der DDR längst verblasste Erinnerungen zu Tage bringen. „So richtig real hörte sich das alles nicht an, dennoch glaubte er jedes Wort und wollte noch mehr hören, über dieses Hogwarts der DDR, »das es leider nun nicht mehr gab.“ Karin Kalisa trifft einen besonderen Ton, der die Empfindsamkeit ihrer Figuren unterstreicht. Diese entsprechen keinen Klischees, sondern hadern mit ihrem Schicksal und schaffen es doch, sich einander zu öffnen. Sie sind liebenswert, weil sie ihrem moralischen Kompass folgen und über alle Krisen hinweg an ihren Werten und an ihrer Liebe festhalten. Mir gefällt, wie die Geschichten, ganz ohne Kitsch, miteinander verbunden werden.
Die Vielschichtigkeit der Liebe
„Dreh dich zur Sonne und lass den Schatten hinter dir.“ **** Worum geht es? **** Zwei Epochen, zwei unterschiedliche Männer, die zu Gefährten werden. Was sie verbindet: die Liebe. Und so suchen vier Herzen im Einklang – in einer Welt mit all ihren Verfehlungen – nach dem richtigen Zeitpunkt für das Glück. **** Mein Eindruck **** Der Erzählstil ist äußerst gelungen und faszinierend: Obwohl sich im Titel und Geschehen vieles um Sunny – beziehungsweise die Liebe selbst – dreht, erleben wir die Geschichte aus den Perspektiven zweier ungleicher Männer. Der eine ist noch fast ein Junge, ohne klare Zukunftsperspektive, der andere deutlich erfahrener – und dennoch ebenso verloren. Wir blicken auf unterschiedlichste Facetten der Liebe und erleben eine Welt voller verpasster Chancen und neu entstehender Möglichkeiten. Besonders die Altersspanne der Figuren verdeutlicht: Es ist nie zu spät! Spannend war zu verfolgen, wie sich die Geschichten Stück für Stück verweben – mit zunehmender Dynamik, schnelleren Perspektivwechseln und neuen Akteuren. Das Buch ist gesellschaftlich-philosophisch, stellenweise historisch und bleibt dabei leise, aber wirkungsvoll. Generationen und Weltbilder treffen aufeinander, verschmelzen in der Hitze des Sommers, und am Ende bleibt eine stille, unaufdringliche Hoffnung zurück. Mir hat das Buch große Freude bereitet. **** Empfehlung? **** Ein Buch für alle, die sich auf eine feinfühlige, vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe einlassen möchten, jenseits gängiger Klischees.
Abgebrochen
Leider hat mir der Schreibstyl gar nicht gefallen, für mich wirkte alles zu weit ausgeholt und dadurch sehr verwirrend.


