Zwischen Neugier und Verwirrung – Ein spannender, aber vorhersehbarer Psychothriller
Mimik beginnt mit einer Frage, die sofort Aufmerksamkeit erzeugt: Welche Mutter ist so grausam und will sich und ihr Kind auf den Gleisen umbringen und warum verletzt ein Kindergartenkind einen erwachsenen Mann mit einem Messer so schwer, dass er um sein Leben kämpft? Genau diese Art von Einstieg sorgt dafür, dass man direkt weiterlesen möchte. Das Buch schafft es besonders in der ersten Hälfte, eine starke Neugier aufzubauen. Man möchte unbedingt verstehen, was wirklich passiert ist und ob Hannah tatsächlich ihre Familie getötet hat. 👀 Besonders angenehm zu lesen sind die kurzen Kapitel. Dadurch entsteht ein guter Lesefluss und man hat ständig das Gefühl, „nur noch ein Kapitel“ lesen zu wollen. Auch der doppelte Schreibstil mit parallel erzählten Perspektiven hat mir sehr gut gefallen, weil er Dynamik in die Handlung gebracht hat. 👍🏻 Allerdings war die Geschichte über weite Strecken auch sehr verwirrend. Man bekommt lange kaum konkrete Anhaltspunkte und weiß oft nicht, worauf die Handlung eigentlich hinauswill. Das sorgt zwar für Rätselspannung, gleichzeitig wirkte vieles aber auch etwas ziellos. Erst etwa ab der Hälfte konnte ich erahnen, in welche Richtung die Geschichte tatsächlich geht. Im Mittelteil verliert das Buch für mich deutlich an Tempo. Einige Erzählstränge ziehen sich unnötig in die Länge oder wirken wie Ablenkungen, die lediglich falsche Fährten legen sollen. Gerade das letzte Drittel hätte deutlich straffer erzählt werden können. Dazu kamen einige Szenen, die für mich sehr unrealistisch wirkten. Beispielsweise gibt es eine Situation, in der eine gefesselte Person ein komplett zerstörtes Telefon wieder zusammensetzt – obwohl sie an einen Heizkörper gebunden ist. 🫠 Was mich außerdem enttäuscht hat, war der Umgang mit dem Thema Mimikresonanz. Gerade deshalb wollte ich das Buch lesen, weil ich gehofft hatte, mehr über Mimik, Körpersprache und menschliches Verhalten zu erfahren. Tatsächlich nimmt dieser Aspekt aber nur einen sehr kleinen Teil der Handlung ein. Hannah analysiert zwar Videos, doch insgesamt wirkte das Thema eher wie ein Aufhänger als ein wirklicher Schwerpunkt der Geschichte. 🥲 Trotzdem hatte das Buch durchaus seine Stärken: Ich habe während des Lesens immer wieder neue Theorien entwickelt. Manche davon haben sich bestätigt, andere nicht. Genau dieses Miträtseln macht das Buch unterhaltsam und sorgt dafür, dass man dranbleibt. Auch Triggerwarnungen wären meiner Meinung nach sinnvoll gewesen. Der Klappentext deutet nicht an, wie drastisch manche Themen und Ereignisse tatsächlich sind. ‼️Achtung Spoiler‼️ Schon relativ früh hatte ich das Gefühl, dass Hannah unmöglich ihre Familie getötet haben kann – dafür wäre die Auflösung einfach zu offensichtlich gewesen. Einige Entwicklungen waren für mich deshalb recht vorhersehbar. So war mir beispielsweise schnell klar, dass die Mutter aus Kapitel eins Hannahs Mutter sein musste. Auch bei dem kranken Jungen, der seine Oma im Schneemann versteckt hatte, hatte ich früh eine Vermutung. Interessant fand ich, dass mir Blankenthal im Verlauf des Buches immer sympathischer wurde, obwohl er anfangs eher undurchsichtig wirkte. Am Ende bestätigte sich dann auch mein Verdacht, dass er die Polizei gerufen hat und letztlich doch zu den „Guten“ gehört. Auch Simone wirkte auf mich nie so, als wolle sie ihre Tochter töten – vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sie wirklich nur sich selbst das Leid nehmen wollte. Dass Telda etwas verheimlicht, wurde für mich ebenfalls früh deutlich, besonders weil sie Dinge wusste, die sie eigentlich nicht wissen konnte, etwa Details zu den Stichverletzungen. Deshalb war die Enthüllung rund um sie und den Fischerman für mich kein großer Schock. Die eigentliche Überraschung sollte wohl Pauls Geständnis sein. Für mich war jedoch auch das relativ früh absehbar: Das Messer in der Kita, die Gitarrensaite, die barfüßige Person und die Entschuldigung passten einfach zu gut zusammen. Außerdem gab es insgesamt nicht viele Figuren, bei denen die Tat logisch Sinn ergeben hätte. Am Ende blieb bei mir deshalb das Gefühl zurück, dass das Buch zwar einige Twists besitzt, viele davon aber recht früh vorhersehbar sind. Zudem wurden manche Handlungsstränge – etwa rund um Simone oder teilweise auch Blankenthal – für mich nicht wirklich zufriedenstellend aufgelöst. Bin mal gespannt, wie ich die anderen Fitzeks auf meinem SuB finde… 😅





























































