Solidarität, Macht und das Potenzial gemeinsamer Veränderung
In „Revolution der Verbundenheit - Wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert” schreibt Franziska Schutzbach über Solidarität, die in unserer individualisierten Gesellschaft oft zu kurz kommt. Sie zeigt, wie weibliche Verbundenheit nicht nur ein persönliches Ideal, sondern eine politische Kraft sein kann. Schutzbach versteht Solidarität als Gegenentwurf zu Konkurrenz und Vereinzelung, als Haltung, die Machtverhältnisse sichtbar macht und gesellschaftliche Veränderung ermöglicht. Besonders stark ist das Buch dort, wo es theoretische Überlegungen mit aktuellen gesellschaftlichen Beobachtungen verbindet und aufzeigt, wie eng Solidarität mit Fragen von Geschlecht, Macht und sozialer Gerechtigkeit verknüpft ist. Das Buch ist zugänglich geschrieben und inhaltlich reflektiert. Schutzbachs Argumentation ist nachvollziehbar. Weniger überzeugend sind die Briefe, mit denen jedes Kapitel beginnt, sie wirken etwas überflüssig und bremsen den Lesefluss.„Revolution der Verbundenheit” macht deutlich, wie politisch aufgeladen auch Zusammenhalt und Fürsorge sein können, besonders dann, wenn sie gesellschaftlichen Normen widersprechen. Mit einer Bewertung von 4/5 ist das Buch ein kluger Beitrag zur Debatte um Feminismus, Gemeinschaft und gesellschaftlichen Wandel.
Das Buch in sattem tannengrün mit pinker Schrift ist ein ziemlicher Eyecatcher - außer am monochromen eReader-Display. Inhaltlich ist "Revolution der Verbundenheit" von Franziska Schutzbach in beiden Fällen ein Mindcatcher. Sie beleuchtet darin die Beziehungen von Frauen untereinander und stellt diese in einen historischen und persönlichen Kontext. In fünf Kapitel widmet sie sich Freund:innenschaften, familiären Frauenbeziehungen, Liebe/Begehren, Sisterhood in der Gesellschaft sowie weiblicher Verweigerung. Besonders gefallen hat mir, dass jedes Kapitel unterschiedliche Denkanstöße und Quellen - soziologisch, philosophisch, literarisch - diskutiert und diese miteinander verschränkt. Auf fast jeder zweiten Seite kam mir der Gedanke: Daran habe ich ja noch gar nicht gedacht!
Auch wenn die fünf Kapitel jeweils mit einem Brief und damit mit einem persönlichen Bezug zu Schutzbachs Leben beginnen, ist dieses Buch in wissenschaftlicher Weise verfasst und damit nicht für jede:n einfach zugänglich. Die kurzen Unterkapitel und die unterschiedlichen Zugänge machen es aber gut lesbar. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, Franziska Schutzbach bei ihrem Recherche- und Analyseprozess hautnah zu begleiten.
Danke an Droemer Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar.
In "Revolution der Verbundenheit" nimmt Franziska Schutzbach die Beziehungen von Frauen unter die Lupe - seien es Mutter-Tochter-Gespanne, Freund:innenschaften oder politische Verbündete -, analysiert die(se) Geflechte, wie sie vom Patriarchat (un)gewollt sind, welche (gefährlichen und entzweienden) Narrative gestreut werden, welche Alternativerzählungen es gibt, und wie die Beziehung(en) in der Zukunft aussehen könnten (und sollten), um - sehr vereinfacht dargestellt - das Patriarchat zu stürzen. "Ein leidenschaftliches Plädoyer für stärkende, ermutigende weibliche Beziehungen", indeed.
Ich habe mich mit dem Schreibstil dieses Buches sehr schwer getan, da ich es weniger als eine Sammlung von Essays (und Briefen) sehe, sondern als eine gründliche philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema. Vor allem durch das erste Kapitel habe ich mich hart gequält, einfach weil die Sprache so kompliziert gewählt wurde, dass ich über einige Sätze mehrfach lesen musste. Das, und ehrlicherweise auch die wenig authentisch wirkenden Briefe an Frauen im Leben von Schutzbach zu Beginn jedes Kapitels, hat mir die Lesefreude ein wenig gedämpft. Zudem, als die Autorin zu Beginn Freundinnenschaften tiefer analysiert hat, und zum Schluss kam, dass viele dieser Verbindungen eher oberflächlich sind, wo lediglich über das gesprochen wird, was man tagtäglich erlebt (statt Ideen und Gefühle zu diskutieren), musste ich aus meiner persönlichen Erfahrung vehement widersprechen. Meine Freundinnenschaften sind prinzipiell genauso intensiv und bereichernd wie meine romantische Beziehung - allerdings würde ich auch behaupten, dass die meisten neurodivergenten Menschen solche Arten von Beziehungen führen, da alles andere, was zu oberflächlich ist, einfach zu anstrengend und nicht wirklich wert ist, fortgeführt zu werden. Dennoch musste ich natürlich wiederum zustimmen, als Schutzbach von Veränderungen sprach, die sich nun mal einstellen, wenn eine oder beide Personen in einer Freundinnenschaft Kinder kriegen und man selbst einfach im Alltag versinkt.
Über diese Punkte hinaus fand ich das Buch wieder hervorragend. Franziska Schutzbach hat eine wirklich sehr einzigartige Art und Weise an Themen heranzutreten und diese wirklich gründlich zu analysieren. Auch wenn ich mit einer etwas anderen Erwartungshaltung ans Buch ging (ich erwartete, Geschichten von "erfolgreichen" Frauenbewegungen zu lesen), habe ich unheimlich viel gelernt, habe mich sehr bereichert gefühlt - vor allem gefiel mir das "Zu und Wider" vieler Gedankengänge, die Schutzbach hatte, und dass sie am Ende, wie auch vermutlich gewollt, meine Motivation, mich "offline" mit FLINTA* zu organisieren als Freund:innen und "Schwestern" zu 76543567% in die Höhe geschellt hat (und das genau zu dem Zeitpunkt, wo ich mich 1) gefragt habe, was Freundinnenschaften genau ausmacht und 2) die politischen Entwicklungen weltweit mich zum einen gefühlt hoffnungslos und zum anderen neu wütend gemacht haben, dass ich den starken Wunsch verspürt habe, mich nochmal neu zu organisieren - und eine Revolution der Verbundenheit anzustoßen).
Absolute Leseempfehlung - mit dem Hinweis, dass es nicht die zugänglichste Schrift ist.
(Danke an Netgalley und Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar)
Franziska Schutzbach wählt mit der Briefform, mit der sie ins Thema einführt, eine sehr persönliche Ansprache. Mich hat sie damit sofort abgeholt. Klasse finde ich auch ihre Haltung zu unseren feministischen Vorgängerinnen. Sie alle waren Kinder ihrer Zeit . Haltungen, die heute verurteilt werden, waren in vergangenen Zeiten noch nicht im Schrinwerferlicht der Gesellschaft. Auch in Frauen-Netzwerken gibt es Machtspiele, Missgunst und Vorurteile. Trotzdem sind Frauen-Freundschaften und Frauen-Netzwerke der Weg zur Befreiung der Frauen und FLINTA und queeren Menschen. Sehr empfehlenswert!
In ihrem 2024 erschienen Sachbuch „Revolution der Verbundenheit“ erkundet Franziska Schutzbach die transformative Kraft weiblicher Solidarität und zeigt, wie Frauen durch Beziehungen und Gemeinschaft patriarchale Strukturen herausfordern können. Franziska Schutzbach, geboren 1978, ist Soziologin, promovierte Geschlechterforscherin und feministische Aktivistin. Mit ihrer klaren Stimme und tiefgründigen Analysen hat sie sich längst einen Namen als Vordenkerin gemacht, die gesellschaftliche Missstände aufzeigt und Wege zu einer gerechteren Zukunft entwirft.
Worum geht’s genau?
Das Buch beleuchtet die Bedeutung weiblicher Beziehungen in einer zerrütteten und krisengebeutelten Gesellschaft. Schutzbach widmet sich historischen und aktuellen Beispielen, die zeigen, wie Frauen durch Freundschaften, politische Schwesternschaften und generationsübergreifende Solidarität gesellschaftliche Revolutionen ermöglicht haben. Doch sie spart nicht aus, wie schwierig es ist, diese Verbindungen zu leben – patriarchale Machtstrukturen fördern Spaltung und Konkurrenz unter Frauen. Gleichzeitig analysiert die Autorin die Herausforderungen, die Frauen durch Zeitmangel, Differenzen und Entsolidarisierung begegnen. Durch ihren persönlichen und sachlichen Zugang wirft sie ein kritisches, aber hoffnungsvolles Licht auf das Potenzial weiblicher Solidarität.
Meine Meinung
„Revolution der Verbundenheit“ war mein erstes Buch von Franziska Schutzbach, und ich bin begeistert – es wird definitiv nicht mein letztes sein. Die Autorin bearbeitet das Thema der Schwesternschaft mit einer enormen Bandbreite und schafft es, sowohl Einsteiger:innen als auch Fortgeschrittene im Thema abzuholen. Für Neulinge bietet sie eine klare Einführung in die Thematik, während Leser:innen wie ich, die sich bereits mit dem Thema befasst haben, neue Perspektiven und tiefgründige Analysen geboten werden.
Besonders beeindruckt hat mich der Aufbau des Buches. Jedes Kapitel beginnt mit einem persönlichen Brief der Autorin, gerichtet an Menschen, die ihr nahestehen oder sie inspiriert haben. Dieser Einstieg schafft eine intime Atmosphäre und eine Verbindung zwischen der Autorin und ihren Leser:innen. Die anschließenden Kapitel sind sachlich und analytisch, gespickt mit präzisen Fakten und tiefgreifenden gesellschaftlichen, historischen und psychologischen Einblicken.
Was mich besonders begeistert hat, ist Schutzbachs Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge prägnant auf den Punkt zu bringen. Ihre Introspektion beeindruckt und macht das Buch zu einem wahren Must-Read. Ich habe mir zahlreiche Textstellen markiert und viele der erwähnten Film- und Buchtipps notiert.
Zwar bin ich normalerweise kein Fan von philosophischen Ansätzen, die es auch teilweise im Buch gibt, aber Schutzbach gelingt es, diese so subtil und durchdacht einzubringen, dass sie mich keineswegs gestört haben. Das Buch ist so vollgepackt mit spannenden Informationen, dass ich es sicherlich noch einmal lesen werde, um alle Facetten zu verinnerlichen. Ihre erste Publikation „Die Erschöpfung der Frau“ habe ich mir bereits besorgt. Sie liegt auf dem Nachttisch bereit und ich freue mich, sie bald zu lesen.
Fazit
Franziska Schutzbach liefert mit „Revolution der Verbundenheit“ eine brillante, tiefgründige und dennoch zugängliche Analyse, die zeigt, wie weibliche Solidarität gesellschaftliche Veränderungen bewirken kann. Durch den durchdachten Aufbau und ihre präzise aber einfühlsame Sprache hat sie es geschafft, mich über die 350+ Seiten zu fesseln und zu inspirieren. Ein absolut lesenswertes Werk, das viele wertvolle Impulse gibt. Fünf von fünf Sternen.
Nachdem “Die Erschöpfung der Frauen” sehr augenöffnend für mich war, musste ich natürlich auch das neue Buch von Franziska Schutzbach lesen.
Diesmal geht es um weibliche Verbundenheit, aus der Kraft, Stärke, Schutz, Liebe, Trost und so viel mehr hervorgehen kann. Dabei werden die dunklen Seiten, unsere Verletzlichkeit, internalisierte Misogynie und der Schaden, den wir uns auch unter Frauen antun können, nicht außer Acht gelassen.
Schutzbach zeigt, was möglich ist oder noch sein kann und ist dabei inklusiv und intersektional.
Mir hat das Buch ein bisschen Mut gemacht und Hoffnung geschenkt - grade in diesen dunklen Zeiten.
Man muss nur damit klarkommen, dass es etwas trocken ist und meistens sehr theoretisch bleibt. Hier geht es nicht um Deutungshoheit, sondern auch die Autorin überlegt, philosophiert und sucht gemeinsam mit uns. Für mich war das okay.
Nur mit den Briefen, die sich zu Beginn der Kapitel befinden, bin ich nicht so ganz warm geworden. Die waren schon sehr offensichtlich für ein breites Publikum geschrieben und nicht nur für die Angesprochenen selbst. Da werden so ein bisschen Intimität und Authentizität vorgegaukelt, die bei mir nicht ganz ankommen wollten.
Dennoch, tolles Buch und große Leseempfehlung!