Einen Standard- Krimi erwartet und ein Lesehighlight entdeckt
Vor 10 Jahren verschwand die attraktive und lebenslustige Nina Rai eines Nachts spurlos und mit ihr eine Viertelmillion Dollar aus dem Safe des verhassten Ehemanns. Alle glaubten damals, Nina habe Mann und Kind verlassen, um irgendwo ein neues Leben zu beginnen. Nur ihr Sohn Aarav konnte diese Version nie glauben. Als nicht weit von seinem Elternhaus die sterblichen Überreste seiner Mutter mitten im neuseeländischen Busch gefunden werden, setzt er alles daran, den Tod seiner Mutter aufzuklären. Nach dem Klappentext zu urteilen, vermutet man zunächst einen typischen Krimi, bei dem es einfach nur darum geht, den Täter eines Verbrechens zu finden. Bereits nach wenigen Seiten erkennt man jedoch, was für eine großartige Geschichte man in den Händen hält. Die Geschichte wird aus der Sicht von Aarav erzählt und die Autorin versteht es meisterhaft, die Gefühlswelt und Verwundbarkeit von Aarav einzufangen und zu Papier zu bringen. Da der Leser mit dem Protagonisten fühlt und denkt, merkt man relativ schnell, dass etwas mit Aarav nicht stimmt, aber die Autorin hält diese Verwirrung bis zum Schluss, so dass man zwar ein sicheres Gefühl hat, dass der große Knall folgen wird, aber man hat überhaupt keine Ahnung, in welche Richtung es sich entwickeln wird. Außerdem tappt man gemeinsam mit Aarav im Dunklen und stellt dieselben Überlegungen und Verdächtigungen wie er an. Jeder in der Cul de Sac, einer noblen Sackgasse, die direkt an den Busch grenzt, hat seine eigenen Leichen im Keller. Und obwohl es sich um einen Krimi handelt, ist die Sprache teilweise wunderschön poetisch und mit tiefen Erkenntnissen und Lebensweisheiten garniert, die nie aufgesetzt oder gekünstelt wirken. Es ist von der Dynamik und Spannung kein Chris Carter, aber wer sich darauf einlässt, Aarav ein Stück seines Weges zu begleiten und sich auf seine leisen Töne einzulassen, wird mit einer großartigen Geschichte belohnt.









