„Die Bibliothek der verborgenen Erinnerungen“ von Kekla Magoon ~ 3,5/5 ⭐️
In diesem Roman begleiten wir die 11-jährige Dally in eine geheimnisvolle Bibliothek, zu welcher sie mit der versteckten Karte ihres verstorbenen Großvaters findet. Dort befinden sich Massen an persönlichen Geschichten aus allen Lebensbereichen - und mit diesen kann Dally in der Zeit zurückreisen und ebendiese Geheimnisse ihrer Vorfahren miterleben. Tatsächlich kann man das Buch als ziemlich einzigartig beschreiben, da ich persönlich vorher noch keines gelesen habe, wo so unglaublich wichtige, gesellschaftlich relevante Themen kritisch betrachtet und so toll in einen fiktionalen Roman eingebunden werden! ❤️ Der Schreibstil war wunderschön, was nicht zuletzt an der wirklich tollen Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn liegt! Zu den eben genannten, wichtigen Thematiken zählen Rassismus, Transfeindlichkeit und Homophobie in den verschiedensten Zeiten. Die Vorfahren der Protagonistin waren davon betroffen und mussten im 19. Jahrhundert um ihr Leben kämpfen und flüchten, bloß, weil sie Schwarze waren. Mehrere kleine Unterthemen, die allerdings meiner Meinung nach auch sehr wichtig sind, waren die Unterschiede zwischen Reich und Arm, die Wertschätzung der eigenen Lebenssituation und der stetige Wunsch Dallys, immer mehr Zeit in der Vergangenheit zu verbringen, um ihrer Gegenwart zu entfliehen 💕 Das Konzept des gesamten Romans war ebenfalls unvergleichlich und genial zugleich, denn besonders das Ende hat mich sehr berührt. Hinten im Buch befindet sich ein Stammbaum, in welchen man immer mal wieder reinschaut und so ein gewisses System und auch den Sinn der gesamten Handlung erkennt. Generell liebe ich Karten, Stammbäume, Playlists oder Tagebucheinträge in Büchern immer sehr! 😍 Aber kommen wir nun zu meinen Kritikpunkten. Zum Einen waren viele Reaktionen von Dally teilweise kindlich und übertrieben trotzig, was in einem großen Kontrast zu ihrem anfangs sehr erwachsenen Verhalten steht. Auch ihr Verhalten bei dem erstmaligen Auftauchen der Bibliothek erschien mir viel zu routiniert - dadurch hat diese Szene ziemlich unrealistisch gewirkt. Außerdem waren sehr viele Übergänge zwischen dem Ende eines Geheimnisses und der Wiederankunft in der Realität echt verwirrend, sodass man erst ein paar Seiten gebraucht hat, um zu verstehen, was dort gerade überhaupt los war. Ich hätte mir auch mehr aufbauende Spannung in vielen Szenen gewünscht, die dafür echt Potential bereitgestellt haben 🫶🏻 Trotzdem war es zusammengefasst ein schönes Buch mit einer unglaublich wichtigen Message, die in dem folgendem Zitat meiner Meinung nach nochmal sehr gut erklärt wird: „Wie auch immer, das ist alles eine große Lüge. […] Es gibt keinen Unterschied zwischen dir und den Menschen, die auf der anderen Seite der Stadt wohnen. Es fließt genau dasselbe Blut in deinen Adern.“ ❤️



