Ein Buch was berührt und zeigt wie diese Zeit wirklich war.
Dieses Buch hat mich tief bewegt, vielleicht gerade weil ich mit Blindenwerkstatt Otto Weidt bereits einen Teil von Inge Deutschkrons Geschichte kannte und deshalb mit einer Mischung aus Erwartung, Respekt und innerer Anspannung zu Ich trug den gelben Stern gegriffen habe, und doch war ich nicht darauf vorbereitet, wie nah mir dieses Buch gehen würde, denn hier begleiten wir Inge Deutschkron von ihrer Kindheit an durch das Leben im nationalsozialistischen Deutschland, durch ein Berlin, das sich Schritt für Schritt in einen feindlichen Ort verwandelt, in dem selbst ein Kind früh begreift, dass dieses System nicht nur falsch, sondern tödlich ist, und genau diese kindliche Klarheit, dieses frühe Verstehen, hat mich besonders getroffen, weil es zeigt, wie gnadenlos die Realität schon für die Jüngsten war; beim Lesen lief es mir mehr als einmal kalt den Rücken hinunter, weil das, was hier so sachlich und klar erzählt wird, kaum auszuhalten ist – die ständige Angst, das Ausgeliefertsein, die Willkür der Nazis, die schleichende Entrechtung und schließlich der Verlust des Vaters, während Inge mit ihrer Mutter versucht, irgendwie zu überleben, getragen auch von dem Mut und der Menschlichkeit anderer, die helfen, verstecken, Risiken eingehen, was dem Grauen zumindest kleine, aber umso wichtigere Lichtpunkte entgegensetzt; beeindruckt hat mich dabei besonders, dass Deutschkron nichts dramatisiert und nichts beschönigt, sondern das „normale“ Leben im Dritten Reich zeigt, gerade dadurch wird das Unfassbare erst recht begreifbar, und der einfache, klare, fast nüchterne Stil mit den kurzen Kapiteln ist für mich genau richtig, weil er Raum lässt für die eigenen Gedanken und Gefühle, ohne den Leser zu überwältigen oder zu belehren; für mich ist dieses Buch nicht nur eine erschütternde Lebensgeschichte, sondern ein stiller, eindringlicher Appell, der zeigt, wie alles begann, und gerade deshalb halte ich es für unglaublich wichtig, dass insbesondere Jugendliche dieses Buch lesen, weil es Geschichte menschlich macht, ohne sie zu entschärfen – ein Buch, das weh tut, nachhallt und das man nicht einfach wieder zuklappt und vergisst.



