Kommt leider nicht an Copperfield heran.
Einblick in die Gesellschaft der USA?
Vorweg, ich kenne Deamon Cupperhead nicht. Daher kann ich auch keinen Vergleich zu diesem Bich herstellen. Ich mochte die langsame Erzählweise, zwei Geschichten die sich immer wieder treffen. Die Verzweiflung, die Naivität und die Hoffnung auf ein gutes Ende. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl die Geschichte versinkt im Elend. Ich bilde mir ein, dass Buch hat mir einen Eindruck der amerikanischen Gesellschaft und Geschichte gegeben, vor allem hat es mir geholfen, die USA aktuell wohlwollender zu sehen und vielleicht auch zu verstehen.
Langatmig (abgebrochen)
Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, nachdem ich "Demon Copperhead" so sehr mochte. Dieses habe ich nach einem Drittel abgebrochen. Es ist so schade, aber ich fand es langatmig, langweilig und es war schwierig dranzubleiben.
Hat sich gut weggelesen . Insgesamt passiert aber nicht viel
Ich fand die Geschichte,in dem Buch ,die in zwei Zeitebenen spielte,überhaupt nicht spannend,dieses Buch war langatmig und zäh.Ich bin sehr enttäuscht;habe auch die letzten Kapitel sporadisch,mit übernlättern gelesen. Kein Vergleich zu ihrem vorherigen Buch Dämon Copperfield,die Geschichte war spannend bis zur letzten Seite. So kann man sich täuschen...
Anfang und Schluss fand ich toll
Giftholzbibel und Demon Cooperhead gehören zu meinen Lieblingsbüchern, daher war klar, dass ich die Unbehausten lesen musste. Anfang war super, Kingslover versteht es einfach zu schreiben und die Persönlichkeiten zum Leben zu erwecken. In der Mitte war es dann aber so zäh, dass ich 14 Tage brauchte und jeden Tag mich durchrang etwas zu lesen. Es verlor irgendwie die Handlung und konnte einen nicht mitnehmen. Die letzten 150 Seiten war es plötzlich wieder flüssig und mitreißend. Es ist ein Abriss der momentanen USA bzw. unserer Welt gepolt auf Wachstum und Konsum, wie wir damit kämpfen ein gewisses Bild zu erreichen und doch kläglich scheitern. Wie wir im Wandel leben und diesen mit aller Gewalt versuchen zu ignorieren, sowohl heute als auch zu Zeiten des Darwinismus. Die Frauen in dem Buch waren stark und gerade Tig hab ich sehr geliebt. Wer möchte nicht so taff sein wie sie?! Ist es Kingslovers bestes Buch? Ganz klar nein. Eher das Schwächste. Würde ich es empfehlen? Ja, Man muss in Stimmung dafür sein und sich durch die Mitte etwas beißen. Es war auf vielen Ebenen ein tolles Buch und mich hat es zum Nachdenken gebracht. So sollte man doch mehr unbehaust sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.
Eine schöne Idee Geschichten so über deren Örtlichkeit zu verbinden und auch die großen Änderungen im Denken denen sich die Protagonisten in der jeweiligen Zeit gegenüberstehen. Obwohl soviel passiert hat es hier und da ein paar kümmern gegeben und bei dem Thema Natur hätte ich mir ein paar schönere Beschreibungen gewünscht.
Barbara Kingsolver und ich können einfach keine Freunde werden. Das war jetzt mein 3. Versuch mit einem Buch von ihr und sie schafft es einfach nicht, mich einzufangen. Ja, teilweise witzig, aber ansonsten zu ausschweifend und nicht packend. Aber, das ist nur meine er persönliche Meinung.
Lesen!
📗Unser Haus ist wie unser Land - eine Ruine. Mit geradezu prophetischer Begabung beschreibt die Autorin vor fast 10 Jahren die Risse, die durch die USA gehen - mit einem Haus als Metapher, die nicht missverstanden werden kann. Populismus, Wissenschaftsskepsis, miserables Gesundheitswesen, keine soziale Absicherung. Und das nicht nur in der Gegenwart, sondern in jedem zweiten Kapitel auch 150 Jahre davor. In der Zeit Darwins, als der Kampf noch anders, aber ebenso gefährlich ausgetragen wurde. Ein gewaltiges Buch - im wahrsten Sinne des Wortes. So starke Bilder, so spannende Einblicke auch in das Leben historischer Personen und so vieles, das leider ein Abbild der Wirklichkeit ist. Der nur "Das Megafon" genannte Politiker ist ohne große Erklärungen sofort erkennbar. Besonderes Schmankerl: Jedes Kapitel endet mit den Worten, die die Überschrift des folgenden bilden. Das fand ich eine nette Idee. Absolute Empfehlung, trotz der einen oder anderen Länge!
Nette Geschichte
Mir gefielen die zwei Zeitebenen. Beide hatten interessante Aspekte zu bieten und es hat Spaß gemacht. die Parallelen und Verweise auf die jeweils andere Zeit zu entdecken. Leider ist mir besonders zum Ende hin in der „modernen“ Zeit“ der moralische Zeigefinger zu gehoben gewesen. So wahr auch alles war, waren Tigs Belehrungen etwas zu Vortragsmäßig. Subtilität und so…
Mir zu langatmig
Hat mir nicht so gut gefallen War mir persönlich zu langatmig Hatte viele Längen
Toll gelesen von Vera Teltz! Ich mochte diese Familiengeschichte, die auf zwei Zeitebenen in Vineland, einer Region in New Jersey spielt sehr.
Unglaublich-herausragend! Die USA von heute erklärt in einen Roman, der auch in der Vergangenheit spielt! Unbedingt lesen!!!
Jedes Wort ist am richtigen Platz ( tolle Übersetzung von Dirk van Gunsteren), mitreißend, mitleidend, mitfühlend-traurig und schön und trotz allem optimistisch! Ich bin froh, dass Barbara Kingsolver es schafft, trotz allem positiv zu bleiben und davor auch die Zuversicht auf eine bessere Zukunft als jetzt die Gegenwart für die USA ist zu lenken! Unbedingt lesen!!!
Ein Roman der an Aktualität nichts vermissen lässt. Gut ausgebildete Menschen sind arbeitslos oder haben prekäre Jobs und "hausen" im gleichen maroden Haus. Obwohl der Roman einige Längen aufweist sind die Geschichten doch sehr authentisch geschrieben. Die Autorin schreibt über 2 Personen bzw Familien, die jeweils in ihren unterschiedlichen Zeiten (150 Jahre liegen dazwischen) in einer Welt, die scheinbar aus den Fugen gerissen ist, leben. In so einer Zeit sind manche geneigt an einfache Lösungen zu glauben und wählen dann Menschen die ihnen das auch versprechen, auch wenn sie das nicht halten können und wenn möglich mit Ellenbogen oder Gewalt durchsetzen wollen. ...." Es liegt wohl in unserer Natur " , sagte sie schließlich. " Wenn die Menschen fürchten, ihre Gewissheiten zu verlieren, folgen sie jedem Tyrannen, der ihnen verspricht, die alte Ordnung wiederherzustellen. ", " wenn das in unserer Natur liegt, dann ist das blanker Wahnsinn. Dies sind die gefährlichste Zeiten, die wie je erlebt haben." Das Veränderungen scheinbar für viele eine Bedrohung darstellt beschreibt die Autorin durch die 2 Familiengeschichten sehr gut, jedoch sehr leise und unaufgeregt. Die Geschichte von Willas Enkel der gerade 1 Jahr geworden ist empfinde ich als stellvertretend für Veränderungen, die eigentlich in unserer Natur liegen sollten... Willa erinnert sich auch an ihre Kinder die laufen lernten: " anfangs stolperten sie, aber dann wurden sie immer sicherer, vergaßen diese Anfangsschwierigkeiten und dachten an andere Dinge, und das war Überleben." Veränderung ist Leben und Leben ist Veränderung, daran musste ich mich oft erinnern während dieses Roman.

War leider so gar nicht mein Fall 😔🏡
Zwei Jahrhunderte, zwei Familien, zwei Geschichten, ein Haus. Ein Haus, das kein Fundament hat und mehr oder minder über und unter jenen, die es bewohnen, auseinanderbricht. Ende des 19. Jahrhunderts bewohnt es der junge Naturkundeprofessor Thatcher mit Frau und Schwiegertiger, 150 Jahre später die Journalistin Willa mit Familie. Sowohl Thatcher und Willa versuchen, das Haus mit ihren bescheidenen Mitteln zu erhalten. Denn wohin, wenn man es aufgegeben müsste? Ein Dach über dem Kopf braucht der Mensch nun mal. 🏠 Barbara Kingsolver nützt das Haus, um das und in dem sich die Geschichten der beiden Familien abspielen, als Metapher für ihr gesellschafts- und sozialkritisches Porträt Amerikas. Eine Behausung als existenzielle Voraussetzung, um wirtschaftlich bestehen zu können und als Grundbedürfnis des Menschen, ein "Zuhause" zu haben, das Schutz bietet. Ich mag intelligente Bücher. Vor allem dann, wenn ich während des Lesens feststelle, wie intelligent meine Lektüre tatsächlich ist. Hier hatte ich den Eindruck, dass mir von Beginn an um die Ohren gehauen wurde, dass ich ein kluges Buch lese. ☝️ Sprachlich besonders, sorgten Stil und Formulierung durch Ausschweifungen jedoch für gewisse Längen. Die Geschichte wirkte auf mich dadurch sehr, sehr zäh - vor allem der Handlungsstrang rund um Thatcher. Leider konnte ich auch zu keinem der Charaktere wirklich eine Bindung aufbauen. 🤷♀️ Nur Willas Tochter stach mit ihren Überzeugungen und ihrem Engagement dafür für mich ein wenig heraus. Ein sehr amerikanisches Buch, sowohl mit amerikanischen Problemen, als auch der erschütternden Wahrheit, dass wir durch Rücksichtslosigkeit und Gier unseren Planeten und die Gesellschaft zerstören - das Fundament, das wir zum Überleben benötigen. Kein Roman für Zwischendurch und eine Lektüre, vor der man sich bewusst machen sollte, worauf man sich einlässt.
Die Unbehausten von Barbara Kingsolver habe ich teils gelesen und teils gehört, wunderbar eingelesen von Vera Teltz. Die Geschichte spielt in Vineland, New Jersey auf zwei Zeitebenen und hat auf den über 600 Seiten leider einige Längen. Das Leben der Journalistin, Mutter, Ehefrau und Schwiegertochter Willa Knox läuft aus dem Ruder: Sie bekommt keine Aufträge, ihr Mann Iano verliert seinen Lehrauftrag an der Uni, Sohn Zeke wird alleinerziehender Vater und die 26jährige Tochter Tik kehrt nach längerer Abwesenheit unerwartet in den Schoß der Familie zurück. Willas Schwiegervater Nik, großer Anhänger der Republikaner und ihres Präsidentschaftskandidaten, ist pflegebedürftig, doch mangels Krankenversicherung kann sich die Familie keinen Pflegedienst leisten und Willa übernimmt notgedrungen seine Pflege– zusätzlich zur Versorgung ihres neugeborenen Enkels Dusty, dessen Mutter kurz nach seiner Geburt den Freitod gewählt hatte. Willas Sohn Zeke überlässt seinen Sohn nur allzu gern seiner Mutter, um sich statt der Babypflege seiner Karriere zu widmen. Glücklicherweise verliebt sich Zekes Schwester Tik in ihren kleinen Neffen und hilft ihrer Mutter bei der Versorgung des Babys. Das Haus, in dem die Familie wohnt, stürzt beinahe zusammen. Ein Gutachter bezeichnet es als Ruine, doch einen Umzug und ein neues Zuhause kann sich die Familie nicht leisten. Da das Haus weit über hundert Jahre alt ist, wendet sich Willa an die Vineland Historical Society. Sie hofft, dass eine berühmte historische Persönlichkeit in ihrem Haus gewohnt hatte und stößt dabei tatsächlich auf die Naturforscherin Mary Treat und ihren Nachbarn, den Naturkundelehrer Thatcher. 150 Jahre zuvor begleiten wir den jungen Lehrer Thatcher, der von seiner Nachbarin Mary Treat fasziniert ist. Diese erforscht Pflanzen und Insekten und korrespondiert mit Charles Darwin. Der Handlungsstrang in der Vergangenheit konnte mich nicht fesseln. Es waren mir zu viele ausschweifende Gespräche über Darwin, seine Evolutionstheorie und die diesbezügliche kontroverse Meinung der Kirche. Die Handlung in der Gegenwart hat mir gut gefallen. Ich habe Willa und ihre Familie gern begleitet und einige Kose- und Schimpfwörter auf Griechisch gelernt, erstere von Willas Mann, letztere von ihrem Schwiegervater. Willa mochte ich sehr und habe es bewundert, wie sie Haushalt, Baby- und Altenpflege gemanagt und nebenbei die Geschichte ihres Hauses erforscht hatte. Aufgrund der Längen ziehe ich einen Stern ab und vergebe vier Sterne und eine Lese- und vor allem Hörempfehlung für diese teils komische und teils melancholische Geschichte einer griechisch-amerikanischen Familie aus New Jersey.
Ein starkes Buch, ein großer Roman! Die Story hat mich gefesselt, die beiden Geschichten haben mich in ihren Bann geschlagen. Viele Themen werden behandelt bzw. feinsinnig angedeutet. Und man kann für sich diverse Schlüsse ziehen - sei es gesellschaftspolitisch (Umwelt, Nachhaltigkeit, Macht und Wissen) oder ganz persönlich (die Bedeutung von Familie, Partnerschaft und Erziehung). Mir hat das Buch und der Schreibstil wirklich sehr gut gefallen.
"Im hellen Licht des Tages zu stehen, wie Sie mal gesagt haben. Unbehaust." In ihrem Blick war so viel Wärme, dass ihn schwindelte. Er hatte wenig Erfahrung mit Bewunderung. - Zitat, Seite 281 Die 1955 geborene Schriftstellerin hatte mit ihrem Roman "Demon Copperhead", der eine Hommage an den berühmten Klassiker von Charles Dickens und gleichzeitig eine moderne Gesellschaftskritik im Spiegel der Opiumkrise in den USA darstellt, eine Menge an Aufmerksamkeit erhalten und wurde mit literarischen Preisen ausgezeichnet. Diese Geschichte, die sich auf zwei Zeitebebenen abspielt, wurde bereits 2018 in der amerikanischen Originalausgabe "Unsheltered" veröffentlicht. Wie die Autorin in ihrer angefügten Danksagung erwähnt, orientierte sie sich bei den geschilderten Ereignissen des 19. Jahrhunderts an realen Begebenheiten. Die Biologin Mary Treat war eine Person, deren Arbeit laut Barbara Kingsolver "mehr Aufmerksamkeit verdient." Um so bedauerlicher ist, dass der historische Teil des Romans nicht aus der Perspektive der Biologin, sondern aus der Sicht des Lehrers Thatcher geschildert wird, der mit seinem Bestreben seinen Schülerinnen und Schülern eine neue Weltsicht zu erschließen, gegen Windmühlen ankämpft. Aber nicht nur mit engstirnigen Vorgesetzten hat er zu kämpfen, sondern auch mit einem Haus, welches immer mehr Risse bekommt. Seine junge Ehefrau und auch die Schwiegermutter scheinen den Ernst der Lage nicht ganz zu begreifen und setzen Erwartungen in ihn, denen er nicht gerecht werden kann, denn wie kann ein Mann verhindern, dass sein Haus über seinem Kopf zusammenfällt? Ähnliche Probleme mit knirschenden Wänden und bröckeliger Substanz hat im 21. Jahrhundert die (rein fiktive) Protagonistin Willa, eine auftragsfreie Journalistin mittleren Alters, die auf einmal zusätzlich vor viele neue Herausforderungen familiärer Art gestellt wird. Der Erzählansatz der Geschichte ist grundsätzlich interessant und weckt die Neugier. "Was tun, wenn alle Gewissheiten wegbrechen?" - Diese Frage stellt der Klappentext und die Erwartung auf spannende Lektüre steigt. Doch die Geschichte ist leider wenig lebendig oder gar inspirierend gestaltet. Die Szene, als der Lehrer Thatcher die unkonventionelle Nachbarin Mary Treat kennenlernt, während diese gerade ihren Finger in eine Venusfliegenfalle gesteckt hält, um ein wissenschaftliches Experiment durchzuführen, war erfrischend und ließ Hoffnung aufkommen, aber leider plätscherte die Handlung infolge etwas phantasielos dahin. Was die Zeitebene der Gegenwart betrifft, sind die Charaktere ziemlich konventionell geraten, obwohl sich vom Setting durchaus mehr Entwicklung angeboten hatte. Denn durch den Suizid der Schwiegertochter steht plötzlich die Frage im Raum, wer sich um den kleinen Erdenbürger kümmert. Die Lösung ist erstaunlich wenig originell. Was man als Hommage an die Literatur des unvergleichlichen Charles Dickens auffassen könnte, ist die Einbeziehung eines sachlichen Gegenstandes als Protagonist. Hier ist es (wie bei Dickens nicht unüblich) das Haus. Aber leider funktioniert das Bild weder als vollwertige Figur noch als greifbare Metapher, weil dieses Knirschen und Bröckeln zu keinem Zeitpunkt wirklich spürbar ist. Dem Roman fehlt es leider insgesamt an Substanz, er ist dafür, dass er so interessante Themen aufgreift, einfach viel zu zahm und zahnlos umgesetzt. FAZIT Nachdem "Demon Copperhead" im direkten Vergleich mit der klassischen Vorlage für mein Empfinden eher mittelmäßig abschnitt, wollte ich gerne noch ein Werk der Autorin lesen, welches ganz für sich steht. Leider war "Die Unbehausten" dann doch auch nur ein durchschnittliches Lesevergnügen. Dabei gefiel mir die Metapher der Unbehausten: Menschen, die offen für neue Erkenntnisse sind und sich nicht in das vertraute Schneckenhaus zurück ziehen, sollten hier als Protagonisten vorgestellt werden! Vielleicht hänge ich zu sehr am Schneckenhaus vorangegangener Lektüren, aber dieser Roman ist von mir nur eingeschränkt empfehlenswert.
„Wenn die Menschen fürchten, ihre Gewissheiten zu verlieren, folgen sie jedem Tyrannen, der ihnen verspricht, die alte Ordnung wiederherzustellen.“ (S. 282) Nachdem “Demon Copperhead” im letzten Jahr definitiv zu meinen Jahreshighlights zählte, war ich extrem gespannt auf diesen weiteren Roman von Barbara Kingsolver. Was mir beim Lesen ziemlich schnell klar wurde, war, dass dieses Buch doch sehr anders ist als erwartet. Aber fangen wir mal von vorne an: worum geht’s eigentlich? Vordergründig um die Geschichte zweier Familien, die 1870 und 2020 am gleichen Ort in New Jersey leben. Die metaphorische Verbindung zwischen den Zeiten stellt ein baufälliges Haus dar, in dem beide Familien mit 150 Jahren Abstand voneinander leben. Neben dem verbindenden Element fungiert dieses Haus auch als Sinnbild für bröckelnde Sicherheiten, Gewissheiten und Stabilität der gesellschaftlichen Ordnung der jeweiligen Zeit. 2020 ist dies für Willa Knox der Verlust sicherer Arbeitsbedingungen, das marode Gesundheitssystem, das ihren schwerkranken Schwiegervater ans Haus fesselt und ihrem Sohn Zeke die Mutter seiner Tochter nimmt, sowie die erstarkende politische Macht eines Mannes, „der jede Minderheit beleidigt und mit einem Mord auf der Fifth Avenue gedroht hatte.“ (S. 472). Zu allem Überfluss ist ihr Schwiegervater auch noch großer Anhänger dieses („das Megafon“ genannten) Mannes und betitelt den neuen Freund ihrer Tocher Tig als „puerto-ricanische[n] Gangster“ (S. 88). 1870 ist dies für den Biologielehrer Thatcher Greenwood der Konflikt mit seinem Schulleiter, in den er gerät, weil er an Darwins Evolutionstheorie glaubt. Er erlebt mit, wie gefährlich diese auf Empirie beruhenden, wissenschaftlichen Theorien in einer auf Glauben und Traditionen ausgerichteten konservativen Gesellschaft werden können. Eine Gleichgesinnte findet er nur in seiner Nachbarin Mary Treat, einer Naturforscherin, die im Austausch mit Charles Darwin steht und mit der er sich intellektuell um einiges stärker verbunden fühlt als mit seiner Frau Rose. Ingesamt fand ich die Geschichten beider Zeitebenen thematisch super interessant; Evolutionstheorie, Biologie, Darwin, Kontrolle der Medien und damit der öffentlichen Meinung, prekäre Arbeitsbedingungen, Mängel im Gesundheitssystem - alles höchst relevant und aktuell! Dennoch haben mich beide Geschichten merkwürdigerweise emotional nicht wirklich erreichen können. Die Charaktere blieben mir irgendwie seltsam fremd und von der emotionalen Wucht eines „Demon Copperheads“ war mein Leseerlebnis leider weit entfernt. Unterm Strich ein thematisch aktuelles, sehr gut recherchiertes und klug konstruiertes Buch, das meinen (zugegebenermaßen hohen) Erwartungen leider nur bedingt gerecht werden konnte. Ich hoffe auf Neues von Barbara Kingsolver, denn da „Demon Copperhead“ im Original nach „Die Unbehausten“ erschienen ist, bin ich überzeugt, dass die Kurve weiter steil nach oben gehen wird.
Gutes Buch...
auch wenn es an Demon Copperhead nicht ran kommt. Aber sprachlich gelungen, die Charaktere aus beiden Zeitlinien haben mir gefallen. Die Story als solche, hätte aber mehr Fahrt aufnehmen können. Manchmal plätschert sie zu sehr dahin (wenn auch durchaus angenehm).

Das fängt sprachlich schonmal sehr gut an 🤩
Beide Handlungsstränge sind interessant und vermitteln die Probleme der jeweiligen Zeit gut.
Ok, aber kein Vergleich zu Daemon Cooperhead
Zwei Geschichten von Bewohnern eines Hauses in den USA. Zur heutigen Zeit und 150 Jahre zuvor. Sie beschreiben die jeweiligen Probleme, die in beiden Gesellschaften herrschten und hin und wieder gibt es Stellen, in denen die Geschichten sich kurz verbinden. Es zeigt m.E. gut, wie gut ausgebildete Menschen mit ihren Familien schnell an das Existenzminimum geraten können (Stichwort Immobilien, Krankenversicherung, etc)
Abwechselnd in zwei Zeitschienen wird die Geschichte eines Hauses erzählt. Wir lesen von Menschen und Familie, die hier lebten, mit Problemen, Sorgen, Lebenseinstellungen und Lebensperspektiven. Das Haus hat auch viele Probleme, denn es könnte jederzeit einstürzen. Interessant fand ich die Probleme der Familie in der "Heute-Zeit", obwohl mir kein Charakter sehr nahe kam. Vor allem die soziale Versorgung ist sehr erschreckend, wenn man in den USA nicht reich ist. Die zweite Zeitschiene, ca 150 Jahre zuvor, hat mich etwas gelangweilt, die Darwinsche Lehre und biologischen Erörterungen haben mich nicht angesprochen. Die Parallelen in den beiden Zeitschienen werden im Fortschreiten der Geschichte immer deutlicher, in Politik, Miteinander und Weltanschauung - auch wenn die äußeren Umstände unterschiedlich sind. Letztlich suchen alle Menschen nach dem gleichen: einem sicheren Heim. Gut geschrieben waren alle Dialoge, die passten ausgezeichnet in die jeweilige Zeit, ebenso die Verhaltensweisen der Protagonisten. Insgesamt kam dieses Buch aber nicht annähernd an Demon Copperhead heran, weder Story noch Schreibweise haben mich so begeistert. Es war mir alles zu weitschweifend und zu entfernt von meiner Realität. Der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Da die Geschichte um Willas Familie aber so viel von der politischen, sozialen und der Bildungssituation in den USA von heute erzählt, fand ich es lesenswert.

DIE UNBEHAUSTEN Barbara Kingsolver Dieses Buch ist ein früherer Roman von Barbara Kingsolver, der im Original bereits 2018 erschienen ist. Nach dem überwältigenden Erfolg von Demon Copperhead wurde er nun ins Deutsche übersetzt. 1870: Thatcher Greenwood ist Naturkundelehrer mit Leidenschaft – und ein überzeugter Anhänger von Darwins Evolutionslehre. Doch an seiner Schule sind moderne Gedanken unerwünscht. Der Rektor verbietet Experimente und lehnt jede Form wissenschaftlichen Fortschritts ab. Thatcher steht kurz vor der Kündigung. Auch privat steckt er fest: Die Ehe mit seiner Frau Rose ist lieblos, das Haus, in dem sie mit deren Mutter und Schwester wohnen, verrottet zusehends. Als einziger Verdiener droht ihm alles über dem Kopf zusammenzubrechen. Nur bei seiner Nachbarin, der Biologin Mary Treat, findet er Verständnis und intellektuelle Verbundenheit. 2020: Die Journalistin Willa und ihr Mann Iano, Politikwissenschaftler, rutschen in eine handfeste Krise. Nachdem Iano seine feste Stelle verliert und das gemeinsame Haus dadurch praktisch wertlos ist, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in ein geerbtes, einsturzgefährdetes Haus zu ziehen. Dort leben sie mit dem pflegebedürftigen Schwiegervater – ohne Krankenversicherung, mit Schulden und ohne Perspektive. Als sich die Freundin ihres Sohnes das Leben nimmt, ziehen auch Sohn und Enkelkind bei ihnen ein. Und als wäre das nicht genug, steht plötzlich auch die rebellische Tochter wieder vor der Tür. Wie diese beiden Zeitebenen miteinander verknüpft sind, müsst ihr selbst herausfinden. Barbara Kingsolver legt den Finger auf viele wunde Punkte des amerikanischen Gesellschaftssystems: prekäre Arbeitsverhältnisse, Bildungsungleichheit, fehlende Absicherung sowie mangelndes Gesundheitswesen. Und doch hat mich der Roman emotional nicht erreicht. Die Themen sind wichtig, der Stil präzise – aber die Figuren und ihre Geschichten blieben für mich seltsam distanziert. Die Handlung in der Gegenwart hat mir insgesamt besser gefallen als die im Jahr 1870. Und doch war es gerade die Ausdrucksweise und das höfliche, beinahe altmodisch-gentlemanhafte Auftreten von Thatcher, das mich beeindruckt hat. Insgesamt zog sich das Buch für mich aber über weite Strecken – 200 Seiten weniger hätten der Erzählung gutgetan. Nach Demon Copperhead, einem Buch, das mich tief beeindruckt hat, konnte mich dieses Werk leider nicht überzeugen. Dennoch bleibt Kingsolver für mich eine Autorin, die ich weiterhin lesen möchte. Fazit: Relevant und sprachlich solide – aber ohne emotionale Tiefe. 3½/5 Ein interessanter Aspekt am Rande: Die Figur der Mary Treat basiert auf einer realen Person – Kingsolver verknüpft hier geschickt historische Biografie mit Fiktion.

Ein Haus, zwei Geschichten
• Buchrezi • 🫤 Zum Inhalt: Willa zieht mit ihrer Familie in ein geerbtes Haus nach New Jersey. Eigentlich dachte sie mit Mitte 50, dass sie und ihr Mann Iano finanziell unabhängig und frei von größeren Sorgen wären. Doch es kommt anders: Die wilde, freiheitsliebende Tochter wohnt wieder zuhause, der Sohn kehrt nach dem Suizid seiner Partnerin samt neugeborenem Baby hilfesuchend zurück und Willas pflegebedürftiger Schwiegervater treibt mit seiner ignoranten Art alle in den Wahnsinn. Das neue Zuhause? Eine Bruchbude: Kalt, nass, einsturzgefährdet. Geld ist knapp, nur Iano hat einen Job, Willa nicht. Politisch liegt das Land im Argen, die Familie kämpft an allen Fronten. 150 Jahre zuvor: Thatcher, Lehrer mit geringem Einkommen, versucht seine einst wohlhabende Familie über Wasser zu halten. Durch die Familienhunde lernt er Mary kennen: Eine skurrile, kluge Frau mit einer Obsession für Flora und Fauna. Sie steht im Austausch mit niemand Geringerem als Charles Darwin. Auch Thatcher teilt Darwins Ansichten, doch im erzkonservativen Vineland sind solche Gedanken mehr als unerwünscht… Was verbindet diese beiden Geschichten, außer einem maroden Haus, das dem Untergang geweiht ist? Mein Fazit: Barbara Kingsolver schreibt starke Bücher, auch dieses ist inhaltlich gewaltig. Sie erzählt vom bröckelnden Amerika aus Sicht zweier Familien. Es geht um das kaputte Gesundheitssystem, Armut trotz guter Ausbildung, Politik, Rassismus, Religion und noch viel mehr. Die Gegenwartsgeschichte hat mich emotional mehr erreicht, weil die Themen so nah an unserer Realität sind. Die Vergangenheitshandlung war zwar interessant, aber durch die vielen Theoriepassagen zur Evolution oft sehr trocken. Insgesamt war es einfach nicht mein Buch, zu viel Erklärung, zu viel Theorie. Dennoch ist es ein gutes Buch, das viele Leser*innen sicher sehr schätzen werden. Die Ängste rund um Familie, Verantwortung und Verfall sind greifbar. Ich vergebe trotzdem gerne volle 🏚️🏚️🏚️🏚️🏚️!
„Nur unter Zwang lässt sich ein Wesen dazu bringen, unbehaust zu leben.“ „Unbehaust stehen wir im hellen Licht des Tages.“ „Unbehaust fühlen wir uns dem Tod ausgesetzt.“ Und genau das lese ich in diesem Buch. Wir alle suchen nach Schutz und Unterschlupf, einem Ort, an dem wir uns sicher und geborgen fühlen. Ein Zuhause. Gleich, ob wir uns mit Menschen umgeben, die uns nahe stehen oder das zuhause in einem Dach über dem Kopf sehen. Barbara Kingsolver hat diese Idee von „Zuhause“ anhand eines baufälligen Hauses dargestellt, zu zwei unterschiedlichen Zeiten, zwei beeindruckenden Persönlichkeiten Schutz bietend. Worum geht es genau? Um Willa Knox scheint alles zusammenzubrechen - samt ihres Hauses. Trotzdem versucht sie inmitten eines zänkischen, schwerkranken Schwiegervaters, eines Kleinkinds, eines trauernden Vaters und ihrer Tochter die Familie zusammenzuhalten. 150 Jahre zuvor kämpft Thatcher, Darwinist und Naturkundelehrer, für die Aufklärung und gegen die Engstirnigkeit der Menschen. An seiner Seite die eigenbrötlerische Naturforscherin Mary Treat, mit der er mehr und mehr Zeit verbringt. Das ist mein zweiter Roman von Barbara Kingsolver, und er hat sich bei mir zum richtigen Pageturner entwickelt. Das war eine regelrechte Sogwirkung, dass das Buch - das Haus! - mit seinen knarrenden Dielen und seinem bröckelnden Putz auf mich ausgeübt hat. Ich wollte immer wieder zurück zu dem bunten Strauß an Menschen, denen es eine Heimat bot und zu deren Leben, die sie unter dem Dach (undicht!) führten. Eines verband sie - dieses viktorianische Haus und das dringende Bedürfnis nach einem soliden Zuhause. Danach streben die meisten Menschen, oder? Nach einem Ort, zu dem sie zurückkehren können. An dem sie sich sicher und geborgen fühlen können - und dieses Grundbedürfnis und gleichzeitig die fundamentale Angst hat die Autorein zum Thema von „Die Unbehausten“ gemacht - und in einer unglaublichen Art erzählt, die mir unter die Haut ging. Ich bin Willa, Schwiegertochter, Mutter, Großmutter, Ehefrau, Pflegeperson, ebenso gerne und gespannt gefolgt wie Thatcher. Ihre Leben grundverschieden - und doch stimmen sie an einigen Punkten überein. Willa ist stark - und gleichzeitig schöpft sie Stärke aus ihrer Tochter Tig, die sie erst in ihrer gemeinsamen Notlage wirklich versteht. Gleichzeitig durchleuchtet Kingsolver das amerikanische Gesundheitssystem und die politische Ausrichtung. Ein Gespräch von Mutter und Tochter an einem sehr ungewöhnlichen Ort ist mir hierbei besonders im Gedächtnis geblieben - thematisch ging es um die sich verändernde Realität, der wir ins Auge blicken müssen. Unglaublich gut geschrieben und auf den Punkt gebracht. Thatcher hat mit anderen Themen zu kämpfen (der sturen Religiosität an Schulen und der Angst vor der Wissenschaft, die wir heute als Alltäglichkeit wahrnehmen.) Willa wie Thatcher leben in Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit. Ich lege das Buch mit leichtem Unbehagen bei Seite. Denn wir leben in Willas Zeiten, in Zeiten von Umbruch und bröckelnder Sicherheit - das war ein sehr intensives Leseerlebnis, das mich durch die Seiten hat fliegen lassen. Eine absolute Leseempfehlung von mir.
Intelligenter Plot mit vielen Metaphern
Barbara Kingsolver ist eine Chronistin der prekären Verhältnisse in den USA. In „Demon Copperhead“ hat sie das meisterlich unter Beweis gestellt. Auch in ihrem neuen Roman schafft sie es einen etwas eigentümlichen Spirit über ihre Protagonisten zu transportieren. Hier sind es nicht die Menschen, die schon in schwache soziale Verhältnisse geboren werden, sondern Figuren, die aufgrund der Rahmenbedingungen eines unsozialen Staates, finanziell absteigen. Ein Haus, schon Mitte des 19. Jahrhunderts nicht richtig konzipiert und 150 Jahre später mehr als baufällig, steht im Mittelpunkt des Geschehens und ist für mich ein starkes Symbol. 2016 lebt Willa Knox mit ihrer Familie unter dem maroden Dach eben dieses Hauses, und verwaltet ihr bauffälliges Leben – auch finanziell und emotional ist es immer wieder eine Herausforderung. Ihr Sohn Zeke hat seine Frau nur kurz nach der Geburt seines Sohnes verloren und Willa kümmert sich nun auch um den kleinen Dusty. Ihre Tochter Tig ist klein aber „oho“ und ihr Mann Iano ist eine Mischung aus Sunnyboy und Intellektuellem, der seine Frau braucht und vielleicht auch liebt, aber trotzdem sein Ding macht, ohne wirklich was auf die Reihe zu kriegen. Und dann ist da noch Nick, der sterbende Schwiegervater mit griechischen Wurzeln, der selbst im Angesicht des Todes unversöhnlich mit der modernen Welt scheint. Und so wuselt sich Willa durchs Leben, und hält im wahrsten Sinne des Wortes alles irgendwie zusammen. Auf der Suche nach einer finanziellen Lösung für das verfallende Haus, stößt sie bei Recherchen auf eine Persönlichkeit namens Mary, die gegebenenfalls einen Geldsegen verspricht, hat diese doch mutmaßlich in dem Haus gewohnt und mit Charles Darwin in Verbindung gestanden. Sie gilt damit als bekannte Persönlichkeit. Das verspricht Fördertöpfe, mit denen das Haus saniert werden könnte. In der Vergangenheit lebt aber Thatcher Greenwood, Lehrer und Wissenschaftler, in diesem Haus. Er ist ein großer Fan des noch sehr jungen Darwinismus, wird aber in seinen Kreisen mit Engstirnigkeit, religiösem Dogma und gesellschaftlicher Stagnation konfrontiert. Dann lernt er seine Nachbarin Mary kennen die für eine Frau der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich ist. Sie liebt Insekten und kleines Getier und setzt sich mit der Evolutionstheorie auseinander. Und so erleben wir im Wechsel, wie es der Familie Knox ergeht und ob Thatcher die Argumente im Kampf für die Wissenschaft ausgehen. Und auch wenn es hier auf den ersten Blick scheint, dass wir zwei Jahrhunderte über ein Haus miteinander verbinden, so verbirgt sich im Plot sehr viel mehr. Ganz fein hat Kingsolver die mentale Labilität des doch so modernen und freien Amerikas eingewebt. Besonders in der Figur des Großvaters Nick und des Direktor Cutler sind starke Parallelen. Es wirkt, als ob die Autorin den Ursachen für die gegenwärtigen Diskrepanzenin diesem Staat, auf den Grund gehen möchte. Manchmal hatte ich beim Lesen den Eindruck, als wenn dieses Land nur den Anschein einer Modernität an den Tag legt und im Grunde genauso marode aufgebaut wurde wie das Haus und damit dem Zusammenbruch ausgeliefert ist. Das baufällige Obdach also als Synonym für den baufälligen Staat. Interessant ist auch die Darstellung des kleinen Dusty, der heranwächst und den das ganze Chaos drumherum, überhaupt nicht interessiert. Sind die Grundbedürfnisse gestillt, schafft er es irgendwann auf beiden Beinen in die Welt zu stapfen. Eine Menge Metaphorik, die ganz beiläufig daherkommt und das Buch zu etwas besonderem macht. Dass das letzte Wort eines Kapitels immer die Kapitelüberschrift des Nächsten ist, ist eine kleine Spielerei, die mir sehr gut gefallen hat. Beide Erzählstränge beherbergen Protagonisten, die sich trotz Widerstände aufrecht halten und nicht unterkriegen lassen, die erneuern wollen und modernen Entwicklungen, auch ethisch integer, entgegensehen. Wie kräftezehrend das ist, spürt man deutlich. Bedrückend ist es dann, dass man nicht weiß, ob es sich lohnt. Dies ist besonders bei Willa zu spüren. Eine besondere Sympathie hatte ich für Tig, die am Anfang beschützenswert erscheint und sich als selbstsichere und reflektierte Persönlichkeit entpuppt. Kingsolver trifft bei mir genau den Ton, denn ihre Erzählkunst, kann mich jetzt schon zum zweiten Mal an ein umfangreiches Buch fesseln. Sie baut ihre Texte intelligent und trotzdem packend auf. Dabei sind es die Menschen, die man gerne übersieht, denen sie hier ein großes Werk widmet. Man bemerkt einmal mehr ihre große Beobachtungsgabe, die sie auf all jene richtet, denen es nicht so leicht fällt, ihren Status Quo zu halten Das Buch hat war sehr abwechslungsreich, wenn mir auch der Teil mit der Familie Knox etwas besser gefallen hat als der Blick auf die historische Persönlichkeit. Das Nachwort wiederum liefert noch mal ergänzen und wichtige Informationen, die ich lieber im Laufe der Geschichte erzählt bekommen hätte. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter, besonders all jenen die intelligente Literatur mögen.

Übersetzt von Dirk van Gusteren Manche Menschen sind geborene Geschichtenerzähler:innen. Sie haben das Talent aus allem etwas herauszuholen. Durch sie lernst du Orte kennen, die du dir in deinen kühnsten Träumen nicht ausmalen konntest und Figuren werden zu echten Menschen in deinem Kopf, werden zu Freunden, die du nie wieder vergessen wirst. Sie schenken dir Geschichten, die dir etwas beibringen, dich über den Tellerrand schauen lassen und dich durch eine Achterbahn der Emotionen schicken. Sie machen dich glücklich, traurig, sie machen dich wütend, mitfühlend und lebendig. Sie schenken dir Geschichten, die immer für dich da sind, egal, wie turbulent das Leben manchmal sein kann. Barbara Kingsolver hat mir mit "Demon Copperhead" letztes Jahr das Herz gebrochen und es wieder zusammengesetzt. Diese unglaublich berührende, zart und zugleich so hart wie das Leben erzählte Geschichte hat sich von der ersten Seite an in mein Herz geschlichen. Barbara Kingsolver ist eine dieser Geschichtenerzählerinnen. Eine Autorin, so getrieben von dem Drang großartige Literatur auf Papier zu bannen, dass man es in jeder Zeile fühlt. Und so war ich natürlich mehr als aufgeregt, dass nun ein weiterer Roman von ihr ins Deutsche übersetzt wurde. Und eins kann ich vorwegnehmen, diese Frau kann wirklich über alles schreiben. "Die Unbehausten" ist gleichzeitig komplett anders als "Demon Copperhead", aber auch irgendwie gleich. Aber worum geht es eigentlich? Auf zwei Zeitebeben lernen wir zwei ganz unterschiedliche Familien kennen, die im selben Haus in der historischen Stadt Vineland in New Jersey leben. Das Haus ist sogleich Mittelpunkt als auch Sorgenobjekt beider Familien, denn auf beiden Zeitebenen ist es baufällig und grenzt an Verfall. Doch natürlich spielen sich noch jede Menge anderer große und kleine dem Alltag der damaligen und heutigen Zeit angepassten Dramen ab. Willa Knox, freie Journalistin, steht neben dem baufälligen Haus ohne Aufträge da. Ihr Mann Iona droht seine Professur zu verlieren und auch ihre Kinder Zeke, plötzlich alleinerziehender Vater und Tig stehen wieder auf der Matte vor ihrer Haustür. Außerdem ist da noch Nick, Ioanas kranker Vater, der mit im Haus wohnt und dem republikanischen Präsidententschaftskandidaten verehrt, den sie alle nur das "Megafon" nennen. Alles in allem, eine Kombination, die nicht nur einmal zu jede Mengen Konflikten führt aber auch eine, die sich in den Zeiten schlimmster Not daran erinnert, was am Wichtigsten ist: die Familie. 150 Jahre früher im selben Haus führt der Lehrer Thatcher einen ähnlichen aber auch zugleich völlig anderen Kampf. In einer Zeit, in der die Welt immer mehr von Menschen wie Charles Darwin über die wahre Schöpfung der Menschheit aufgeklärt werden, halten sich doch noch viele vor allem in Vineland und vor allem an Thatchers Schule verzweifelt und taub für bewiesende wissenschaftliche Belege an der göttlichen Schöpfung fest und verteufeln alles andere als Sünde. In all diesem Trubel lernt Thatcher durch Zufall seine Nachbarin kennen, Mary Treat, die große Berühmtheit als Naturforscherin erlangen sollte. Während in "Demon Copperhead" vorrangig eine Person im Vordergrund von Kingsolvers Erzählgerüst stand, obwohl die anderen natürlich viel mehr als Nebenfiguren waren, sind es "Die Unbehausten" zwei Protagonisten, die auch noch 150 Jahre trennen. Da wäre einmal Willa, die mit ihrer Familie im besagten Haus zur heutigen Zeit lebt, die mit großen und kleinen Alltagsprobleme konfrontiert wird, die wir wohl alle kennen, aber dabei den Blick nicht verliert. Vor allem in den Interaktionen mit ihrer Tochter Tig, die mit eine der interessantesten Figuren in "Die Unbehausten" darstellt, beweist Willa, dass sie sich auch fern ihrer festgelegten Sichtweisen bewegen und andere Perspektiven einnehmen kann. Außerdem baut Kingsolver in dem Erzählkonstrukt der Gegenwart auch viel Realität ein, was mir ebenfalls gut gefallen hat. Sei es aufgebrochene Rollen der Kindererziehung, die große Katastrophe des Klimawandels und wie wir selbst durch nur kleine Gesten etwas ändern können, die Katastrophe der Gesunheitsversorgung, hier speziell in den Staaten und das politische Kippen im Land, bei dem ein republikanischer Präsidentschaftskandidat lediglich durch lautes Reden und keinem Inhalt auf sich aufmerksam macht und in den Umfragen durch die Decke geht, was bekanntlich schon bittere Realität in den USA geworden ist. Das gesellschaftliche Kernthema 150 Jahre zuvor ist der Abkehr zur göttlichen Schöpfung und Charles Darwin revolutionäre Evolutionstheorie, in die der Protagonist Thatcher wunderbar hineinpasst. Unverwüstlich kämpft er für wissenschaftliche Fakten, die man als normal denkender Mensch eigentlich nicht leugnen kann und freundet sich dabei noch mit der Naturforscherin Mary Treat an. Thatchers Kampf macht wütend, wütend, angesichts der Leugnung der Menschen Offensichtliches nicht zu sehen aber Thatchers Freundschaft zu Mary ist der leise und wunderschöne Teil dieses Erzählstrangs. Eine berührendes und zart erzähltes Band der Freundschaft und eine Hommage an eine wunderbare, spannende und unglaublich kluge Frau, die alles andere als fiktiv war, wie Barbara Kingsolver noch einmal in ihrem Nachwort betont, genauso wie die Stadt Vineland und ihre seltsame und einzigartige Geschichte. "Die Unbehausten" hat sich anders in mein Herz geschlichen als "Demon Copperhead", aber sie hat es zweifellos getan. Sie hat meinen Blick erweitert in vielen Dingen und vor allem für eine Frau, die allen Konventionen der Zeit getrotzt hat und ihrer Berufung und Leidenschaft aufgegangen ist. Tatsächlich habe ich sogar wegen Mary die Erzählstränge in der Vergangenheit ein bisschen mehr gemocht aber wirklich nur ein wenig, denn meine Lieblingsfigur Tig in der Gegenwart steht ihr eigentlich in nichts nach. Seltsam, dass mir ausgerechnet zwei "Nebenfiguren" in der Geschichte am besten gefallen haben, aber es zeigt nur, wie unglaublich vielschichtig Barbara Kingsolver Werk geraten ist. "Die Unbehausten" erzählt gar nicht so viel und doch erzählt es alles. Eine großartige Geschichte über zwei Leben, dasselbe Haus und allem, was drum herum passiert. Und noch viel mehr. Eine wunderschöne Hommage an das Menschsein und an das Leben und der endgültige Beweis, das ich von nun an alles, was Barbara Kingsolver geschrieben hat und schreiben wird, lesen werde. Auch Einkaufszettel. "Es liegt wohl in unserer Natur", sagt sie schließlich. "Wenn die Menschen fürchten, ihre Gewissheiten zu verlieren, folgen sie jedem Tyrannen, der Ihnen verspricht, die alte Ordnung wiederherzustellen." S.282 "Manchmal ist das Richtige nicht eine Sache, sondern eine Person." "Und das bin ich?" "Und das bist du". S.603
Willa hat das Haus ihrer Tante geerbt. Ein viktorianisches Gebäude in New Jersey. Es soll als Heim für sie und ihre Familie dienen. Schwierig ist nur, dass es baufällig ist und buchstäblich langsam aber sicher nach und nach auseinanderfällt. Die Familie kann sich einen Umbau nicht leisten. Während einer privaten Recherche entdeckt Willa, dass evtl. eine historische Persönlichkeit im 19 Jahrhundert in ebendiesem Haus gelebt haben könnte. Wenn dem wirklich so ist, könnte sie eine finanzielle Unterstützung zur Renovierung beantragen. Um welche Persönlichkeit handelt es sich und kann Willa zum Erhalt ihres Heimes beitragen? Thatcher Greenwood ist der neue Lehrer an der Highschool in Vineland und ein großer Verfechter des Darwinismus. Sein neuer Arbeitgeber und der Direktor der Schule, Professor Cutler, ist allerdings wenig davon überzeugt und hält die Schöpfungslehre als einzig wahre Antwort, woher das Leben stammt. Als Thatcher eines Tages zufällig seine Nachbarin Mary kennenlernt, scheint er eine Gleichgesinnte getroffen zu haben. Mary führt in ihrem Zuhause aber auch in der angrenzenden Sumpflandschaft eigene wissenschaftliche Experimente durch. In der Welt von Flora und Fauna haben es ihr vor allem Spinnen und Ameisen angetan. Für eine Frau im Jahre 1874 absolut unschicklich. Es ist unmöglich, sich dem Charme von Willa und ihrer Familie zu entziehen. Jedes Mitglied ist mit ihren/seinen Ecken und Kanten ganz besonders liebenswert und auch der meckernde, pflegebedürftige Schwiegervater wächst einem ans Herz. Die beiden Forscher*innen, Mary und Thatcher, sind ebenfalls sehr zugänglich gezeichnet und man möchte beide so gerne an die Hand nehmen und ihnen sagen, dass es in der Zukunft besser um die Wissenschaft bestellt ist. Wie viele vor ihnen, waren sie ihrer Zeit voraus. In "Die Unbehausten" spielt Barbara Kingsolver mit historischen Parallelen zur Gegenwart und beweist einmal mehr, wie stilsicher und wortgewandt sie ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass mich dieses Buch nicht ganz so fesseln konnte wie "Demon Copperhead", empfehle ich es mit großer Freude weiter.





























